Handball-EM

Füchse-Manager wünscht sich frühes Ausscheiden

Kurz vor Beginn der Handball-EM macht sich Füchse-Manager Bob Hanning nicht nur Freunde. Er hoffe auf ein schnelles Ende für die zuletzt erfolglosen Deutschen bei der Europameisterschaft. Ganz nach dem Motto: "Lieber ein Ende mit Schrecken."

Foto: M. Lengemann

Die Anspannung steigt, bei Spielern und Verantwortlichen. Am Sonntag starten die deutschen Handballer in die Europameisterschaft, und sie wollen bei dem Turnier in Serbien ihre letzte Chance für eine Teilnahme an den Olympischen Spielen in London wahren. Kurz vor Beginn der Titelkämpfe sorgte Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning für Aufsehen. Der Handball-Macher aus der Hauptstadt hatte gesagt, dass er nichts dagegen hätte, wenn man bei der EM scheitere. „Je eher wir ausscheiden, desto eher können wir einen Umbruch einleiten.“

Eine klare Ansage, die nicht jedem gefiel. So zum Beispiel auch dem früheren Nationalspieler Stefan Kretzschmar nicht, der Magdeburger widersprach dem Berliner Manager. „Der deutsche Handball kann es sich nicht erlauben, solche Turniere einfach abzuschenken“, sagte Kretzschmar der "Bild"-Zeitung, „wir können keine zwei Jahre Auszeit nehmen. Wir müssen bei jedem Turnier erfolgreich sein.“

Doch genau das gelang der deutschen Mannschaft zuletzt überhaupt nicht mehr. Nach dem furiosen WM-Sieg 2007 im eigenen Land ging es sukzessive bergab. Bei den Olympischen Spielen in Peking schied die deutsche Auswahl nach der Vorrunde aus, 2010 erreichte sie bei der EM Rang zehn, die WM 2011 wurde gar nur als Elfter beendet. Ein Tiefpunkt. Jetzt steht die Mannschaft von Bundestrainer Martin Heuberger gewaltig unter Druck.

Bob Hanning und Stefan Kretzschmar haben eine gemeinsame Liebe, sie leben und brennen für den Handball. Sie sind zwar nicht eng befreundet, aber sie schätzen und respektieren sich. „Da darf man in der Sache auch mal verschiedener Meinung sein“, sagt Hanning, „es gibt keinen Krieg zwischen Kretzsche und mir.“

International den Anschluss verloren

Dem Manager der Füchse Berlin tut es in der Seele weh, dass die deutschen Handballer international den Anschluss verloren haben. „Ich wünsche mir doch nichts mehr, als dass wir bei der EM endlich wieder erfolgreich sind und im Sommer bei Olympia dabei sind. Aber wenn wir es nicht schaffen, dann müssen wir auf die jungen Spieler setzen, die dann bei Olympia 2016 triumphieren sollen. Die Goldmedaille in Rio de Janeiro muss der Anspruch des deutschen Handballs sein.“

Nach den jüngst gezeigten Leistungen beklagte Hanning einen Mangel an Qualität im DHB-Team. „Wir müssen diese Durststrecke konsequent gehen, brauchen aber den Mut zur Veränderung mit jungen Spielern. Wir erleben seit 2008 ein Schrecken ohne Ende, ich aber bin lieber für ein Ende mit Schrecken.“ Das wäre das frühzeitige Olympia-Aus. Hanning seufzt: „Nur wenn man mal richtig auf die Fresse kriegt, kapieren die Leute meistens erst, was wirklich los ist.“

Bundestrainer Heuberger nimmt die Kritik gelassen auf, er wertet die Ansagen nicht als Angriff auf seine Arbeit. „Bob Hanning sieht das EM-Unternehmen durchaus realistisch. Es gibt ja viele Träumer, da ist es gut, dass einer versucht, den Druck zu nehmen.“