Handball-Bundesliga

Füchse siegen souverän gegen Wetzlar

Durch den 26:17-Heimsieg gegen die HSG Wetzlar fällt die Entscheidung um die Qualifikation zur Champions League für die Füchse im letzten Saisonspiel. Linksaußen Konrad Wilczynski wurde mit Ovationen verabschiedet.

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Immer wieder musste der Hallensprecher auf die Taste mit der Nummer 17 drücken. Das ist seit fünf Jahren die Rückennummer von Konrad Wilczynski. Und da der Österreicher gestern in Torlaune war, ertönte in der Max-Schmeling-Halle der Hütten-Schlager „Anton aus Tirol“ von DJ Ötzi gleich sieben Mal. Die 9000 Zuschauer in der Arena klatschten und trampelten – mit Hingabe feierten die Anhänger der Hauptstadt-Handballer ihren „Conny“. Nach dem souveränen 26:17 (11:9)-Erfolg gegen die HSG Wetzlar im letzten Heimspiel der Saison gab es dann die ganz großen Gefühle: Gemeinsam mit Stian Vatne, Michal Kubisztal und Martin Murawski wurde Wilczynski mit Geschenken und Blumen verabschiedet. Und so mancher Fan und Spieler wischte sich eine Träne aus dem Auge. „Das war ein sehr emotionaler Moment“, sagt Wilczynski und war gerührt, „die Füchse werden immer in meinem Herzen bleiben.“ Und Geschäftsführer Bob Hanning sagte: „'Conny ist ein Stück Füchse-Geschichte.“

Die Teilnahme am Europacup haben die Berliner bereits sicher, die Frage ist jetzt nur noch, ob sie es schaffen, sich in ihrer vierten Bundesligaspielzeit direkt für die Champions League zu qualifizieren. Dafür muss Platz drei gehalten werden. Die Entscheidung fällt im letzten Spiel am kommenden Sonnabend beim SC Magdeburg. „Aber wir haben schon jetzt Großes geleistet und eine wahnsinnige Saison erlebt“, freute sich Hanning, „ich glaube, uns ist noch gar nicht richtig bewusst, was wir in den letzten zwei Jahren hier alles geleistet haben.“

Rasch übernahmen die Berliner die Führung, lagen nach zehn Minuten bereits 6:3 vorn. Als sich Markus Richwien in der 24. Minute nach einem Sturz den Unterarm verletzte, erhielt Konrad Wilczynski seine große Chance. Nach fünf Jahren im Füchse-Trikot sagt er im Sommer tschüs. Der Vertrag des 29-Jährigen wurde nicht mehr verlängert. In seiner Heimatstadt Wien unterschrieb der 109-fache Nationalspieler einen Fünfjahresvertrag bei der SG Westwien, wo er einst auch seine Karriere begann. Dort wird „Conny“ nicht nur als Spieler auflaufen, sondern zusätzlich als Manager fungieren. „Ich will dabei helfen, Westwien wieder an die Spitze zu führen. Es geht darum, etwas Neues aufzubauen und diesen Weg mitzugestalten.“ Letzteres tat er fünf Jahre lang auch in Berlin. Wilczynski stieg mit den Füchsen in die Bundesliga auf und wurde dort gleich im ersten Jahr Torschützenkönig. Der flinke Linkaußen war der große Publikumsliebling.

Und so brandete auch gestern wieder lautstarker Applaus auf, als Wilczynski das Parkett betrat. Er fügte sich sogleich bestens ein, erzielte binnen drei Minuten zwei Tore. „Conny ist ein Großer des Sports, der seine Loyalität zum Verein immer gelebt hat“, sagte Manager Hanning. Auch und vor allem in schweren Zeiten verhielt sich der Österreicher wie ein Profi. So war er nach der Verletzung im Januar 2010 für längere Zeit ausgefallen und hatte seinen Stammplatz an Ivan Nincevic verloren. Dennoch stellte er sich immer in den Dienst der Mannschaft, wenngleich er monierte, dass ihm Trainer Sigurdsson „nach der Verletzung keine richtige Chance mehr gegeben hat“. Gestern aber war der Frust wie weggeblasen.

Auch in der zweiten Halbzeit durfte Wilczynski weiter auf der linken Außenbahn wirbeln. Nun endlich gelang es den Platzherren auch, sich ein wenig abzusetzen. Nach 40 Minuten waren die Füchse auf 15:10 davon geeilt, auch dank Wilczynski, der bester Füchse-Werfer war. Insgesamt erzielte er für die Berliner bislang 847 Tore. Einen starken Tag erwischte auch Torhüter Silvio Heinevetter, der den Berlinern dank seiner Paraden immer wieder zu Tempogegenstößen verhalf. Insgesamt wehrte er 18 schwere Würfe ab.