Etat, Nachwuchs, Kader

Was die Füchse von Meister Hamburg unterscheidet

Nach zwei Siegen zum Auftakt ist die Euphorie bei Berlins Handballern groß. Nun soll auch Titelträger Hamburg bezwungen werden. Morgenpost Online zeigt, wo die größten Unterschiede zwischen dem Ligaprimus und den Füchsen liegen.

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Sein Wort hat Gewicht. Wenn Stefan Kretzschmar in Handballkreisen seinen fachkundigen Kommentar abgibt, horchen die Menschen auf. Der frühere Weltklasse-Linksaußen, der mit dem SC Magdeburg 2002 die Champions League gewann, ist ein begehrter Experte. „Als Spitzenmannschaft“ hatte der exzentrische Ex-Profi die Füchse jüngst nach deren beeindruckendem Sieg in Magdeburg bezeichnet. Beim Hauptstadtklub haben sie die respektvolle Belobigung wohlwollend aufgenommen. „Wir sind vergangene Saison Dritter geworden, waren punktgleich mit Kiel“, sagt Berlins isländischer Trainer Dagur Sigurdsson. Dann lächelt er: „Wenn man als Dritter nicht als Topteam gilt, wann sonst?“

Und die neue Spielzeit geht für den Hauptstadtklub gleich wieder richtig gut los. Nach zwei Siegen grüßen die Füchse von der Tabellenspitze . Am Sonntag nun empfangen sie den Deutschen Meister HSV Hamburg in der Max-Schmeling-Halle (17.30 Uhr), es ist das Topspiel des Tages. Und der Titelträger von der Elbe hat seine Anhänger via Homepage schon einmal mit einem umfangreichen Porträt über den nächsten Gegner informiert. „Das wird ein ganz schweres Spiel, in dem es für uns um wichtige Punkte geht“, sagt denn auch HSV-Nationalspieler Michael Kraus. Und Berlins Torwart Silvio Heinevetter weiß: „Letztes Jahr waren wir die Jäger, jetzt wird uns kein Gegner mehr unterschätzen.“ Auch nicht der Deutsche Meister.

Aber wie viel HSV steckt tatsächlich schon in den Füchsen Berlin?

Etat

Ein Blick auf die Budgets, mit denen beide Vereine für die Spielzeit planen, verrät rasch, dass die beiden wirtschaftlich noch Welten trennt. Während der Etat der Füchse etwa 4,7 Millionen Euro beträgt, gaben die Verantwortlichen des HSV offiziell an, mit der Rekordsumme von neun Millionen Euro zu haushalten. Inoffiziell aber sollen es weit über zehn Millionen Euro sein.

Ideologie

Auch in Sachen Ideologie und Ausrichtung unterscheiden sich die beiden Klubs maßgeblich. Die Hamburger werden durch Andreas Rudolph finanziell abgesichert. Der Medizinunternehmer ist zwar nicht mehr Vereinspräsident, als Hauptsponsor und Mäzen aber immer noch der mächtigste Mann der Hamburger Handballer. Die Füchse hingegen verstehen sich als Familienverein, der aus der Mittelschicht gesteuert wird. „Natürlich würden wir nicht nein sagen, wenn uns ein Sponsor drei Millionen Euro anbieten würde, aber das passt nicht zu uns, wir werden nie unsere Seele und unsere Prinzipien verkaufen“, sagt Hanning: „Bei uns leben alle für den Verein und nicht vom Verein. Wenn wir nicht so viel ehrenamtliches Engagement hätten, wäre das Projekt so nicht machbar.“

Mit 74,9 Prozent ist Rudolph Mehrheitseigner der Mannschaft. Präsidium und Aufsichtsrat sind damit auf sein Wohlwollen angewiesen. „Uns lassen die Gesellschafter und unser Präsident Frank Steffel immer in Ruhe arbeiten“, sagt Hanning. Füchse-Kapitän Torsten Laen schwärmt: „Das Schöne an diesem Verein ist, dass wir Spieler uns nur ums Handballspielen kümmern müssen.“

Jugendarbeit

In Sachen Jugendarbeit sind die Füchse vorbildlich. Nach der Deutschen Meisterschaft mit der B-Jugend sicherten sich auch die A-Jugendlichen den nationalen Titelgewinn. Durch die Einführung des Jugendzertifikats von der Handball-Bundesliga (HBL) ist auch der HSV dazu angehalten, den Nachwuchs intensiv zu fördern. Das tun die Hansetaten mit zunehmendem Erfolg. „Sie sind auf einem guten Weg und haben sich auch eine Menge von uns abgeschaut“, sagt Hanning. Am Sonntag empfangen die Füchse zum Auftakt der neu eingeführten Jugend-Bundesliga den Nachwuchs vom HSV (15 Uhr, Schmeling-Halle). Es ist ein Duell mit umgekehrten Vorzeichen, „denn als Meister sind wir klarer Favorit“, sagt Hanning, der die A-Jugend der SG Spandau/Füchse trainiert.

Kader

Nicht zuletzt verfügen die Hamburger über einen Kader, der mit internationalen Topspielern prall gefüllt ist. Und so verwundert es kaum, dass sich der Verein den Gewinn aller drei Titel (Meisterschaft, Pokal, Champions League) zum Ziel gesetzt hat, die Füchse wollen sich hingegen unter den ersten sechs Klubs der Bundesliga behaupten und in der Champions League das Achtelfinale erreichen. Allerdings muss der neue HSV-Trainer Per Carlén noch zeigen, wie er mit dem hohen Druck klarkommt. Das Personal dafür hat er, so sind die Hamburger auf allen Positionen doppelt bis dreifach gut besetzt. „Der HSV hat 16 Spieler mit Weltklasseniveau“, sagt Hanning.

Und dennoch kommt eine Nummer eins der Liga eben doch nicht aus Hamburg. Mit 119 Stundenkilometern besitzt Füchse-Linkshänder Alexander Petersson den härtesten Wurf der Bundesliga. Domagoj Duvnjak vom HSV schafft es mit 113 km/h nur auf Rang drei.