Handball-Bundesliga

Füchse gegen Gummersbach erstmals Favorit

Nach vielen wirtschaftlichen Problemen läuft es für den Handball-Traditionsverein aus Gummersbach auch sportlich nicht mehr rund. Gegen die starken Füchse aus Berlin ist der zwölfmalige Deutsche Meister nun Außenseiter.

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Sanft erheben sich die Hügel um die Moltkestraße 51 in Gummersbach. Die Blätter der vielen Laubbäume, vorwiegend Linden, haben sich bunt gefärbt, in der Herbstsonne blitzt das Dach der Eugen-Haas-Halle, in der der VfL Gummersbach am Mittwochabend in der Handball-Bundesliga die Füchse aus Berlin empfängt. In der vergangenen Saison war diese Begegnung ein absolutes Spitzenspiel, Traditionsklub und amtierender Europapokalsieger gegen den Überraschungsklub aus der Hauptstadt, der vor einem Jahr das alte Machtgefüge in der Liga aufbrach und seither für Furore sorgt. Dieses Mal jedoch haben sich die Vorzeichen gewandelt, denn der VfL befindet sich mitten im Abstiegskampf.

Ein Sieg und sechs Niederlagen

Nach nur einem Sieg und sechs Pleiten steht Gummersbach als 17. mit dem Rücken zur Wand, die Füchse haben mit 12:2 Punkten dagegen einen blendenden Saisonstart hingelegt und reisen damit voller Selbstvertrauen an. Ausgerechnet im Jahr des 150. Vereinsjubiläums taumelt der Traditionsklub aus dem Oberbergischen am Abgrund. Nie zuvor stand der zwölfmalige Deutsche Meister sportlich schlechter da, diese missliche Lage hätte Eugen Haas, den verstorbenen langjährigen Präsidenten des VfL und Namensgeber der Heimspielstätte, sicher arg gebeutelt.

Immer wieder hatte sich der VfL Gummersbach in den vergangenen Jahren mit finanziellen Problemen geplagt, es gab Verbindlichkeiten in Millionenhöhe, Spieler-Gehälter wurden gestundet, Leistungsträger musste man ziehen lassen. Immerhin, im Mai herrschte beim Traditionsklub große Erleichterung, nachdem in einer großen Rettungsaktion 2,3 Millionen Euro gesammelt worden waren, die den Lizenzentzug abwenden konnten, der wegen zu hoher Schulden gedroht hatte. Zudem verzichteten die Gläubiger auf rund die Hälfte ihrer Ansprüche von insgesamt rund vier Millionen Euro. Der Gesamtetat des Klubs schrumpfte auf knapp vier Millionen Euro, was auch dazu führte, dass Torhüter Goran Stojanovic (Rhein-Neckar Löwen) und die Spieler Drago Vukovic (TuS N-Lübbecke), Adrian Wagner (Bad Schwartau), Markus Hammerschmidt (SC Magdeburg) und Geoffroy Krantz (Saint-Raphael/Frankreich) im Sommer den Klub verließen. Zuvor aber hatte die Mannschaft von Trainer Sead Hasanefendic mit dem erneuten Gewinn des Europapokals der Pokalsiegers noch einen finalen Coup gelandet: „Aber diese vielen Abgänge kann der VfL nicht noch einmal verkraften“, hatte Handball-Punk Stefan Kretzschmar vor dem Saisonstart gesagt und dem Verein den „ganz großen Absturz“ prophezeit. Diese Prognose scheint sich nun zu bewahrheiten.

Trainerdiskussion eröffnet

Beim VfL griffen nach den ersten Niederlagen die klassischen Mechanismen, um aus der Misere zu gelangen. So diskutierten die Spieler untereinander, der Spielerrat traf sich mit der Geschäftsführung, die Vereinsführung und Trainer Hasanefendic setzten sich zusammen. Doch es half alles nichts, und am vergangenen Wochenende erlebte der Altmeister mit der 25:40-Niederlage beim TuS N-Lübbecke den vorläufigen Tiefpunkt, nach 15 Minuten hatte er bereits mit 0:11 zurückgelegen.

„Verlieren kann man in Lübbecke. Aber nicht so. So darf man sich als Bundesligist nicht präsentieren. Wir haben gespielt wie ein Junioren-Team, sogar schlechter“, sagte Hasanefendic, während der dreimalige Torschütze Kentin Mahé betonte: „Das war eine absolute Katastrophe. Dafür kann man sich nur entschuldigen. Das tut mir sehr leid – vor allem für die Fans.“ Und VfL-Geschäftsführer Axel Geerken ergänzte „Ich habe einen kraft- und willenlosen VfL gesehen. Um es auf den Punkt zu bringen: Das war eines VfL Gummersbach absolut unwürdig und so verlieren wir gegen die Füchse noch höher.“

Nach der bitteren Pleite in Lübbecke – es war bereits die dritte hohe Niederlage in Folge – wurde auch eine Trainerdiskussion eröffnet. Mit Pascal Mahé, dem Vater von Kentin Mahé und Jugendtrainer beim TSV Dormagen, steht offenbar auch schon ein Nachfolger bereit. Manager Geerken aber beruhigt die Gemüter. „Wir werden jetzt nicht in Hektik verfallen“, sagte er und wollte vor der Begegnung mit den Füchsen alle Beteiligten noch einmal an ihre Verpflichtung für den Verein erinnern. Mit einem Durchschnittsalter von 23 Jahren hat der VfL die jüngste Mannschaft der Bundesliga. Geerken: „Wir wussten, dass es eine schwierige Saison werden würde.“ Dass es aber so schlecht läuft, hätten sie beim VfL Gummersbach wohl doch nicht erwartet.