Schwedischer Neuzugang

Bei den Füchsen kann Stenbäcken nicht chillen

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Sebastian Arlt

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Für Füchse-Zugang Jonathan Stenbäcken wird die Handball-Bundesliga eine echte Herausforderung. Und so gibt der schwedische Nationalspieler sich erstmal bescheiden: "Ich weiß, dass es viele in der Mannschaft gibt, die besser sind als ich."

Das deutsche Wort hat Jonathan Stenbäcken gleich parat. „Müde“ fühle er sich nach der Trainingseinheit im Kraftraum. Der Schwede, einer von drei Neuen beim Handball-Bundesligisten Füchse Berlin, grinst. Ein wenig Deutsch hat er in der Schule gelernt, an seinem neuen Arbeitsplatz will er die rudimentären Kenntnisse bald in einem Sprachkurs verbessern. „Doch momentan ist dazu keine Zeit.“ Und überhaupt: Mit Englisch kommt er doch auch ganz gut durch.

Es ist gerade viel, was auf den 23-Jährigen einstürmt. Der junge Mann bläst die Backen auf: „Eine neue Sprache, ein neues Land, eine neue Stadt, eine neue Mannschaft… Schon ganz schön hart.“ Doch er sei happy, wie er aufgenommen wurde. „Das sind alles gute Jungs hier.“ Sein Trainer Dagur Sigurdsson sagt mit Blick auf die Umstellungen, die der Neue gerade durchlebt: „Alles, was er bisher gemacht hat, muss er jetzt mal zehn nehmen.“ Nach gut einer Woche gemeinsamer Arbeit hat der Coach festgestellt: „Er wirkt sehr stabil. Und er hat den richtigen Kopf, um in das Ganze reinzuwachsen.“

Es ist das erste Mal, dass er außerhalb seines Heimatlandes spielt. Stenbäcken, bei den Füchsen mit einem Zweijahresvertrag ausgestattet, stand vorher beim schwedischen Meister IK Sävehof unter Vertrag, einem Klub aus Göteborg. Der 1,95 Meter große und 103 Kilogramm schwere Rückraumspieler war sogar Kapitän des Teams, das auch in der Champions League spielte. Insofern betritt er bei den Füchsen, die ja in der kommenden Saison in der Eliteklasse dabei sind, kein Neuland. Auch wenn er sagt: „Das kann man gar nicht vergleichen: Wir haben da keine Chance gehabt und jedes Spiel verloren.“ Das allerdings soll ihm mit den Füchsen nicht passieren.

Ein Kriterium für die Verpflichtung des Nationalspielers Stenbäcken sei auch dessen Persönlichkeit gewesen, sagt Sigurdsson: „Er passt charakterlich sehr gut zur Mannschaft.“ Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning verweist auf die Führungs-Erfahrungen des jungen Mannes: „Er hat bereits in der Jugend- und Junioren-Nationalmannschaft als Kapitän Verantwortung übernommen, ebenso in Sävehof. Das ist für ihn, aber auch für uns sehr wichtig.“

Aber erst einmal heißt es für den Schweden, sich anzustellen. „Ich weiß, dass es viele in der Mannschaft gibt, die besser sind als ich.“ Also gelte es, sich zu verbessern. „Meine Zeit wird kommen“, sagt er selbstbewusst. „Ich will ein guter Bundesligaspieler werden.“ In seinem Heimatklub war er im linken Rückraum natürlich gesetzt. Kurz vor Weihnachten 2010 gelangen ihm im Ligaspiel gegen Lindesberg 20 Tore. Damit stellte er in der schwedischen Eliteliga sogar einen Rekord aus. Bei IK Sävehof spielte er übrigens an der Seite seines zwei Jahre älteren Bruders Alexander. Jetzt ist Jonathan auf sich allein gestellt.

Wenn Stenbäcken die 14 Klubs umfassende Liga in Schweden mit der Bundesliga vergleicht, hat man den Eindruck, dies seien zwei Welten. „Gegen die schwachen Mannschaften hast du fast schon chillen können und hast trotzdem problemlos gewonnen.“ Kein Vergleich zur Bundesliga, die als beste Liga der Welt gilt. „Da muss man immer voll konzentriert sein. Jeder kann jeden schlagen.“ Er verweist da gleich auf den Sieg der Füchse gegen den großen THW Kiel.

In der vergangenen Spielzeit war Stenbäcken bereits zweimal Zeuge von Füchse-Heimspielen, gegen Göppingen und Dormagen. „Eine tolle Atmosphäre“, schwärmt er von der Max-Schmeling-Halle. Das ist er von daheim auch etwas anders gewohnt: In der Liga, aber auch in der Champions League war die 2000 Zuschauer fassende „Partillebohallen“ nur selten ausverkauft.

Dass er an seinem neuen Arbeitsplatz ganz anders unter Druck stehen wird, als das beim eher beschaulichen IK Sävehof der Fall war, ist ihm selbstverständlich klar: „Diese Situation habe ich doch gerade gesucht.“ Und da gehört es eben auch dazu, dass man sich manchmal verdammt müde fühlt.