Handball-Bundesliga

Weltmeister-Fuchs Johannes Sellin startet durch

Mit sechs Treffern war Johannes Sellin beim Liga-Start gegen Hannover zweitbester Werfer der Füchse. Sellin, der mit den deutschen Junioren die Weltmeisterschaft gewann, ist auf einem guten Weg, braucht aber noch "sechs bis sieben Kilo Muskelmasse."

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Die Reise mit der Liebsten nach Rom muss noch ein bisschen warten. Zwei Flüge in die ewige Stadt hat Johannes Sellin von seinem Arbeitgeber, dem Handball-Bundesligisten Füchse Berlin, als Belohnung für den Gewinn des WM-Titels mit den deutschen Junioren erhalten. Doch Zeit für den Romantiktrip hat der Weltmeister nicht wirklich. Das hat er sich freilich selbst eingebrockt, aber Sellin kann damit sehr gut leben. Denn sobald der 20-Jährige derzeit zum Ball greift, läuft es richtig gut. Mit sechs Toren zeichnete sich der Rechtsaußen beim 31:28-Erfolg zum Liga-Start beim TSV Hannover-Burgdorf als zweitbester Berliner Werfer aus und bestach dabei mit einer Trefferquote von über 90 Prozent.

„Er hat in Hannover einen sehr guten Job gemacht“, lobte Geschäftsführer Bob Hanning den Jung-Fuchs, der aufgrund der Knieverletzung von Markus Richwien zur Nummer eins auf seiner Position avancierte. Im Auftaktspiel zur neuen Saison überzeugte der 1,86-Meter-Mann mit vielen selbstbewussten Aktionen. „Johannes hat es geschafft, den Schwung und die positive Energie aus der Junioren-WM in den Verein mitzunehmen“, sagt Hanning. Sellin selbst freut sich über seine Leistung. „Es macht mir richtig viel Spaß, und natürlich willst du als Außen immer auch viele Tore werfen.“

Beispiel für gute Jugendarbeit

In Torlaune hatte sich Sellin auch bei der Junioren-WM in Griechenland gezeigt, als er mit sieben Toren im Endspiel gegen Dänemark großen Anteil am Gewinn des Titels hatte. Immer wieder hat er während der Meisterschaften in Thessaloniki Heimcoach Dagur Sigurdsson und Mentor Hanning („Johannes ist so etwas wie mein Projekt“) angerufen und sich mit den beiden Vorgesetzten besprochen. Sellins Aufstieg ist eng verknüpft mit den Füchsen, und er ist das Paradebeispiel für die Jugendarbeit des Klubs. Vor vier Jahren kam der Linkshänder von der Insel Usedom nach Berlin. Im Sommer machte er auf der Eliteschule des Sports in Hohenschönhausen sein Abitur. Darauf folgten der WM-Titel und am Sonnabend der gelungene Liga-Start. Da verwundert es auch nicht, dass Sellin den Schritt zu den Füchsen nicht bereut. „Ich bin damals bewusst nach Berlin gekommen, um Handballprofi zu werden. Von der jetzigen Entwicklung konnte ich natürlich nur träumen. Aber bisher lief alles sehr positiv. Trotzdem geht da natürlich noch was“, sagt er. Den Gewinn des WM-Titels habe er sehr bewusst wahrgenommen. Sellin lacht: „Es ist ein geiles Erlebnis, Weltmeister zu werden.“

Bei aller Euphorie hat der Jungspund natürlich auch noch viel Potenzial nach oben. Vor allem in seinem Abwehrverhalten kann und muss er sich noch steigern. Auch körperlich ist Sellin noch nicht voll ausgereift. „Sechs, sieben Kilo kann er durchaus noch an Muskelmasse zulegen“, sagt Hanning. Vom Kopf werde es abhängen, ob sein Weg im Auswahlteam weitergehe. Vorteil Sellin: Trainer der Junioren war Martin Heuberger, der nun die A-Nationalmannschaft als Nachfolger von Heiner Brand betreut. „Natürlich ist es gut, dass Martin Heuberger als neuer Bundestrainer uns junge Spieler schon gut kennt, aber wir müssen uns alle noch weiterentwickeln, um den nächsten Schritt zu machen“, sagt Sellin über seine Ambitionen im Nationalteam. Er konzentriert sich jetzt als Vollprofi erst einmal auf den Verein. „Wenn wir die große Euphorie aus der letzten Saison mitnehmen, können wir es unter die ersten Vier schaffen“, frohlockt er und will in der Champions League unbedingt die Gruppenphase erreichen, „dann schauen wir weiter“.

Wirbel um Heinevetter legt sich

Die Stimmung im Fuchsbau ist nach dem Auftaktsieg prächtig, da stören auch die Wechselgerüchte um Torhüter Silvio Heinevetter nur wenig. Der Nationalspieler soll in Kiel den Franzosen Thierry Omeyer beerben, der 2013 den Rekordmeister verlässt. Allerdings hat Heinevetter in Berlin einen Vertrag bis 2014. „Ich kann verstehen, dass unsere Spieler begehrt sind, das spricht für unsere Einkaufspolitik, und als THW hätte ich auch Interesse an Silvio“, sagt Manager Hanning und gibt sich gelassen: „Was in drei Jahren ist, das weiß kein Mensch.“