Handball

Füchse-Abwehr – Spoljaric ist der Mann fürs Grobe

Der Kroate Denis Spoljaric hält die Füchse-Abwehr zusammen – als Star sieht er sich aber nicht. Dabei wurde er mit seinem Heimatland bereits Weltmeister und Olympiasieger.

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Noch nie hat eine Mannschaft etwas gewonnen, die keine Tore wirft oder schießt. Aber noch viel wichtiger: Auch die noch so spektakuläre Aktion in der Offensive zählt nichts, wenn der Gegner es noch besser macht und öfter trifft. Wer etwas werden will, muss gut verteidigen und braucht dafür gerade im Handball Spezialisten. Einen, wie die Füchse ihn in Denis Spoljaric haben. Der 32-jährige Kroate wirft nur alle Schaltjahre ein Tor, aber er ist als Chef der Abwehr eine der zentralen Figuren des kometenhaften Aufstiegs der Berliner Handballer, die jetzt mit einem 31:31 in Moskau und dem 30:27 gegen Kielce sogar einen Traumstart in der Champions League hinlegten.

Auf seine Rolle angesprochen, reagiert Spoljaric wie alle anderen im Team, wie es beispielsweise auch Kapitän Torsten Laen tat, nachdem er sein Team gegen Kielce mit drei Toren in der Schlussphase zum Sieg geführt hatte. Keiner will es gewesen sein, der Entscheidendes geleistet hat. „Nein, nein, wir sind eine Mannschaft“, sagt Spoljaric. Und genau das Gefühl habe er vom ersten Tag an gehabt und „daran hat sich durch die Neuen, die im Sommer dazu gekommen sind, auch nichts geändert. Wir passen als Team perfekt zusammen.“ Wie auf dem Feld ist der Kroate auch sonst keiner, der lange fackelt, wenn die Lage klar ist. So verlängerte er vergangene Woche kurz vor dem ersten Champions-League-Heimspiel in der Vereinsgeschichte der Füchse seinen Vertrag um zwei weitere Jahre. Dass sich seine „Familie in der Stadt sehr wohl fühlt“, sei der eine Grund, sagt er in mittlerweile fließendem Deutsch. Zum anderen ist er überzeugt, dass das, was die Füchse in den zurückliegenden 15 Monaten erreicht haben, alles andere als ein Strohfeuer ist. „Wir sind ein Champions-League-Team“, sagt das 1,96 m große Kraftpaket und lässt den Blick über seine Mitspieler schweifen, „und wir wollen auch im nächsten Jahr in der Champions League spielen.“

Ein Mann der großen Siege

Wenn einer wissen muss, wer in welche Liga gehört, dann wohl Spoljaric, der mit Kroatien Weltmeister (2003) und Olympiasieger (2004) und zwischen 2002 und 2010 mit Zagreb und Celje Dauergast in der Königsklasse des europäischen Handballs war. Kaum vorstellbar, dass es zwischen den Wurfkreisen etwas gibt, was er noch nicht gesehen hat. „Ja, ich weiß alles, wenn wir mit der Videoanalyse unserer Gegner durch sind“, sagt Spoljaric mit einem Lächeln und dem Selbstbewusstsein dessen, der schon fast alles gewonnen hat. „Ich weiß, was meine Gegenspieler machen – und auch, was ich zu tun habe.“ Und natürlich, das sagt er nicht: wie er seine Abwehr zu dirigieren hat.

Um all das tun zu können, muss man einerseits hart sein, zum anderen aber auch schlau. Spoljaric ist beides, einer der weh tut, dabei aber immer dicht an der Grenze des Erlaubten agiert – und falls mal nicht, sich dann zumeist nicht erwischen lässt. Sowohl bei dem Unentschieden in Moskau als auch beim Heimspiel gegen den polnischen Vizemeister aus Kielce sah er gerade mal jeweils ein ermahnendes gelbes Kärtchen – eine Zwei-Minuten-Strafe kassierte der Abwehr-Fuchs nicht. Ein „gelassener, ruhiger Typ“ eben, wie ihn einer der Jungen im Team, Colja Löffler (22) beschreibt, einer, der „zukloppt“, sich dabei aber nicht dumm anstellt.

Mit Spoljaric waren die Füchse vergangene Saison in der Bundesliga das Team mit den wenigsten Gegentoren (860). Dreh- und Angelpunkt und das Zentrum der Abwehr zu sein, ist aber nur eine seiner Aufgaben. Eine andere ist es, in die Mannschaft hinzuwirken. Ein Star zu sein, an dem sich die Jungen wie Löffler abarbeiten können, der ihnen aber auch in ihrer Entwicklung weiter hilft und sie nicht eigennützig und zur Sicherung des eigenen Arbeitsplatzes klein hält. „Wir profitieren von Denis, aber auch den anderen, unheimlich“, erzählt Löffler. Die Alten seien „alle sehr hilfsbereit und geben uns Tipps, wie wir besser werfen oder in der Abwehr stehen können.“ Wenn er in Trainingsspielen, von Spoljaric dirigiert, neben ihm verteidigt, „kommt oft ein ‚Geh ein Stück raus!' oder ‚Stell dich besser gegen die Hand!', um den gegnerischen Wurf besser verteidigen zu können.“ Zu lernen gäbe es von Spoljaric und den anderen Alten genug. Die Kunst sei, das dann auch im Spiel umsetzen zu können.

Die nächste Chance dazu haben die Füchse am Mittwoch bei Aufsteiger Hildesheim (20.15 Uhr). In der Champions League treten sie das nächste Mal am Sonntag bei Silkeborg an (15.00 Uhr). Die Dänen verloren ihre beiden ersten Spiele gegen Atletico Madrid (27:30) und Veszprem (25:32). Gewinnen die Füchse auch dort, „sind wir im Achtelfinale“, ist sich Spoljaric sicher.

Wer will diesem Mann widersprechen?

Schicksalsspiel für den HSV

Unter Druck: Für den deutschen Meister wird das Spitzenspiel in der Handball-Bundesliga zum Schicksalsspiel: Verliert der Fünfte HSV Hamburg am Dienstag (20.15 Uhr, Sport1) gegen den Vierten Flensburg, droht der Traum von der Titelverteidigung frühzeitig zu platzen. Zwar ist HSV-Trainer Per Carlen von einem Erfolg überzeugt, doch zuletzt wurden alle Vergleiche gegen die Spitzenteams der Liga verloren. „Ich kenne die Spieler der Flensburger, ihr Konzept. Ich habe es weiterentwickelt. Sie können mich nicht überraschen“, sagt der Schwede Carlen dennoch.

3 Mal ging es in dieser Saison (inklusive Supercup) für den HSV gegen Topklubs, drei Mal verloren die Norddeutschen. Dem knappen 23:24 unmittelbar vor der Saison im Supercup gegen Kiel folgten ein unglückliches 25:26 bei den Füchsen Berlin und eine deutliche 29:33-Pleite bei den Rhein-Neckar Löwen.

Mutmacher: Der HSV stützt seine Zuversicht auf die starken Auftritte auf internationalem Parkett. Das souveräne 34:26 in der Champions League bei Constanta bezeichnete Carlen als „das beste Spiel der Saison“. Vor allem die zuvor viel kritisierte Defensive habe ihm gut gefallen. Steigerungsbedarf gibt es hingegen bei den Torhütern. Zugang Dan Beutler liegt im Ranking des Fachmagazins „Handballwoche“ nur auf Platz 16 der Bundesliga-Torhüter. „Um unsere Ziele zu erreichen, müssen wir Torhüter uns steigern“, sagt er.