Handball-Champions-League

Erster Sieg in der Königsklasse für die Füchse

Sie haben es wieder getan - überrascht: Nach dem unerwarteten Unentschieden beim russischen Meister Medwedi Tschechow haben die Füchse Berlin auch das zweite Spiel in der Handball-Champions-League gewonnen, gegen den achtfachen polnischen Meister KS Kielce.

Es sollte ein glanzvolles Handballfest werden, und es wurde eins. Obwohl es lange Zeit nicht danach aussah, als könnten die Füchse ihr erstes Champions-League-Heimspiel der Vereinsgeschichte mit einem Sieg krönen. Doch nach einem großartigen Schlussspurt, der die 7876 Zuschauer von den Sitzen riss, gelang dem Team von Dagur Sigurdsson noch der Premierenerfolg. Die Gastgeber gewannen gegen den polnischen Vizemeister KS Kielce 30:27 (14:15) und holte nach dem 31:31 vergangene Woche in Moskau gegen den russischen Meister Medwedi Tschechow die Punkte zwei und drei – womit sie einen ersten großen Schritt in Richtung Achtelfinale taten. „Das war ein großer Sieg für den Handball in Berlin, er hätte aber auf beiden Seiten landen können“, gab Sigurdsson erleichtert zu. „Wir haben am Ende die Nerven behalten.“

Beide Teams begannen auf Augenhöhe. Das erste Heimspieltor in der Champions League durch Ivan Nincevic glich Rastko Stojkovic per Siebenmeter für die Gäste aus. Als dann Kielce nach vier Minuten erstmals in Führung ging, sorgten die Füchse fast jedes Mal im Gegenzug für den Ausgleich. Nach acht Minuten stand es 5:5. Bis dahin hatten beide Teams ihre Angriffe konsequent durchgespielt – für beide Torhüter gab es kaum etwas zu halten.

Auffällig war, dass weder die Berliner noch die Gäste über die Außenpositionen spielten, sondern immer wieder durch die Mitte versuchten, zum Torerfolg zu kommen. Was bei den Füchsen anfangs noch so gut geklappt hatte wie beim Gegner, wurde jetzt zur Schwäche. Das lag unter anderem an Piotr Grabarczyk (2,00 m), Michal Jurecki (1,98 m) und Grzegorz Tkaczyk (1,94 m), den drei „Kleiderschränken“, die die Kreismitte der Polen dicht machten. Die Berliner wehrten die Gegenangriffe längst nicht so erfolgreich ab. In den folgenden sieben Minuten traf nur Kielce und zog bis 11:6 (17.) davon.

„Wir haben sie am Anfang nicht zu packen bekommen, obwohl sie die Spielzüge spielten, die wir bei der Videoanalyse gesehen hatten“, sagte Sven-Sören Christophersen und fügte selbstkritisch an: „Im Angriff fehlte uns die Geduld.“ Den Paraden von Torhüter Silvio Heinevetter, der sich zur Feier des Tages die Kopfhaare stutzen ließ und den Bart abrasierte, und der Umsicht von Kapitän Torsten Laen war es zu verdanken, dass die Füchse nicht höher in Rückstand gerieten.

Vielmehr kämpften sie sich wieder heran. Laen, Sven-Sören Christophersen, Markus Richwien und Iker Romero verkürzten auf 13:14 (28.), Mark Bult schließlich erzielte den umjubelten Ausgleich. Für ihn dürfte es ein besonders befriedigender Treffer gewesen sein. Bult hatte im vergangenen Sommer die Füchse verlassen, weil er in der Champions League spielen wollte. Es zog ihn zum KS Kielce, der sich als polnischer Meister – anders als die Füchse damals – für die Königsklasse qualifiziert hatte. Anfangs spielte der Niederländer auch unter Kielces Trainer Bogdan Wenta, bald aber nicht mehr. „Erst wollte er mich unbedingt haben und dann ganz schnell wieder loswerden“, erzählt Bult über sein polnisches Abenteuer. Nach nicht mal zwei Monaten kehrte Bult nach Berlin zurück.

Die zweite Halbzeit begannen die Berliner mit drei Treffern hintereinander. Erstmals konnten sie mit zwei Toren (17:15/34.) davonziehen. Doch Kielce – immerhin zum neunten Mal in der Königsklasse des europäischen Handballs dabei – ließ sich nicht so leicht abschütteln. Mateusz Jachlewski und Jurecki hielten die Gäste mit je zwei Treffern im Spiel. In der 40. Minute (18:19) lagen die Füchse erneut zurück.

Spektakulärster Zugang der Füchse ist ohne Frage Iker Romero. Der Weltstar wechselte vom Branchenprimus FC Barcelona an die Spree. Mit den Katalanen hat er bereits zwei Mal die Champions League gewonnen. Der Mann für die gewissen Momente sollte der Routinier aus Spanien sein und wurde dieser Rolle in den folgenden Minuten auch gerecht. Sein zweiter Treffer des Abends führte zum 19:19-Ausgleich, sein dritter zum 21:22 (46.) hielt die Füchse im Spiel.

Zehn Minuten vor Schluss kam Petr Stochl ins Füchse-Tor und konnte auch überzeugen. Held des Abends aber war Torsten Laen. Seine drei Tore in Folge brachten die Hausherren auf die Siegerstraße. Aus einem 25:27 (54.) wurde ein 28:27 (57.). „Es ist egal, ob wir zehn Minuten vor Schluss zurückliegen“, sagte Laen, „wir wissen nach den Siegen gegen Kiel und Hamburg, dass wir jeden schlagen können.“ Und genau das taten die Füchse.