Handball

Füchse-Duo steht vor Debüt in Nationalmannschaft

Die Berliner Füchse haben bald zwei weitere Nationalspieler: Johannes Sellin und Evgeni Pevnov werden am Sonnabend erstmals das deutsche Trikot tragen – allerdings für das B-Team. Doch auch die A-Mannschaft ist mit Berlinern gespickt.

Dieser kalte Januartag hat einen Ehrenplatz in seiner Erinnerung. Nur allzu gern denkt Evgeni Pevnov an den 12. Januar zurück. Der Tag, der sein Leben verändert hat. Sechs Monate lang hatte der Handballprofi darauf gewartet, dann endlich hielt er die ersehnte Urkunde in seinen großen Händen. Um exakt 9.15 Uhr. „Ich bin sehr glücklich, dass ich jetzt die deutsche Staatsangehörigkeit habe“, sagt Pevnov, gebürtiger Usbeke mit vormals russischem Pass. Mit dem Nationalitätenwechsel erlangte der Kreisläufer des Bundesliga-Zweiten Füchse Berlin auch die Spielberechtigung für den Deutschen Handballbund (DHB). Nur drei Wochen nach seiner Einbürgerung debütiert der 22-Jährige am Sonnabend im Trikot mit dem Adler auf der Brust.

B-Team spielt gegen Drittligisten EHV Aue

Mit der Nominierung für die neuformierte B-Nationalmannschaft, die im Vorspiel des Allstar-Games in Leipzig (20.15 Uhr, Sport1) auf den Drittligisten EHV Aue trifft, geht für Pevnov ein Kindheitstraum in Erfüllung. In Taschkent geboren, zog er mit seinen Eltern nach Deutschland, als er ein Jahr alt war, erlernte in Eisenach und Magdeburg das Handballspielen. Mit Erfolg.

Neben Pevnov darf in der Nachwuchsmannschaft auch Füchse-Rechtsaußen und Junioren-Weltmeister Johannes Sellin (21) dem Bundestrainer Martin Heuberger vorspielen.

„Ich freue mich sehr für die beiden, sie habe sich diese Nominierung verdient“, sagt Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning und begrüßt die Maßnahme mit dem B-Team: „Dort können sich deutsche Talente schon einmal für höhere Aufgaben empfehlen.“ Und Pevnov jubiliert: „Wow, ich bin überwältigt, dass es so schnell ging.“

Im Hauptspiel des Abends, dem Allstar-Game, sind noch die Berliner Ivan Nincevic und Bartlomiej Jaszka für die Bundesliga-Auswahl sowie Sven-Sören Christophersen, Markus Richwien und Silvio Heinevetter für die A-Nationalmannschaft im Einsatz.

Spielpraxis für deutsche Nachwuchsspieler

Mit der B-Nationalmannschaft will sich Heuberger nach dem EM-Debakel – die deutsche Auswahl hat bei den Titelkämpfen in Serbien eine Medaille und die Qualifikation für Olympia verpasst – einen Überblick über die Leistungsstärke seiner Perspektivspieler verschaffen. Der Bundestrainer und der Ligaverband HBL wollen talentierten, aber noch nicht EM-reifen Akteuren Spielpraxis verschaffen und sie nach und nach fit für die Nationalmannschaft machen. Gut für die Füchse, die sich die Ausbildung deutscher Spieler zum Grundsatz gemacht haben.

Zehn Tage nach dem folgenschweren Ausscheiden bei der EM sind die Fachleute auf der Suche nach Auswegen aus der Krise. Das Championat offenbarte individuelle Schwächen in der DHB-Auswahl, Ausnahmespieler gibt es derzeit nicht. Vom Glanz des WM-Triumphs 2007 ist der deutsche Handball derzeit meilenweit entfernt. Dennoch, eine Quotenregelung für deutsche Spieler in der Bundesliga, wie sie immer mal wieder von Fachleuten gefordert wird, will Heuberger nicht. „Von einem solchen Zwang halte ich gar nichts.

Man kommt nicht weiter, indem man den Klubs diese Bürde auferlegt“, sagt der Bundestrainer und widerspricht damit auch DHB-Präsident Ulrich Strombach, der eine solche Regelung gefordert hatte, um die Nationalmannschaft zu stärken. Der Chef des Handballverbandes dürfte aber noch mehr Redebedarf haben, nachdem Silvio Heinevetter ihm Unvermögen vorgeworfen hatte . „Es gibt andere Leute, die das besser können, weil sie mehr Ausstrahlung und Charisma haben“, hatte der Schlussmann gegenüber Morgenpost Online gesagt. Am Sonnabend treffen die beiden Streithähne in Leipzig aufeinander. Heinevetter: „Ich stehe hundert Prozent zu dem, was ich gesagt habe.“

Cooler Pevnov

Der 2,01 Meter große Evgeni Pevnov lässt sich von der Kritik seines Teamkollegen an der Verbandsspitze nicht beeindrucken. „Ich werde in Leipzig alles geben“, sagt er und freut sich auf sein Debüt im DHB-Trikot. Bob Hanning traut dem Kreisläufer viel zu. „Er ist ein schlauer Spieler, der sehr aufnahmefähig ist und Kritik gut umsetzen kann“, sagt der Füchse-Manager.

Seit dieser Saison erst spielt Pevnov in Berlin, kommt unter Trainer Dagur Sigurdsson immer besser in Fahrt. „Allerdings hat er noch Defizite in der Abwehr, das muss besser werden“, sagt Bob Hanning, „Evgeni ist ein großes Talent, aber noch kein Retter für den deutschen Handball.“ Ob er in Zukunft womöglich das Zeug dazu hat, kann er bei der Talentshow in Leipzig zeigen.

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