Handball

Füchse wollen die Champions League rocken

Schon vor dem ersten Spiel der Saison gegen Hannover sind die Ziele der Füchse klar definiert: Die Berliner Handballer wollen in der Bundesliga unter die besten sechs kommen und als Neuling in der Königsklasse überzeugen.

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Saisonstart in Hannover: Jan-Olav Straakholder glaubt, dass sich das Team die Leichtigkeit der Vorsaison bewahren kann.

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Die Vorbereitung war härter denn je, die Mannschaft ist so gut aufgestellt wie nie zuvor. Und das sportliche Niveau bewegt sich im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls auf einem rekordverdächtigen Plateau. Es ist also angerichtet bei den Füchsen Berlin. Sonnabend hebt sich der Vorhang zur neuen Bundesliga-Saison im deutschen Handball, die Füchse treten am Samstag-Abend beim TSV Hannover-Burgdorf an. Es soll der gelungene Auftakt zu einer rauschenden Spielzeit werden.

Für die Füchse ist es die fünfte Saison in der Beletage des deutschen Handballs, und schon vor dem ersten Wurf ist klar, dass es eine ganz besondere Zeit werden wird. Zum ersten Mal in der noch jungen Vereinsgeschichte treten die Berliner in der Champions League an, werden sich dort mit den Granden ihrer Branche messen. „Das ist schon der Hammer, denn wir haben den Europacup damit einfach mal übersprungen, was eigentlich unmöglich ist“, sagt Geschäftsführer Bob Hanning. In der Tat haben sich die Füchse von Rang neun (Saison 2009/10) nach überragenden Leistungen in der vergangenen Spielzeit auf Platz drei katapultiert und damit die direkte Qualifikation für die renommierte Königsklasse geschafft.

Die Vorfreude auf das Kräftemessen mit den internationalen Topklubs ist groß. „Das ist das Größte, was du als Handballer erleben kannst“, sagt etwa Nationalspieler Sven-Sören Christophersen. Trainer Dagur Sigurdsson sieht seine Mannschaft, deren Qualität mit den drei starken Zugängen Iker Romero, Jonathan Stenbäcken und Evgeni Pevnov gestiegen ist (siehe Text links), zu Recht in der Champions League. „Keine Mannschaft hat es mehr verdient als wir“, sagt der Isländer und glaubt sein Team gut gerüstet für die Premiere im Klub-Wettbewerb. Die Vorbereitung habe gezeigt, dass man mit großen europäischen Teams mithalten könne. „Natürlich haben wir jetzt mehr Spiele gegen gute Mannschaften, und wir werden wohl auch mehr Spiele verlieren als noch in der vergangenen Spielzeit. Aber ich sage auch, ja, die Mannschaft besteht in Europa und der Liga.“

Achtelfinale heißt das Ziel

Erfolg schafft Selbstvertrauen, und so verwundert es kaum, dass sich die Berliner ehrgeizige Ziele gesetzt haben. „In der Champions League wollen wir das Achtelfinale erreichen“, frohlockt Manager Hanning, der auch sagt: „Wir müssen das alles jetzt richtig genießen, denn die Champions League ist im Handball das Nonplusultra. Und so eine Saison wie zuletzt werden wir wohl so schnell nicht wieder erleben, da hat alles perfekt gepasst.“ Die Vorgabe für die Bundesliga übernimmt der Coach: „Unser Ziel ist es, unter die besten sechs Mannschaften zu kommen.“

Von Größenwahn, wie er dem Berliner gern mal zugesprochen wird, sind die Füchse und ihre Verantwortlichen also weit entfernt. Sachlichkeit und seriöses Wirtschaften ist Trumpf, stets den Blick für das Machbare behalten, so lautet das Credo im Fuchsbau. Nach Jahren des Aufstiegs folgt jetzt das Jahr des Etablierens als Topklub – schwer genug in der besten Handball-Liga der Welt, vom Titel ist demnach auch keine Rede. An der Liga-Spitze wird sich nach Ansicht der meisten Experten sowieso ein Zweikampf zwischen dem aktuellen Meister HSV Hamburg und Rekordtitelträger THW Kiel entwickeln. Beide Klubs verfügen über die größten Etats und das beste Personal. In einer Umfrage unter allen Bundesligatrainern tippen denn auch 16 Übungsleiter auf Kiel als Meister, 13 auf Hamburg (Mehrfachnennungen möglich). Dagur Sigurdsson sieht die erste Saison ohne Schale seit 2005 als entscheidende Motivation dafür, dass der THW nach einem Jahr Pause Meister wird: „Ich denke, die Mannschaft ist wieder hungrig.“ Hinter dem starken Nord-Duo werden aber immerhin den Füchsen gemeinsam mit den Rhein-Neckar Löwen und der SG Flensburg-Handewitt die größten Verfolgerchancen eingeräumt. Auch dank des Transfercoups mit Champions-League-Sieger Iker Romero. „Er ist der Mann für die besonderen Momente“, schwärmt Hanning über den charismatischen Champions-League-Sieger. Sigurdsson ergänzt: „Iker ist ein Siegertyp mit einer unglaublichen Präsenz.“

Waren die Füchse im letzten Jahr noch die Jäger, so lautet das selbst ausgegebene Motto jetzt: „Die Schonzeit ist vorbei.“ Das gilt für die Gegner gleichermaßen wie für die eigene Mannschaft. Fürwahr, denn bis zum Jahreswechsel stehen 27 Spiele an. Die physische und auch psychische Belastung steigt, der Druck in der Stadt wächst. Aber Bange machen gilt nicht, die Berliner Handballer geben sich gelassen.

Auch wenn am Freitag das Gerücht die Runde machte, Silvio Heinevetter werde in Kiel Nachfolger von Welttorhüter Thierry Omeyer, der spätestens 2013 zurück in seine Heimat Frankreich wechselt. Gespräche mit Heinevetter gab es aber noch nicht. „Zu diesen Gerüchten sage ich überhaupt nichts“, so Hanning. Dafür blickte Trainer Sigurdsson auf die erhöhte Belastung voraus. „Ich denke, die Routine der vergangenen Saison wird uns helfen. Egal, wie es läuft, wir müssen unsere Köpfe freihalten. Wenn wir ruhig bleiben, überleben wir.“ Manager Hanning denkt eh niemals in Problemen, sondern immer in Lösungen. „Es wäre ja quatsch, jetzt zu lamentieren, dass das unsere schwerste Spielzeit wird“, sagt der 43-Jährige, „wir sollten da vielmehr mit den Gedanken herangehen, dass das unsere schönste und herausforderndste Saison wird.“