Handball-Spitzenspiel

Füchse siegen nach Krimi gegen Top-Favorit HSV

Es ist eine kleine Sensation: Die Füchse schlagen Meister Hamburg knapp mit 26:25. In einem wahren Krimi siegten die Berliner dank viel Leidenschaft und einer Portion Glück gegen die HSV-Millionentruppe – und bleiben Tabellenführer.

Foto: dpa / dpa/DPA

Sieben Sekunden waren in der Schmeling-Halle noch zu spielen. Mit 26:25 führten die Füchse Berlin gegen den HSV Hamburg, den deutschen Handball-Meister. Die Sensation war zum Greifen nah, da schnappte sich HSV-Nationalspieler Pascal Hens den Ball und schleuderte ihn mit aller Kraft gen Tor. Doch Petr Stochl reagierte blitzschnell und wehrte den Wurf ab. Jetzt brachen in der Arena alle Dämme, die Berliner Spieler rissen die Arme hoch und warfen sich gegenseitig in die Arme, die 8126 Zuschauer trampelten und johlten und die Gäste gratulierten respektvoll dem Siegerteam. Mit 26:25 (14:13) gewannen die Füchse das Spitzenspiel der Bundesliga gegen den HSV, damit geht der Höhenflug der Füchse, der in der vergangenen Saison mit Platz drei begonnen hatte, auch in dieser Spielzeit weiter. Es war der dritte Sieg im dritten Spiel, die Füchse sind an der Tabellenspitze.

„Das ist schon ein kleiner Meilenstein“, sagte Geschäftsführer Bob Hanning und dankte den Fans: „Das Publikum hat wie ein Mann hinter uns gestanden.“ Trainer Dagur Sigurdsson hatte mit der Entscheidung für eine 5:1-Abwehr den Grundstein zum Erfolg gelegt. „Das war ein richtiger Krimi und eine großartige Leistung unserer Mannschaft. So kann das gerne weitergehen“, sagte Sigurdsson.

Das Vorspiel des Liga-Gipfels hatte wegweisenden Charakter gehabt. Da fegte die A-Jugend der SG Spandau/Füchse Berlin in der neu geschaffenen Jugend-Bundesliga den HSV mit 42:21 aus der Halle. Ein gutes Omen. Dennoch begannen die Platzherren nervös, was der Meister ausnutzte und die Führung übernahm. Doch die Füchse berappelten sich rasch wieder und schafften durch Linksaußen Ivan Nincevic den Ausgleich (4:4, 8. Minute). Der Kroate war mit sieben Toren bester Werfer.

Mit Leidenschaft warfen sich die Berliner Spieler in jeden Ball. Junioren-Weltmeister Johannes Sellin gelang zunächst ein Doppelschlag zum 8:8, (18.), wenig später lief dann zum ersten Mal vor heimischer Kulisse Berlins neuer Starspieler Iker Romero aufs Parkett.

Aggressiv in Halbzeit zwei

Lautstark skandierten die Zuschauer den Namen des Spaniers, der auf der Mittelposition und im linken Rückraum agiert. Und dass der 31-Jährige extrem hart werfen kann, das bewies er beim 11:9 (22.). Spätestens jetzt hatten ihn die Berliner Fans vollends in ihr Herz geschlossen.

Die Füchse waren nun heiß, mit Selbstvertrauen boten sie der Millionentruppe vom HSV couragiert die Stirn und gingen mit einer knappen Führung in die Pause. Nach dem Seitenwechsel zeichnete sich einmal mehr Silvio Heinevetter mit einer Parade aus, musste wenige Sekunden später aber nach einem Siebenmeter hinter sich greifen. Der aus Füchse-Sicht ungerechtfertigte Strafwurf sorgte für die nötige Aggressivität nach Wiederanpfiff. Die Berliner waren jetzt so richtig angefressen und damit umso bissiger. Binnen zwei Minuten bauten sie ihre Führung auf 18:15 (39.) aus. Die Sensation bahnte sich an.

Aber natürlich wollte sich der Meister von der Elbe nicht einfach so vorführen lassen vom frech aufspielenden Hauptstadtklub. Er drängte auf den Ausgleich, der auch gelang (18:18, 43.). Im Füchse-Tor machte Heinevetter für Petr Stochl Platz. Es war der Schachzug zum Sieg.

Gleich den ersten Wurf der Hamburger wehrte der Tscheche ab, die Partie war nun völlig offen, und es war ein Duell auf Augenhöhe. Am Schluss jubelten die Füchse. Sigurdsson: „Der Sieg hätte auch beim HSV landen können, aber wir hatten das nötige Glück. Es war ein Riesenkampf.“