Handball-Champions-League

Füchse Berlin bieten trotz Niederlage großen Sport

Toll gespielt und trotzdem verloren: Beim 33:37 gegen das Starensemble von Atletico Madrid zeigten die Berliner Füchse Handball auf höchstem Niveau. Madrids Trainer sieht sie bereits unter den Top-Teams Europas.

Foto: Bongarts/Getty Images / Bongarts/Getty Images/Getty

Der letzte Treffer war Iker Romero vorbehalten. Mit einem kunstvollen Dreher erzielte der Spanier in Diensten der Füchse Berlin das finale Tor eines großen Handball-Nachmittags in der Max-Schmeling-Halle. Die 8720 Zuschauer hielt es da schon längst nicht mehr auf ihren Sitzen. Großen Sport hatten sie 60 Minuten lang gesehen im Duell der Spitzenreiter der Gruppe B in der Champions League. Für die Füchse reichte es am Ende nicht zur Sensation, der Bundesligist unterlag gegen den großen Favoriten Atletico Madrid mit 33:37 (15:17), zeigte aber einen couragierten Auftritt.

„Wir sind natürlich etwas traurig, weil wir uns schon etwas ausgerechnet hatten“, sagte Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson, „und wir haben teilweise richtig gut gespielt.“ Aber Atletico habe die Angriffe sehr konzentriert abgeschlossen. „Die haben die Erfahrung und die Routine, so ein Spiel siegreich zu gestalten. Damit muss man leben.“ Großes Lob gab es von Gäste-Trainer Talant Duschebajew. „Die Füchse haben sich in kürzester Zeit zu einer Spitzenmannschaft entwickelt, sie sind unglaublich gut und haben das Zeug, in der Königsklasse das Final Four zu erreichen“, sagte der Coach.

Laen stark gegen seinen Ex-Klub

Zum zweiten Mal luden die Füchse in der Königsklasse zu einem Heimspiel in die Arena in Prenzlauer Berg. Das erste hatten sie vor zwei Wochen gegen Kielce/Polen gewonnen. Weil in der Champions League 16 Spieler im Kader stehen dürfen – in der Bundesliga sind es nur 14 –, nominierte Sigurdsson den Berliner Nachwuchsspieler Jonas Thümmler nach. Die Fans sorgten von Beginn an für Gänsehautstimmung. Mit freundlichem Applaus wurden die Gäste aus Spanien empfangen, die lautstarke Unterstützung aber galt natürlich ihren Füchsen. Und die zeigten überhaupt keinen Respekt vor dem großen Favoriten. Atletico will in dieser Saison nicht weniger als den Titel in der Champions League gewinnen und Titelverteidiger FC Barcelona ausstechen. Mit großen Siegen soll zudem eine neue Handball-Euphorie in der spanischen Hauptstadt entfacht werden. Erst im Sommer war der komplette Verein aus Ciudad Real nach Madrid umgezogen.

Das Tempo der Partie war mit dem ersten Angriff sehr hoch. Vor den Augen von einigen Fußballprofis von Hertha BSC gelang Torsten Laen in der achten Minute der Ausgleich zum 4:4. Der Däne hatte bis 2009 bei Atletico-Vorläufer Ciudad Real gespielt und mit den Spaniern zwei Mal die Champions League gewonnen. Am Sonntag drehte der Kreisläufer gegen seinen Ex-Klub richtig auf. „Das war etwas ganz Besonderes“, sagte der Füchse-Kapitän. Linksaußen Ivan Nincevic warf die Füchse dann sogar in Führung (5:4). Dem Treffer war eine Parade von Silvio Heinevetter vorausgegangen, der Torhüter warf sich in jeden Ball und hielt stark.

Auf der anderen Seite glänzte aber auch Atletico-Schlussmann Arpad Sterbik, der derzeit als bester Torhüter der Welt gilt. Der Zwei-Meter-Mann füllt das Tor allein durch seine körperliche Fülle gefühlt aus. Aber die Berliner Angreifer konnten ihn dennoch immer wieder überwinden. Ein Doppelschlag von Laen binnen weniger Sekunden brachte das 8:8 (15.), dann bekam Berlins Abwehrchef Denis Spoljaric Szenenapplaus, als er zum 11:11 (20.) traf. Nur selten kommt der Olympiasieger im Angriff zum Einsatz, umso ungewöhnlicher ist ein Torerfolg des Kroaten.

Gekämpft bis zum Schluss

Madrid ging zwar immer wieder in Führung, aber die Füchse schafften stets auch den Anschluss und überwanden mit cleverem Spiel die aggressive 5:1-Abwehr der Spanier. Allen voran Bartlomiej Jaszka. Der für Handballverhältnisse recht zierliche Spielmacher kämpfte sich eindrucksvoll durch die menschliche Wand und war am Ende mit zehn Toren auch bester Berliner Werfer. Bis zur 38. Minute gestaltete sich die Partie offen, dann aber kam ein Bruch ins Berliner Spiel. In Unterzahl gerieten sie in Not – und einen klaren Rückstand: (22:27, 45.).

Zweifelhafte Schiedsrichterentscheidungen taten ihr Übriges. Sehr zum Ärger der Platzherren. Und prompt flippte Heinevetter, bis dahin mit 14 Paraden stark, aus. Ein Zeichen für Sigurdsson, im Tor zu wechseln. So durfte jetzt Petr Stochl ran. Im Stile einer Spitzenmannschaft nutzte Madrid die Situation für sich gnadenlos aus. Doch die Füchse fingen sich wieder, Aufgeben ist nicht ihr Ding, Weiterkämpfen Ehrensache. Unter Aufbietung aller Reserven kämpften sie sich zurück ins Spiel und trafen auch wieder (28:31, 51.). Doch die Spanier ließen sich diesen Sieg nicht mehr nehmen.