Sieg gegen Rhein-Neckar

Füchsen gelingt der Sprung auf Platz zwei

Die Füchse Berlin bleiben Spitzenreiter THW Kiel auf den Fersen. In der Spitzenpartie des 13. Spieltages der Handball-Bundesliga besiegte das Team die Rhein-Neckar Löwen nach einer glänzenden Leistung mit 35:28.

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Als noch 50 Sekunden zu spielen waren, kokettierte Silvio Heinevetter bereits mit den 8874 Zuschauern. Erst lehnte er sich an den Pfosten seines Tores, dann riss er beide Arme hoch und ruderte mit ihnen wild in der Luft umher. Aber in Wahrheit war der Jubel kaum mehr zu steigern, die Max-Schmeling-Halle glich bereits einem Tollhaus. Nach dem Abpfiff dann warfen sich die Spieler der Füchse Berlin gegenseitig in die Arme und hüpften ausgelassen über das Parkett. Dank ihres überragenden Keepers Heinevetter deklassierten die Berliner am Dienstag im Bundesliga-Spitzenspiel Verfolger Rhein-Neckar Löwen 35:28 (17:12) und zeigten eine berauschende Handball-Gala. Nach dem furiosen Champions-League-Sieg am vergangenen Sonntag in Veszprem (33:24) kletterten die Berliner Rang zwei.

„Ich muss der Mannschaft ein Riesenkompliment machen, sie hat dieses Spiel völlig verdient gewonnen, das war schon ein kleiner Schritt in Richtung Europa für die nächste Saison“, jubilierte Geschäftsführer Bob Hanning. Auch Trainer Dagur Sigurdsson war mehr als zufrieden: „Wir sind gegen die Löwen mit breiter Brust aufgetreten und haben das ganze Spiel souverän kontrolliert.“

Leidenschaft und Siegeswille

Schon vor dem Anwurf machte eine kleine Zuschauergruppe lautstark auf sich aufmerksam. Der Bartlomiej-Jaszka-Fanklub war extra aus Polen angereist, um den Spielmacher der Füchse zu unterstützen. Die Fans sangen und tanzten im Oberrang, und als hätte man es geplant, machte Jaszka auch das erste Tor des Abends. Die Füchse legten leidenschaftlich los, die Körpersprache war aggressiv, der Siegeswille geradezu spürbar. Schon nach sechs Minuten lagen die Platzherren 5:1 vorn. Und rasch zeigte sich, dass Heinevetter einen dieser besonderen Tage hat, in denen er über sich hinauswächst und jede Parade ihn noch ein paar Zentimeter größer werden lässt.

Während Jaszka in der Abwehr Bälle abgriff und im Angriff Tore warf, wehrte Heinevetter einen schweren Ball nach dem anderen ab. 13 Paraden gelangen dem Nationaltorhüter allein im ersten Durchgang – das ist schon über ein gesamtes Spiel weltklasse. Am Ende waren es 21 Paraden. Eine überragende Bilanz.

sDie 14. Minute war ein besonderer Moment. Bjarte Myrhol gelang mit dem 6:8 aus Gäste-Sicht sein erster Treffer. Beim Norweger war im August Hodenkrebs festgestellt worden, nach einer Operation sowie anschließender sechswöchiger Chemotherapie hatte sich der Norweger Stück für Stück zurückgekämpft und Ende Oktober sensationell sein Comeback gefeiert. Gestern tankte sich der Kreisläufer immer mal wieder durch die Berliner Abwehr, in der er aber fast immer seinen Meister fand. Mit einem kurzen Zwischenspurt, in dem die Füchse binnen zwei Minuten vier Tore am Stück erzielten, zogen sie auf 13:8 davon. Grundlage für die Treffer nach Gegenstoß waren immer wieder die geglückten Abwehraktionen Heinevetters. Trainer Sigurdsson wechselte jetzt auch munter durch, so dass sich die Spieler aus der ersten Reihe mal erholen konnten. So brachte er den Spanier Iker Romero für Sven-Sören Christophersen, Colja Löffler für Ivan Nincevic. Auch Jonathan Stenbäcken und Ewgeni Pewnow durften ran.

Nach dem Seitenwechsel nahmen die Berliner das rasante Tempo aus Hälfte eins rasch wieder auf. Die Zuschauer hatten mächtig Spaß an der spektakulären Darbietung und klatschten ununterbrochen. Und die Spieler dankten es ihnen in Toren, auf 22:15 (39.) bauten die Füchse ihre Führung aus. Die Schmeling-Halle glich einer Partymeile. Völlig entnervt ließ sich Löwen-Schlussmann Goran Stojanovic auswechseln, dafür kam der bereits 43 Jahre alte Tomas Svensson. Da stand es bereits 24:16 (41.) für den Hauptstadtklub.

Acht Tore Vorsprung gegen die Rhein-Neckar Löwen, das war beachtlich. Die Mannheimer kämpften sich kurzzeitig wieder auf fünf Tore heran, aber das war nur ein kurzes Störfeuer, denn diese zwei wichtigen Punkte wollten sich die Berliner nun wirklich nicht mehr nehmen lassen. 27:22 stand es zehn Minuten vor Schluss. Zwar mussten die Füchse noch einmal in doppelter Unterzahl bestehen, aber auch das schafften sie mit Bravour. Es war so ein Abend, an dem alles perfekt passte. Kapitän Torsten Laen: „Das war ein big point für uns.“