Sieg in Magdeburg

Was das Torwart-Duo der Füchse so stark macht

Ein Glücksgriff zur rechten Zeit: Beim 29:27 in Magdeburg wechselte Füchse-Coach Sigurdsson Torwartstar Heinevetter gegen Routinier Stochl – und der hielt grandios. Obwohl sie Konkurrenten sind, lagen sich nachher beide Torhüter in den Armen.

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Als Trainer ein Näschen zu haben und die Situation richtig zu lesen, ist das Eine. Doch diese Eigenschaft nützt wenig, wenn das Personal fehlt, das die Lage bessern kann. Dagur Sigurdsson besitzt in dieser Saison offenbar beides. Der Trainer der Handball-Füchse hatte beim 29:27-Sieg in Magdeburg „das Gefühl, einen Impuls setzen zu müssen“. Er beorderte seinen Torwartstar Silvio Heinevetter (26) auf die Bank und Routinier Petr Stochl (35) in den Berliner Kasten. Ein Glücksgriff zur rechten Zeit. Der Tscheche glänzte sofort mit starken Paraden. Als er dann aber wegen Meckerns eine Zwei-Minutenstrafe erhielt, kehrte Heinevetter zurück, hielt ebenfalls grandios und wurde zum Garanten des zweiten Auswärtssieges in Folge. Der Saisonstart war perfekt.

Manager Bob Hanning liegt wahrscheinlich gar nicht falsch, wenn er stolz verkündet, dass seine Füchse „das beste Torwart-Duo der Liga“ hätten. Und Sigurdsson erklärt, dass die Auswechslung Heinevetters nicht unbedingt etwas mit dessen Leistung zu tun gehabt habe. Jeder sollte während eines Spiels mal durchpusten können und „Heine“ habe „auch schon zuvor in Hannover eine Pause bekommen“, erzählt der Trainer. Eine Regel, die vorgibt, wann der eine verschnaufen darf und der andere sich den gegnerischen Angreifern entgegen wirft, gibt es allerdings nicht. „Das entscheidet jeder aus dem Bauch heraus“, sagt Hanning. Wissend, dass ein Trainer auch schnell als Depp da stehen kann, wenn ihn sein Bauchgefühl trügt. Die Chemie eines guten Torhüter-Duos beschreibt der Manager so: „Natürlich will jeder der beiden spielen, aber die Torhüter verhalten sich zumeist zueinander loyal. Und je näher sie von der Leistung her aneinander dran sind, desto mehr wächst der eine über sich hinaus, wenn er den Platz des anderen einnimmt.“

Richtiges Bauchgefühl des Trainers

Wie in Magdeburg, als das Bauchgefühl Sigurdssons den Sieg und damit die Tabellenführung in der Bundesliga brachte und Stochl und Heinevetter eindrucksvoll ihre Loyalität zueinander bewiesen, als sie sich nach dem Sieg in den Armen lagen.

Es könnte also nicht besser laufen bei den Füchsen, wäre da nicht das Gerücht, Heinevetter würde die Berliner verlassen und zum Liga-Primus THW Kiel wechseln. Fragen nach dem Wahrheitsgehalt dieses nicht verstummenden Branchengeflüsters trüben derzeit die gute Stimmung bei den Füchsen. „Es nervt langsam“, findet Hanning. „Da kocht irgendein Boulevard-Journalist ein Thema hoch, und ich muss ständig darauf antworten.“

Behauptet wird, dass Deutschlands bester Schlussmann in Kiel einen Vorvertrag unterschrieben hat und dort spätestens 2013 den französischen Weltklasse-Keeper Thierry Omeyer ablösen soll. Angeblich soll sich Kiel am Gehalt von Heinevetter in Berlin beteiligen, der erst im November seinen Kontrakt bei den Füchsen um drei Jahre verlängert hatte. Heinevetter selbst versicherte nun, nicht einmal Kontakt zum THW gehabt zu haben: „Thierry Omeyer geht nach Hause und jetzt wird halt wild spekuliert. Aber mit mir hat keiner gesprochen und was da in den Medien steht, ist mir dann auch egal.“ Und dann ließ er gleich noch einen Treueschwur folgen: „Ich habe einen Vertrag und den werde ich auch erfüllen. Punkt, aus.“

Festgesetzt in der Ligaspitze

Vielleicht sind die Gerüchte aber auch nur noch ein weiterer Beweis dafür, dass sich die Füchse mittlerweile in der Ligaspitze festgesetzt haben. Coach Sigurdsson jedenfalls fand nach dem Sieg in Magdeburg, seine Mannschaft habe gezeigt, dass sie „ziemlich stabil“ sei und „auf dem Niveau der letzten Saison spielen“ könne. Und Hanning findet es „ganz normal, dass der THW Kiel ein Interesse daran haben muss, einen Silvio Heinevetter zu verpflichten. Wenn Omeyers Vertrag ausläuft, dann werden sie nach einem der besten Torhüter der Welt schauen und der spielt nun mal bei uns.“

Vielleicht schauen die Kieler aber auch zum Meister HSV Hamburg, denn deren Torhüter-Duo Johannes Bittner/Dan Beutler stünde dem der Füchse kaum nach, sagt Hanning. Ob er damit richtig liegt, wird sich am Sonntag (17 Uhr) in der Schmeling-Halle weisen. Dann ist der HSV in Berlin zu Gast. „Wir müssen ein Superspiel erwischen, um Hamburg zu schlagen“, sagt Sigurdsson. Und er natürlich wieder ein perfektes Bauchgefühl.