Trotz 18:0-Punkten

THW Kiel reist mit Sorgen zu den Berliner Füchsen

Mit einem neuen Startrekord reist der THW Kiel am Sonntag zum Spitzenspiel bei den Berliner Handball-Füchsen. Doch abseits des Feldes muss der Branchenprimus immer wieder Rückschläge verdauen.

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Am Freitag war wieder einmal so ein Tag, an dem der THW Kiel von der Vergangenheit eingeholt wurde. Der vermeintlich geschmierte Handball-Schiedsrichter Miroslaw Baum musste vor dem Kieler Landgericht aussagen. Nein, nein, widersprach der Pole, er habe kein Geld von den Angeklagten Uwe Schwenker und Zvonimir Serdarusic angenommen. Er entlastete damit den ehemaligen Kieler Manager und den Ex-Trainer. Ihnen wird zur Last gelegt, das Champions-League-Finalspiel gegen Flensburg-Handewitt im Frühjahr 2007 zu Gunsten des Bundesligisten manipuliert zu haben.

„Das geht ja schon seit Jahren“, sagt THW-Kapitän Marcus Ahlm dazu nur. „Bei uns in der Mannschaft wird darüber so gut wie nicht gesprochen.“ Die Vergangenheit soll kein Thema sein. Der schwedische Kreisläufer, seit 2003 in Kiel, hofft nur, dass für die beiden Angeklagten alles gut ausgeht, denen er freundschaftlich verbunden ist.

Startrekord mit 18:0-Punkten

Schließlich gibt es viel Erfreulicheres zurzeit an der Förde. Zumindest beim Blick auf die Bundesliga-Tabelle: Neun Spiele, neun Siege, 18:0 Punkte – Vereins-Startrekord. Noch nie lief eine Saison besser an für den THW als diesmal. Entsprechend selbstbewusst kommen die Kieler zum Spitzenspiel am Sonntag gegen die Füchse in die Schmeling-Halle (17.30 Uhr, Sport1, nur noch Stehplatzkarten). THW-Nationalspieler Dominik Klein sagt aber auch mit Blick auf den Tabellendritten (13:3): „Berlin ist ein ernsthafter Konkurrent um die Meisterschaft.“

Vielleicht erinnert sich Klein auch noch an den 19. September 2010, diesen aus Füchse-Sicht märchenhaften Tag, als die Berliner in der Schmeling-Halle gegen den Rekordmeister sensationell mit 26:23 gewannen. Für Kiel war dies nur ein Negativerlebnis in einer Saison, die absolut unbefriedigend verlief.

Enttäuschende Vorsaison

Nach sechs Meistertiteln in Folge (2005–2010) wurde der THW in der vergangenen Spielzeit nur Zweiter, mit deutlichem Abstand hinter dem HSV Hamburg. „Wir hatten den Titel nicht verdient, weil der Kader durch unser Verletzungspech zu klein war“, sagt Trainer Alfred Gislason. Immer wieder fehlten über lange Zeit wichtige Leistungsträger. Als Titelverteidiger erreichte der THW zudem in der Champions League nicht einmal das Final Four.

In diesem Jahr soll alles wieder gut, also wie früher werden. „Wir streben die großen Titel an“, erklärt der isländische Trainer voller Zuversicht. Voraussetzung sei allerdings, „dass wir diesmal mehr Glück haben, was Verletzungen betrifft.“ Kein neuer Spieler wurde bei den Kielern nach dem „Betriebsunfall“ verpflichtet. Aber eigentlich kommen ja auch zwei Etablierte zurück, die in der vergangenen Saison wegen schwerer Verletzungen wenig helfen konnten: Daniel Narcisse und Kim Andersson. „Mit diesen beiden sind wir deutlich stärker“, sagt Gislason.

Durchwachsen in der Champions League

Die bisherigen Auftritte in der Bundesliga sind Beleg dafür. In der Champions League lief es bei einer Bilanz von einem Sieg, einem Remis und einer Niederlage allerdings bisher noch nicht nach Wunsch.

Vor ein paar Tagen lebte die Vergangenheit in Kiel auch noch in anderer Form auf: Der Klub musste mitteilen, dass das vergangene Geschäftsjahr mit einem Minus von 500.000 Euro abgeschlossen wurde. Kein Problem, so die Verantwortlichen, neue Gesellschafter würden in die GmbH eintreten, mit deren Kapital der Bilanzverlust ausgeglichen werden soll. Aber auch in dieser Hinsicht kümmern sich die Spiele lieber ums Toreschießen.