Füchse-Torwart

Heinevetter zu einhundert Prozent unberechenbar

Mit dem Spiel gegen den polnischen Topklub Vive Kielce blicken die Füchse Berlin einer großen Herausforderung entgegen. Ihr überragender Torhüter Silvio Heinevetter könnte maßgeblich zum Einzug ins Achtelfinale beitragen.

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Den emotionalen Ausbrüchen auf dem Spielfeld folgte die nüchternde Analyse. Dass nämlich die Siege über Veszprem (33:24) in der Champions League und die Rhein-Neckar Löwen (35:28) in der Bundesliga binnen 48 Stunden „zwei ganz wichtige und in der Höhe auch verdiente Erfolge waren“. Dann gewährte Silvio Heinevetter doch noch einen kurzen Blick in seine Gefühlswelt. „Ich bin erst einmal glücklich und fast ein bisschen sprachlos.“

Während des Spiels ein Heißblut, engagiert, leidenschaftlich und immer bereit, sich zu einhundert Prozent in den Ball zu werfen. Abseits des Feldes dann gibt sich der Torhüter der Füchse Berlin eher zurückhaltend, meidet den Rummel um seine Person, ist cool und gelassen. Auch wenn er wenige Sekunden zuvor noch der frenetisch gefeierte Handball-Held von 9000 Zuschauern war. Aber so ist Heinevetter eben. Unberechenbar. Und genau das macht ihn so stark. Sowohl in Veszprem als auch gegen die Löwen führte der 27-Jährige die Füchse mit seinen Paraden zum Sieg, er gab der Abwehr die nötige Sicherheit und leitete immer wieder Gegenstöße ein. „Es macht großen Spaß, Silvio zuzugucken“, schwärmt Geschäftsführer Bob Hanning, „er macht zurzeit den Unterschied aus.“

Hoffnung auf eine "perfekte Woche"

Sonntag treten die Berliner in der Königsklasse beim polnischen Topklub Vive Kielce an, mit einem Sieg könnten sie den Einzug ins Achtelfinale einen großen Schritt näher kommen. „Wir hoffen auf eine perfekte Woche, ein Sieg in Kielce wäre ein absoluter Traum“, sagt Hanning. Im Falle einer Niederlage verrät der Blick auf die Tabelle, dass es dann in der Rückrunde in jeder Partie zu einem Endspiel kommen würde. Hanning: „Und wer gegen Göteborg verliert, ist raus.“ Die vier besten Teams jeder Sechsergruppe qualifizieren sich für die nächste Runde in der Königsklasse.

Nach dem Triumph über Verfolger Rhein-Neckar Löwen gönnte Trainer Dagur Sigurdsson seinen Mannen eine kurze Verschnaufpause. „In Kielce gehen wir dann wieder volle Pulle.“ Stolz war er auf seine Spieler, wie sie mit „breiter Brust“ aufgetreten waren und freute sich über die zwei Siege, weil es „riesige Pluspunkte“ seien. Aber natürlich beginnt die Partie in Polen bei null. Und Manager Hanning stellt klar: „Wir sind in Kielce Außenseiter.“

Das stimmt natürlich, aber nach den beiden Auftritten zuletzt werden die Polen zweifellos den nötigen Respekt vor dem Hauptstadtklub haben. Gerade auch weil die Füchse in der „Hölle von Veszprem“, wie die Halle wegen ihrer fanatischen Fans tituliert wird, bravourös bestanden haben. Auch in Kielce wartet eine heiße Atmosphäre. „Aber wir haben in beiden Partien am Maximum gespielt, da ist keine Luft mehr nach oben“, sagt Hanning. Gleichwohl wurde auch klar, dass die Füchse mit der europäischen Spitze auf Augenhöhe sind, wenn sie ihre Topleistung abrufen können. „In der Verfassung, in der wir gegen Veszprem und die Rhein-Neckar Löwen gewonnen haben, hätten wir auch gegen Atletico Madrid eine reelle Chance gehabt.“ Die Spanier führen die Gruppe B derzeit souverän an, gelten als einer der großen Favoriten auf den Sieg in der Königsklasse. Hanning warnt: „Solche souveränen Siege sind keine Selbstverständlichkeit, das kann nicht immer so sein.“ Geht es nach Heinevetter, kann das sehr wohl so sein: „Ich will jedes Spiel gewinnen.“