Champions League

Füchsen gelingt ohne Hanning ein Auftakt nach Maß

Ein Remis beim russischen Spitzenklub Tschechow: Die Berliner Füchse zeigten bei ihrer Premiere in der Handball-Champions-League eine starke Leistung. Manager Hanning konnte jedoch nur via TV mitfiebern – mit Unterstützung von Hertha BSC.

Foto: Amin Akhtar

Kurz nach Spielbeginn waren alle guten Vorsätze dahin. Gemeinsam mit Herthas Finanzvorstand Ingo Schiller verfolgte Bob Hanning die historische Premiere seiner Füchse Berlin in der Champions League vor dem Fernsehgerät. Und weil die Spannung für den Geschäftsführer nur schwer auszuhalten war, musste trotz Diät das Knabberzeug als Nervennahrung dran glauben, die Anwesenheit Schillers hatte ebenfalls etwas Beruhigendes. „Allein hätte ich’s nicht ausgehalten“, sagte Hanning, der die Reise nach Moskau nicht angetreten hatte, weil er am Sonnabend mit dem Verdienstorden des Landes Berlin ausgezeichnet worden war. Also musste der Manager das 31:31 (18:15) beim russischen Meister Medwedi Tschechow via TV sehen und war trotz des knapp verpassten Sieges sehr zufrieden. „Es ist großartig, direkt im ersten Spiel gegen den russischen Meister einen Punkt geholt zu haben“, sagte Hanning. Souverän wie im Liga-Alltag gewann Rekordmeister THW Kiel mit 38:26 (16:14) beim ungarischen Vertreter Pick Szeged.

Für die Füchse war der Auftritt in Tschechow der erste Start in der Champions League überhaupt. Wer jedoch geglaubt hatte, die Neulinge würden bei ihrer Premiere in der Königsklasse vor Erfurcht erstarren, lag falsch. Forsch und mit hohem Tempo legten die Berliner los, zeigten keinen Respekt vor dem russischen Spitzenverein, der sich bereits zum zwölften Mal für den prestigeträchtigen Klub-Wettbewerb qualifiziert hatte. Vor allem Sven-Sören Christophersen zeigte sich in Torlaune. Der deutsche Nationalspieler hatte in der ersten Hälfte beinahe einhundert Prozent Trefferquote und war am Ende mit neun Toren auch bester Werfer. Bis zum 23:18 (36. Minute) hatten die Füchse ihren Gegner im Griff, dann aber wurden gleich mehrere schön heraus gespielte Chancen nicht genutzt. Die Bären aus Tschechow ergriffen ihre Chance und übernahmen die Regie. Am Ende kämpften sich die Berliner aber noch einmal zurück und schafften das verdiente Remis. „Wir sind glücklich mit diesem einen Punkt, das war ein Auftakt für uns nach Maß“, jubelte Hanning.

Kein Mittel gegen Tschechows Kreuzung

Gleichwohl war der Sieg drin, hätten die Füchse ein Mittel gegen die russische Spielweise gefunden. Immer wieder zeigte Tschechow eine schnelle Kreuzung, bei der die Berliner Defensive ein bisschen unglücklich aussah. „Die haben die Kreuzung perfekt auf den Punkt gespielt“, sagte Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson, „meine Mannschaft hat sich in Tschechow aber sehr gut präsentiert und am Ende viel Herz gezeigt.“ Und Hanning frohlockte: „Das Spiel hat gezeigt, dass wir auch in der Champions League mithalten können.“

Neben Tschechow treffen die Berliner in der Gruppe außerdem auf KS Vive Kielce/Polen, MKB Veszprem/Ungarn, BM Atletico Madrid/Spanien und Bjerringbro-Silkeborg/Dänemark. „Das ist eine absolute Todesgruppe“, sagt Tschechows Meistertrainer Wladimir Maximow, der die wohl physisch stärkste Mannschaft aller 24 Champions-League-Teilnehmer trainiert. Umso stärker ist der Punktgewinn der Füchse in Moskau zu bewerten.

Nach der Feuertaufe folgt für die Füchse am Sonntag das erste Heimspiel in der Königsklasse gegen Kielce (17.30 Uhr, Max-Schmeling-Halle). Zuvor aber empfangen die Berliner am Mittwoch den TuS N-Lübbecke in der Bundesliga (20.15 Uhr, Schmeling-Halle). „Das wird das schwierigste Spiel für unsere Mannschaft, denn jetzt zeigt sich, wie gut der Fitnesszustand wirklich ist“, sagt Bob Hanning. Und es werde sich auch zeigen, ob man schon reif dafür sei, in Champions League und Bundesliga zugleich aufzutrumpfen. „Oder ob es noch eine Nummer zu groß für uns ist.“