Handball-Bundesliga

Füchse und Kiel trennen finanziell Welten

Zwei Spitzenspiele in einer Woche: Nach der Champions-League-Partie gegen Atletico Madrid empfangen die Handball-Füchse am Abend den THW Kiel. Obwohl der Etat der Norddeutschen dreimal so hoch ist, geben die Berliner sich selbstbewusst.

Sind dieses besondere Kribbeln und die gestiegene Spannung schon bei ihm angekommen? „Eigentlich nicht“, sagt Dagur Sigurdsson und grinst dabei. Zu viele Emotionen seien nicht gut. „Du musst einen Mittelweg finden.“ Der Isländer, Trainer der Berliner Handball-Füchse, hat dafür einen ganz speziellen Ausdruck: Man müsse das Ganze „trocken nehmen“.

Was wohl die wenigsten schaffen werden. Weil es doch am Sonntag zum Bundesliga-Gipfel zwischen den Füchsen und dem deutschen Rekord-Meister THW Kiel (Schmeling-Halle, 17.30 Uhr, Sport1) kommt. Die ungeschlagenen Kieler (18:0 Punkte) gegen den Verfolger aus Berlin (13:3). Wieder ein Feiertag für den Handball in Berlin, ein ganz besonderer in einer Zeit, in der ein Highlight das andere jagt. Erst vor einer Woche kreuzte Atletico Madrid in der Champions League in Berlin auf – 33:37 unterlagen die Füchse. Madrid und Kiel, nicht wenige Experten sprechen von den momentan zwei besten Mannschaften der Welt.

Nur noch wenige Stehplatzkarten

Messen mit den Besten. „Da freuen wir uns drauf“, sagt Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning, der natürlich zudem erfreut zur Kenntnis nimmt, dass die Partie gegen den THW mit 9000 Zuschauern ausverkauft sein wird; an der Tageskasse gibt es noch ein paar Stehplatztickets. Die Halle voll, Live-Übertragung im Fernsehen, Prominenz auf der Tribüne: Bundestrainer Martin Heuberger schaut ebenso zu wie sein Vorgänger Heiner Brand. „Leichte Vorteile“ für die Kieler sieht Heuberger.

Leichte Vorteile? „Keine Frage, wir sind Außenseiter“, sagt Hanning und schiebt nach: „Aber nicht chancenlos.“

In dieser Rolle sehen sich die Füchse am liebsten. So haben sie in der vergangenen Saison die Bundesliga aufgemischt, wurden Dritter, schlugen dabei daheim eben auch Kiel, enterten die Champions League, in der sie bisher mit zwei Siegen, einem Remis und einer Niederlage ein hervorragendes Bild abgeben. Und in der Bundesliga hat sich das Team von Sigurdsson auch wieder oben eingruppiert. „Wir gehen die Sache mit Selbstbewusstsein an“, sagt Kapitän Torsten Laen. Hilfreich sei dabei auch der Blick zurück, auf den 19. September 2010, den Tag des großen Coups (26:23) gegen Kiel. „Wir haben gegen Kiel schon gewonnen, wir wissen also, wie's geht.“ Für sein Team gelte es, so Hanning, „zuzugreifen“, wenn Kiel etwas schwächeln sollte. „Dann musst du da sein.“ Denn, da ist er sich sicher, die bestimmende Mannschaft werde auf alle Fälle der THW sein.

Wo liegt denn (noch) der große Unterschied zwischen den beiden Mannschaften? Was hat der THW, was die Füchse nicht haben?

Die Antwort kommt sofort: „Der Etat“, sagt Sigurdsson. Hanning benötigt nur ein Wort: „Geld.“ Nun haben aber eben gerade die Füchse gezeigt, dass man mit einem geringeren Etat auch Großes vollbringen kann. Doch Kiel oder Madrid bewegen sich in anderen Sphären. Etwa 4,7 Millionen Euro beträgt der Etat der Berliner, bei Kiel kann man von gut zwölf Millionen ausgehen. „So hat Kiel einfach die viel höhere Anzahl an Spitzenspielern“, erklärt Hanning. „Die wechseln, ohne dass du das merkst“, ergänzt Sigurdsson. „Hat man zwei oder drei von denen im Griff, kommen zwei andere rein.“

Doch nicht ohne Stolz hält Hanning sein Alternativ-Konzept dagegen: „Wir haben zwei deutsche Jugend-Meisterschaften geholt und haben einige junge deutsche Spieler im Team.“

Natürlich ist es für die potenten Topteams ein Vorteil, jede Position doppelt mit einer Spitzenkraft besetzen zu können, gerade wenn man die Doppelbelastung nationale Liga und Champions League hat. Die Füchse haben in der Hinsicht in dieser Saison Neuland betreten. „Man merkt das schon, wenn immer mehr Spiele hinzukommen“, sagt Laen. „Und richtig harte Wochen stehen uns noch bevor.“ Der Trainer hat noch keine sichtbaren Verschleißerscheinungen feststellen können: „Die Jungs sind noch alle sehr spritzig.“

Hanning meint, dass „die Spieler noch nicht an den Reserven sind“. Aber langsam käme man an den Punkt, „wo wir uns überlegen müssen, wie wir damit umgehen“. Sigurdsson dosiert das Training bereits sehr stark, es bleibt ihm gar nichts anderes übrig. Laen verweist auf einen großen Vorteil: „Bisher haben wir mit Verletzungen wirklich Glück gehabt.“ Er sieht eher den psychischen statt den physischen Aspekt: „Es ist mehr eine Kopfsache, dauernd auf höchstem Niveau zu spielen.“

Und die Mannschaft ist sehr klar im Kopf. Laen sieht es dabei als „größte Leistung“ an, dass man am vergangenen Dienstag im Pokal beim Zweitligisten Saarlouis voll motiviert und konzentriert zur Sache gegangen ist. „Und das zwischen den großen Spielen gegen Madrid und Kiel.“ Im Gegensatz zum Trainer ist bei Torsten Laen das Kribbeln angekommen. Gegen Kiel – „das ist natürlich was ganz Besonderes.“ Der Däne gibt ehrlich zu: „Für den THW hätte ich auch mal gern gespielt.“ Doch inzwischen hat er ja sein Glück bei den Füchsen gefunden.