Füchse

Trainer Sigurdsson ist mit Verteidigung unzufrieden

Trotz der erfolgreichen Testspiele gebe es für die Mannschaft viel zu tun, meint der Trainer. Ein strammes Programm soll die Handballer unter die Top sechs bringen. Für die Mannschafts-Neuen ist Sigurdsson voll des Lobes.

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Dagur Sigurdsson lehnt sich entspannt zurück. Der Trainer der Füchse Berlin macht einen zufriedenen Eindruck. Knapp vier Wochen sind es noch, bis sein Handballteam mit einem Auswärtsspiel in Hannover-Burgdorf in die neue Bundesligasaison startet. Vor gut drei Wochen hat die Vorbereitung begonnen, die ersten Testspiele und ein kurzes Trainingslager in Naumburg liegen hinter der Mannschaft. „Wir sind im Plan“, sagt der Isländer, um aber gleich die Stirn etwas in Falten zu ziehen: „Mit unserer Abwehr und den Torhüterleistungen bin ich noch nicht zufrieden.“ Da müsse er in der kommenden Zeit ansetzen.

Wäre ja wohl auch ein bisschen viel verlangt, wenn schon alles optimal wäre. Schließlich ist noch einige Zeit, bis es am 3. September wirklich ernst wird. Und wenn ein Coach nichts mehr zu bemängeln hätte, könnten eventuell die Spieler den Eindruck bekommen, sich nicht noch mehr anzustrengen zu müssen. Die Defensive also. „Die Abstimmung muss besser werden“, kritisiert der 38-Jährige. „Gerade in der vergangenen Saison hat man gesehen, dass uns eine starke Defensive sehr viel gebracht hat.“ Die Füchse waren hinten dicht, von einer „Berliner Mauer“ wurde da schon mal gesprochen.

Ziel ist die Top sechs

Einer der Betroffenen sieht das Ganze gelassen: „Das ist normal, dass wir noch nicht so weit sind“, sagt Torhüter Petr Stochl. „Wir machen derzeit viel Krafttraining“, das gehe bei ihm und seinem Kollegen Silvio Heinevetter eben „auf Kosten der Beweglichkeit“. Also keine Panik. Und nun meint auch Sigurdsson lächelnd: „Wir werden jetzt bestimmt keine Krise ausrufen.“

Wieso auch? Bisher hat es keine ernsthaften Verletzungen gegeben, und die Füchse haben in der Vorbereitung dort weitergemacht, wo sie in der vergangenen Saison aufgehört haben: mit Siegen. Ob gegen heillos unterlegene Gegner wie Lübbenau oder Northeim, aber auch gegen starke Bundesliga-Konkurrenz wie Flensburg-Handewitt und Lemgo. Es gab nur Erfolge, die, da hebt der Trainer wieder den Zeigefinger, „niemand überbewerten sollte“. Doch gerade die Siege gegen die Bundesligisten haben gezeigt, dass die Füchse-Mannschaft auch in der kommenden Saison stark sein wird.

Dass es schwer wird, an die vergangene Spielzeit anzuknüpfen, als Sigurdssons Mannschaft – von Euphorie getragen – als Dritter ins Ziel kam und sich für die Champions League qualifizierte, ist klar. Das neue Ziel benennt der Trainer: „Wir wollen unter die Top sechs.“

Strammes Programm im September

Dies, oder gerne noch mehr, soll auch durch die drei Neuen Evgeni Pevnov, Iker Romero und Jonathan Stenbäcken geschafft werden. Über alle drei ist Sigurdsson voll des Lobes. Beim 32:31 gegen Lemgo war der Spanier Romero beispielsweise der Mann für die wichtigen Tore in der Endphase. „Im Moment stürzt sehr viel auf mich ein, alles ist neu“, sagt der Schwede Stenbäcken. Für den 23-Jährigen ist die Umstellung vom Heimatklub IK Sävehof, wo er Kapitän war, zu den Füchsen am größten. Sigurdsson umreißt es blumig: „Alles, was er bisher kannte, ist jetzt mal zehn.“

Bundesliga, Pokal, Champions League – das Programm für die Füchse wird von September an stramm. Der Isländer sieht dem aber gelassen entgegen: „Darauf ist die Mannschaft eingestellt.“ Und für ihn bedeute es sogar, dass er nicht mehr so sehr die Qual der Wahl habe wie vorher. „In der Vergangenheit waren einige unzufrieden, weil sie nicht so lange spielen durften, das Problem dürfte jetzt gelöst sein, weil wir eben viel mehr Spiele haben.“ Da wird alles automatisch auf mehr Schultern verteilt.

Am Freitag plant der Trainer, „einigen Jungen eine Chance zu geben“. Denn dann heißt der Gegner VfL Potsdam, ein Zweitligist. Die Partie, die um 19 Uhr beginnt, ist der krönende Abschluss vom „Tag der Füchse“ im Horst-Korber-Sportzentrum, der mit Jugendspielen um 13.30 Uhr eröffnet wird. Für die Füchse ist es ein weiterer Test, um zu sehen, ob ihre Mauer schon wieder ein Stück unüberwindlicher geworden ist.