Handball

Füchse fühlen sich in Spitzengruppe "pudelwohl"

Der THW Kiel ist momentan Tabellenführer der Handball-Bundesliga. Aber die Füchse aus Berlin sind dem Klub dicht auf den Fersen. Auch Titelverteidiger HSV Hamburg meldet sich zurück.

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Thierry Omeyer macht keiner so leicht etwas vor. Der 34 Jahre alte Torhüter des THW Kiel gewann mit Frankreich olympisches Handball-Gold, wurde drei Mal Weltmeister und für seine sportlichen Verdienste zum Ritter der Ehrenlegion geschlagen. Und doch erlebte Omeyer jetzt mit dem deutschen Rekordmeister gerade wieder mal etwas Neues. So stellte der Nordklub mit dem jüngsten Sieg in Großwallstadt (32:25) einen neuen Vereinsrekord auf, für Kiel war es der achte Sieg im achten Bundesligaspiel der Saison.

Der Rekordmeister marschiert, und Omeyer ist noch lange nicht satt. „Das ist immer noch das Größte für mich. Wenn du einmal etwas gewonnen hast, entwickelt sich eine Sucht und du willst immer mehr“, sagt der mehrmalige Welttorhüter. Nach acht Spieltagen in der Beletage des deutschen Handballs zeigt sich, dass die Füchse Berlin inzwischen ein ernsthafter, wenn nicht sogar der erste Verfolger des THW sind. Der Hauptstadtklub hat erst eine Niederlage hinnehmen müssen und ein Spiel weniger als die Kieler. Auf Rang drei liegt Titelverteidiger HSV Hamburg, der bereits vier Minuspunkte hat, sich nach dem verpatzten Saisonstart aber gefangen zu haben scheint. Das sieht auch Klub-Präsident Martin Schwalb so: „Wir sind wieder da! Für die Konkurrenz wird es immer schwieriger, uns zu schlagen.“

Fitness zahlt sich aus

Als die Füchse in der vergangenen Spielzeit auf Rang drei einliefen und sich damit zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte für die Champions League qualifizierten, betonten die Verantwortlichen, dass so eine sensationelle Saison nicht so schnell wiederkommen werde, weil in der Spielzeit einfach alles gepasst habe. So gab es kaum schwere Verletzungen und alle Akteure wuchsen regelmäßig über sich hinaus. Außerdem gehöre man noch nicht zu den absoluten Topklubs in Deutschland, hieß es, das beweise allein schon die Höhe des Etats. So verfügen Kiel und Hamburg jeder etwa über das Dreifache der Füchse, die mit einem Budget von 4,7 Millionen Euro planen. Aber die Wahrheit liegt auf dem Platz, das ist nicht nur im Fußball so. Und die besagt nun einmal, dass sich die Füchse nach acht Spieltagen wie schon in der letzten Spielzeit in der Spitzengruppe der Liga tummeln. Und das, obwohl sie sich mitten in den kräftezehrenden englischen Wochen befinden. Doch mit der Mehrbelastung durch die Champions League, in der auch der THW und der HSV mitspielen – beide Teams streben den Gewinn der Königsklasse an –, kommen die Füchse bestens klar. Da zahlt sich jetzt auch die anspruchsvolle Vorbereitung aus. „Meine Mannschaft ist sehr fit“, lobt Trainer Dagur Sigurdsson. Nur Torsten Laen und Johannes Sellin plagen leichte Knie-Schmerzen, ihrem Einsatz am Sonntag im Champions-League-Spiel beim dänischen Spitzenklub Silkeborg steht aber wohl nichts entgegen.

Hinter dem Top-Trio Kiel, Berlin und Hamburg liegt der SC Magdeburg in Lauerstellung. Der Traditionsklub aus Sachsen-Anhalt, der 2002 als erster deutscher Verein die Champions League gewonnen hat, ist auf dem Weg zu alter Stärke und hat in Frank Carstens den Shootingstar unter den Bundesliga-Trainern an der Seitenlinie. Am Freitagabend empfängt der Kultklub des Ostens die von SAP-Milliardär Dietmar Hopp gesponserten Rhein-Neckar Löwen. Für die Mannheimer ist die Partie an der Börde fast schon eine Art Schicksalsspiel – und ein Fingerzeig, ob die Saison schon jetzt wieder zu einer Enttäuschung wird. Die Stimmung beim Tabellensiebten aus Mannheim sei schlecht, bestätigt Torhüter Henning Fritz und erklärt das Dilemma: „Wir trainieren gut, bringen uns leider selbst um den Lohn unserer Arbeit. Jetzt stehen wir schon ein wenig mit dem Rücken zur Wand.“ Die RN Löwen waren 2002 mit dem Ziel gegründet worden, nationale und internationale Titel zu gewinnen. Noch aber ist das nicht gelungen, in diesem Jahr scheiterte zudem die Qualifikation für die Champions League.

Ihre exponierte Rolle in der Spitzengruppe der Bundesliga spielen die Füchse dagegen nahezu perfekt. Und diese Position gefällt den Berlinern ausnehmend gut. „Die Mannschaft fühlt sich da oben pudelwohl“, sagt Hanning und lacht: „Diesen Platz geben wir freiwillig nicht so schnell wieder her.“