Handball

Füchsen gelingt der perfekte Saisonstart

Die Füchse Berlin konnten in ihrem ersten Saisonspiel in der Handball-Bundesliga überzeugen. Beim TSV Hannover-Burgdorf gewannen sie mit 31:28.

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Er riss beide Arme hoch und lächelte. Überschwänglich umarmte Sven-Sören Christophersen seine Team-Kollegen und klatschte sich mit Trainer Dagur Sigurdsson ab. Gerade erst hatte der Nationalspieler der Füchse Berlin seinen Vertrag bis 2015 verlängert, das verlieh dem 26-Jährigen gestern Flügel. Mit acht Toren führte Christophersen die Berliner zum 31:28-(14:15)-Sieg zum Liga-Start beim TSV Hannover-Burgdorf.

Es ist für die Berliner eine historische Saison, treten sie doch zum ersten Mal in ihrer Vereinsgeschichte in der Champions League an. Gestern Abend aber galt es zunächst einmal, erfolgreich in die Saison zu starten. Und das gelang auch, wenngleich mit mehr Mühe als womöglich erwartet. „Der Auftakt ist extrem wichtig, und wir sind froh, dass uns dieser Sieg gelungen ist“, freute sich Geschäftsführer Bob Hanning. Schon am Dienstag treten die Berliner beim SC Magdeburg an, am 11. September dann steigt das erste Heimspiel gegen Meister HSV Hamburg.

Trainer Sigurdsson musste zum Liga-Start auf Markus Richwien verzichten, der Rechtsaußen plagt sich seit Wochen mit einer Knieverletzung herum, die einen Einsatz gestern nicht zuließ. Dafür musste Jung-Fuchs Johannes Sellin zeigen, ob er der Verantwortung gewachsen ist. Der 20-Jährige hat sensationelle Wochen hinter sich, wurde jüngst mit den deutschen Junioren Weltmeister, warf dabei im Finale sieben Tore und hat demnach ein ordentliches Selbstvertrauen. Das stellte er gestern eindrucksvoll unter Beweis.

Mit Iker Romero, Jonathan Stenbäcken und Evgeni Pevnov setzte Sigurdsson die drei Zugänge zunächst einmal auf die Bank. So konnte die aus der vergangenen Saison eingespielte Formation um den souveränen Regisseur Bartlomiej Jaszka loslegen. Im Tor vertraute Sigurdsson auf Silvio Heinevetter. Der Schlussmann hatte vor dem Liga-Start indirekt für Unruhe gesorgt, nachdem das Gerücht aufgekommen war, er werde beim THW Kiel Nachfolger von Welttorhüter Thierry Omeyer. Der Franzose kehrt spätestens 2013 in seine Heimat zurück, und die an der Förde ansässigen Medien hatten den Wechsel des Nationaltorwarts schon für perfekt erklärt. Allerdings soll es noch keine Gespräche gegeben haben, beide Vereine dementierten zudem Wechselabsichten.

Die Partie war gerade 146 Sekunden alt, da wurde Christophersen in der Arena am Maschsee schon zweimal als Torschütze ausgerufen. Nach beiden Treffern ballte der Nationalspieler die rechte Hand zur Faust und reckte beim Zurücklaufen den Arm hoch. „Er passt vom Charakter super zu uns und soll sich immer mehr zum Führungsspieler entwickeln“, sagt Manager Hanning über den Rückraumspieler, der auf der halblinken Königsposition agiert. Und gestern zeigte der gebürtige Lübecker, wie wertvoll er für die Füchse ist. Denn so richtig wollte das mit dem souveränen Auftritt gegen den Underdog aus Hannover – die Niedersachsen waren in der vergangenen Saison auf Rang 14 und damit elf Plätze hinter den Füchsen eingelaufen – zunächst nicht gelingen. Beide Teams agierten auf Augenhöhe und schenkten sich nichts. 6:6 stand es nach 14 Minuten. Christophersen nahm sich immer wieder ein Herz und hämmerte den Ball auf und in der ersten Halbzeit gleich sechs Mal ins Tor.

14:36 Minuten waren gespielt, als dann Iker Romero das Spielfeld betrat. Vom großen FC Barcelona kam der Spanier und wird als der glamouröseste Zugang der ganzen Liga gehandelt. Er selbst sieht das freilich nicht so. „Ich will der Mannschaft helfen und meine Erfahrung einbringen“, gibt der 31-Jährige bescheiden als Vorhaben an. Gestern entlastete er den stark geforderten Christophersen immer wieder, konnte aber nicht verhindern, dass die Füchse zwischenzeitlich 6:8 (15. Minute) und 7:9 (19.) zurücklagen. Immerhin gelang dem Champions-League-Sieger mit dem 8:9 (19. Minute) sein erster Bundesligatreffer.

Nach dem Seitenwechsel war es erneut Christophersen, der im Spiel der Berliner die Akzente setzte. „Smöre“, wie er in der Szene genannt wird, übernahm spürbar Verantwortung auf dem Platz und brachte seine Mannschaft wieder in Führung (16:15, 33.). Zudem drehte jetzt auch Jungspund Sellin richtig auf und erzielte sehenswerte Tore. Endlich konnten sich die Füchse auf 23:19 (41.) absetzen, die Klasse der Berliner setzte sich mehr und mehr durch. Dann parierte Heinevetter binnen einer Minute gleich zwei Siebenmeter, das sorgte noch einmal dafür, die letzten Kräfte zu mobilisieren und zu zeigen, wer Herr im Hause ist. Am Ende wurde es zwar noch einmal eng, der Sieg geriet aber nicht mehr in Gefahr.