Sieg beim Saisonfinale

Füchse schaffen Sprung in die Champions League

Mit 30:24 siegten die Füchse Berlin beim SC Magdeburg in der Bördelandhalle. Damit zieht der Klub von der Spree in die Champions League ein. Es ist der größte Erfolg der Vereinsgeschichte.

Schon drei Minuten vor Schluss riss Sven-Sören Christophersen auf dem Parkett beide Arme hoch und ruderte sie mit einem Lachen Richtung Spieler-Bank wild umher. Da hüpften schon die Kollegen auf und ab, als hätten sie Sprungfedern unter ihren Füßen. Arm in Arm warteten sie darauf, dass die Sekunden herunter liefen. Und im Gäste-Block der Bördelandhalle in Magdeburg trommelten die vielen mitgereisten Fans der Füchse Berlin, was ihre Hände und Füße hergaben. Als vor 7100 Zuschauern die Schlusssirene ertönte und der 30:24 (11:12)-Sieg der Füchse am letzten Bundesliga-Spieltag beim SC Magdeburg feststand, brachen am Sonnabend schließlich alle Dämme. „Ich bin völlig überwältig, das ist einfach unglaublich, wir wollten diesen Sieg unbedingt und haben ihn bravourös erkämpft“, freute sich Trainer Dagur Sigurdsson, nachdem er von der gesamten Mannschaft immer wieder schwungvoll in die Luft geworfen wurde. „Eigentlich sollte er ja bis zur Hallendecke fliegen“, ulkte Torhüter Silvio Heinevetter. Und Christophersen wagte schon eine Blick nach vorn: „Ich freue mich riesig auf Klubs wie den FC Barcelona oder Ciudad Real.“

Durch den Erfolg im letzten Saisonspiel haben die Füchse eine überragende Saison gekrönt und sich als Dritter hinter Meister HSV Hamburg und Rekordtitelträger THW Kiel direkt für die Champions League qualifiziert. Damit dürfen sie sich in der kommenden Spielzeit mit den internationalen Größen ihrer Branche messen. „Ich bin sehr stolz auf die Mannschaft“, jubilierte Geschäftsführer Bob Hanning und herzte jeden Spieler einzeln. „Es ist großartig, was wir in dieser Saison geleistet haben.“ Ein besonderer Dank galt vor allem der medizinischen Abteilung der Füchse. Ärzte und Physiotherapeuten hatten es geschafft, Rückraumspieler Christophersen pünktlich für die finale Partie wieder fit zu bekommen. Ein Muskelfaserriss in der linken Wade plagt den Auswahlakteur, fast zwei Wochen war er jeden Tag zwei Mal im Strömungsbecken am Olympiastützpunkt unterwegs. „Ich war sehr fleißig, das hat sich gelohnt.“ Erst beim Warmmachen entschied „Smöre“, dass er spielen kann. Und selten war der Rechtshänder wohl so wertvoll wie dieses Mal. Nach 7:36 Minuten kam Christophersen aufs Feld und warf sogleich das 4:3 (9.). Sein Vertreter Michal Kubisztal hatte zuvor etwas glücklos agiert.

Aber so läuft es eben bei den Füchsen Berlin. Wenn der eine mal nicht so gut drauf ist, springt der andere ein. „Wir haben einem tollen Mannschaftsgeist“, sagt denn auch Silvio Heinevetter. Christophersens Einwechslung war in der Tat spielentscheidend. Trotz leichter Schmerzen übernahm der Blondschopf auf dem Platz Verantwortung und riss seine Mannschaftskameraden mit. „Das war ein schweres Spiel, der Druck war groß, aber wir haben das gut gelöst und haben dann in der zweiten Halbzeit sehr, sehr gut gespielt“, sagte Christophersen. Er erzielte wie Kapitän Torsten Laen fünf Tore und war damit hinter Nincevic (sieben Treffer) zweitbester Berliner Werfer.

Schon bei der Vorstellung der Spieler wurde das Verhältnis beider Mannschaften rasch klar. Als Silvio Heinevetter in die Arena einlief, schallte ihm ein gellendes Pfeifkonzert entgegen. Vier Jahre hatte der deutsche Nationaltorhüter in Magdeburg gespielt, ehe er 2009 an die Spree wechselte. Das haben die SCM-Fans ihm offenbar nicht verziehen. Für „Heine“ war der feindselige Empfang aber genau die richtige Motivation für akrobatische Paraden. Gleich bei der ersten Aktion des Spiels knallte der Ball an den Pfosten der Berliner, Heinevetter ballte die rechte Hand zur Faust und schrie seine Mannschaft nach vorn. Und tatsächlich zeigte sich die Abwehr der Füchse von Beginn an hellwach und mit der nötigen Portion an Aggressivität. Sie ist in dieser Saison das Prunkstück der Füchse, an Abwehrchef Denis Spoljaric ist kaum ein Durchkommen. Was an diesem Sonnabend hinten gut klappte, ging vorne zunächst nur schleppend.

Im Abschluss fehlte den Angreifern die Treffsicherheit und auch das Quäntchen Glück. Bei den Strafwürfen lief es gar nicht. Drei Siebenmeter, drei Fehlversuche. Erst Kubisztal, dann Nincevic und schließlich auch Mark Bult versagten die Nerven vom Punkt. Den ersten Strafwurf verwandelte in der 43. Minute Konrad Wilczynski, der kalt von der Bank kam. In seinem letzten Spiel für die Füchse – der Österreicher wechselt nach fünf Jahren im Sommer nach Wien – zeigte er somit noch einmal seine Klasse. Nach einer ausgeglichenen ersten Hälfte übernahmen die Füchse nach dem Seitenwechsel immer mehr das Kommando. Ein sehenswerter Heber von Linksaußen Nincevic brachten den Berlinern die erste Zwei-Tore-Führung des Spiels (19:17, 46.). Jetzt lief es auf einmal rund, die Füchse zauberten nun gar und zeigten große Handball-Kunst. Der Sieg war längt gebongt. „Wir waren in der Saison niemals schlechter als auf Platz vier, von daher haben wir es jetzt auch verdient, in der Champions League zu spielen“, sagte Heinevetter und gab sich ganz cool: „wir hatten ja lange Zeit, um uns auf dieses Ergebnis vorzubereiten.“ Als einen Vater des Erfolges machte der Torhüter natürlich Trainer Sigurdsson aus. „Dagur ist ganz wichtig für uns, er hat sich bei uns so richtig eingefuchst“, sagte der Keeper und musste bei dem Wortspiel dann doch lachen.