Ostderby

Füchse erwartet in Magdeburg der erste Härtetest

Es ist Derbyzeit: Wenn die Berliner Füchse beim SC Magdeburg gastieren, geht es um mehr als zwei Punkte – es geht ums Prestige. Manager Hanning erwartet eine "emotionale Angelegenheit". Sogar der Bundestrainer hat sich angekündigt.

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Ein Blick auf die Gästeliste verrät den Stellenwert der Partie. Handball-Bundestrainer höchstselbst und Liga-Chef Frank Bohmann werden Dienstagabend auf der Tribüne sitzen, wenn die (20.15 Uhr bei Sport1 und im Live-Ticker von Morgenpost Online ). „Schon als zweites Bundesligaspiel in der Saison so ein Derby ist hochinteressant“, frohlockt Heuberger, der im Sommer die Nachfolge von Heiner Brand angetreten hatte. „Der SCM hat zu alter Heimstärke zurückgefunden. Das wird schwer die Füchse.“

Rund 8000 Zuschauer werden am Abend ihren SCM anfeuern und für die entsprechende Derby-Stimmung sorgen. „Das wird eine sehr emotionale Angelegenheit und ein Spiel auf Augenhöhe“, ahnt Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning, „es werden Nuancen entscheiden.“ Die Füchse sind personell auf den meisten Positionen ein kleines Stück besser besetzt. „Die große Frage wird sein, wie viel die Mannschaft bereit ist zu investieren.“ Auf jeden Fall muss es mehr sein als zuletzt , die Mannschaft von Trainer Dagur Sigurdsson aber noch nicht so recht überzeugen konnte. „Mit 90 Prozent gewinnst du kein Spiel in der Bundesliga“, kritisierte Hanning.

Etat wurde auf vier Millionen erhöht

Eine veritable Gala-Vorstellung hingegen zeigte Magdeburg zum Auftakt gegen Frisch Auf Göppingen . Mit einer überragenden Abwehrleistung gelang ein 25-22-Erfolg gegen den ambitionierten Traditionsklub, der vergangene Saison den EHF-Cup gewonnen hat. „Die Magdeburger haben Göppingen regelrecht vorgeführt“, sagt Hanning. Immerhin: die letzten vier Partien haben die Füchse gegen den Rivalen aus Sachsen-Anhalt für sich entscheiden können. Aber das ist Vergangenheit, denn der SCM hat sich für die neue Spielzeit viel vorgenommen. Motto: mit neuen Stars zu alter Stärke. „Wir wollen Platz sieben wie in der letzten Saison erreichen und im EHF-Cup so weit wie möglich kommen.“

Der Etat wurde um 300.000 Euro auf vier Millionen Euro erhöht, zudem wurden zwei Topstars verpflichtet. So kam der isländische Nationaltorhüter Björgvin Gustavsson von den Kadetten Schaffhausen/Schweiz. Rückraumspieler Ales Pajovic hat bereits drei Mal die Champions League gewonnen, stand zuletzt bei RK Celje in Slowenien unter Vertrag. „Unsere Defensive hat durch die Verpflichtung von Ales Pajovic noch mehr an Stabilität gewonnen“, sagt SCM-Trainer Frank Carstens. Der 39-Jährige geht in seine zweite Saison in Magdeburg und gilt als Wunschkandidat Heubergers für den Co-Trainer-Posten in der Nationalmannschaft. „Ich bin von seinen Qualitäten überzeugt“, erklärt Heuberger seine Wahl: „Die Einsatzfreude und den Willen, den er früher als Spieler hatte, zeigt er auch als Trainer. Auch sein Charakter passt.“

Schon 3000 Dauerkarten verkauft

Carstens’ jüngste Erfolge in Magdeburg sprechen in der Tat für den früheren Bundesligaspieler. Er hat mit dafür gesorgt, dass in der Messestadt wieder Handball-Hochstimmung herrscht. Der Kultklubs des Ostens, der 2002 als erster deutscher Verein die Champions League gewonnen hat, ist wieder in. 2010/2011 kamen mit 5200 Zuschauern im Schnitt 1000 mehr als erwartet, für diese Saison sind schon mehr als 3000 Dauerkarten verkauft.

„Der SCM ist ein Leuchtturm der Region. Wir machen Schritte auf einem guten und richtigen Weg, sind aber noch nicht am Ziel“, sagt Geschäftsführer Marc-Henrik Schmedt, „der SCM hat das Potenzial, Schritt für Schritt nach oben zu kommen.“ Allerdings hält man es in Magdeburg wie bei den Füchsen Berlin: immer schön das Machbare im Blick behalten und keine überzogenen Erwartungen erheben. „Wenn wir das Erreichte bestätigen, haben wir schon die Leistung aus dem Vorjahr übertroffen, weil wir ja jetzt mit dem EHF-Cup eine höhere Belastung haben“, sagt Carstens.

Ein langes Abtasten wird es am Dienstag jedenfalls nicht geben, beide Mannschaften kennen sich gut, beide sind heiß auf den Sieg im Prestige-Duell. Füchse-Coach Sigurdsson: „In einem Duell auf Augenhöhe sind die Punkte doppelt wichtig. Das ist eine echte Probe in Magdeburg. Dann sehen wir, wo wir stehen.“