Handball-Bundesliga

Füchse träumen von dem Unwahrscheinlichen

Obwohl sie nichts zu verlieren haben, reisen die Handballer der Füchse Berlin mit eher gedämpften Erwartungen zum Auswärtsspiel beim Deutschen Meister Hamburger SV. Zu schwer wiegen die Ausfälle von Alexander Petersson und Bartlomiej Jaszka. Dennoch ist Träumen erlaubt.

Foto: picture alliance / Annegret Hils / picture alliance / Annegret Hils/Annegret Hilse

Die Medaille hat einen Ehrenplatz. Allerdings nicht in Berlin, vielmehr bewahrt Ivan Nincevic die bronzene Plakette in seinem Haus in der Hafenstadt Zadar in Süden Kroatiens auf. Dort hatte der Linksaußen der Füchse Berlin nach der Handball-Europameisterschaft kurz Station gemacht, ehe er wieder zum Bundesligisten stieß. Wenn Nincevic am Mittwoch mit den Füchsen beim Deutschen Meister HSV Hamburg antritt (20.15 Uhr, Sport1) – es ist das erste Spiel nach der sechswöchigen Pause –, weht auch ein leichter Hauch der kontinentalen Titelkämpfe über das Spitzenduell hinweg. Nicht weniger als 15 EM-Teilnehmer aus neun Nationen, darunter sechs Halbfinalisten und fünf Medaillengewinner stehen sich in der Partie am Abend gegenüber. Und Ivan Nincevic trifft beim HSV gleich auf drei kroatische Teamkollegen, mit denen er bei der EM die Bronzemedaille gewann.

Die Begrüßung vor dem Anwurf wird herzlich, da ist sich Nincevic sicher. „Nur, mit dem ersten Ballwechsel ruht die Freundschaft für die Zeit des Spiels. Dann bin ich voll und ganz auf die Füchse fokussiert“, sagt der kroatische Torjäger. Mit 96 Treffern ist der Linksaußen bester Bundesliga-Schütze des Hauptstadtteams. Und trotz der anstrengenden EM in Serbien ist Nincevic heiß. „Wir haben eine so starke Hinrunde gespielt und sind zurecht auf dem zweiten Platz. Diese gute Ausgangslage wollen wir nutzen, um uns weiter in der Spitzengruppe der Bundesliga zu halten.“

Sechs Wochen war der Spielbetrieb in der Beletage des deutschen Handballs wegen der EM unterbrochen worden. Sechs Wochen, in denen die Topmannschaften ohne ihre Nationalspieler auskommen mussten. Acht Auswahlakteure hatten die Füchse zum Championat nach Serbien entsandt, die nach ihrem jeweiligen Scheitern nach und nach wieder zurückkamen. „Wir haben insgesamt aber recht gut trainieren können, auch weil ich unseren Innenblock im Januar komplett in Berlin hatte und zudem den Nachwuchs mit eingebunden habe. Wir sind gut im Plan und guter Dinge für die Rückrunde“, sagt Berlins Trainer Dagur Sigurdsson und sieht fast alle Bundesliga-Mannschaften den gleichen Problemen gegenüber. „Im Handball sind wir diesen Rhythmus mit dem internationalen Höhepunkt jeweils im Januar gewohnt, da sitzen wir Vereine ja alle im gleichen Boot.“

Mannschaft ist geschwächt

Dennoch plagen Sigurdsson auch ernsthafte Sorgen. Mit Alexander Petersson (Schulter) kam ein Leistungsträger der Füchse verletzt von der EM zurück, der Isländer und Torjäger im rechten Rückraum fällt auf unbestimmte Zeit aus. Auch Spielmacher Bartlomiej Jaszka ist nach einer Handprellung am Mittwochabend wohl nur Zuschauer. Und so fahren die Berliner mit gedämpften Erwartungen zum Rückrundenauftakt nach Hamburg. „Dort zu gewinnen wäre ein Traum, doch es ist sehr unwahrscheinlich“, sagt Geschäftsführer Bob Hanning, für den ein Punktgewinn oder gar ein Sieg in Hamburg ein Bonus wäre. „Unsere Zielsetzung hat sich nicht geändert: Wir wollen unter die ersten Fünf. In der Hinrunde haben wir uns ein gutes Polster zugelegt. Das wollen wir nicht wieder hergeben. Deswegen müssen wir vor allem unsere Heimspiele gewinnen“, so der Manager.

Andererseits haben die Füchse beim HSV nicht viel zu verlieren. Das Hinspiel gegen den Nordklub, der mit geschätzten elf Millionen Euro über mehr als den doppelt so hohen Etat verfügt, gewannen die Berliner knapp mit 26:25. Als Tabellenzweiter haben die Berliner zurzeit drei Punkte Vorsprung auf Hamburg. Dass es gleich zum Start gegen den Meister geht, sieht man im Fuchsbau sogar positiv. „Das ist viel besser als ein Heimspiel, sagen wir mal, gegen Göppingen oder Magdeburg, wo der Druck bei dir selber liegt. Die Hamburger sind für uns jetzt genau der richtige Gegner, damit sind wir gleich voll im Wettbewerb gefordert und sehen, wo wir stehen.“

Nur zwei Niederlagen haben die Berliner in der Hinrunde hinnehmen müssen, das Selbstbewusstsein stimmt also. „Natürlich wird es gegen den Deutschen Meister auswärts nicht leicht. Wir haben jetzt aber über ein paar Jahre gezeigt, dass wir stark sind und gegen jedes Team gewinnen können“, sagt Trainer Sigurdsson, „wir wollen also auch in dieser Partie wieder alles geben.“