Handball

Füchse stehen kurz vor der Königsklasse

Nach einer überragenden Saison können sich die Füchse nun direkt für die Champions League und den Europapokal qualifizieren. Im Spiel gegen Wetzlar fällt Torjäger Christophersen aber aus.

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Das Saisonfinale hat für jeden Sportler einen besonderen Reiz, geht es doch am Ende einer jeden Spielzeit darum, wer in seiner Branche die Nummer eins ist. Zudem werden auch die Plätze für die Teilnahme am Europapokal und der Champions League verteilt. Da ergeht es den Füchsen Berlin nicht anders. Ausgerechnet jetzt aber müssen die Hauptstadt-Handballer auf einen ihrer Besten verzichten. In den letzten beiden Punktspielen fällt Sven-Sören Christophersen nach einem Muskelfaserriss aus. Damit muss der Nationalspieler notgedrungen von der Tribüne aus verfolgen, ob seine Mannschaft tatsächlich noch die direkte Qualifikation für die renommierte Königsklasse schafft. „Der Zeitpunkt der Verletzung ist natürlich sehr ärgerlich. Ich bin fast die gesamte Saison von Verletzungen verschont geblieben und muss nun in den letzten beiden Spielen passen“, klagte Christophersen.

Ärger bei den Rhein-Neckar Löwen

Die Füchse haben eine überragende Saison gespielt, sie rocken seit Monaten die Liga und gelten als Mannschaft der Stunde. Hinter dem bereits als Meister feststehenden HSV Hamburg und dem Rekordtitelträger THW Kiel liegen die Berliner derzeit auf Rang drei, der zur direkten Teilnahme an der Champions League berechtigt. Zu den eigenen Spitzen-Leistungen gesellt sich die angenehme Tatsache, dass unmittelbare Konkurrenten immer mal patzten. So geschehen auch wieder am Dienstagabend, als die millionenschweren Rhein-Neckar Löwen beim frisch gekürten Europapokalsieger VfL Gummersbach 28:36 (14:18) verloren und somit die Rückkehr auf den begehrten dritten Rang verpassten. Eine Niederlage, die überraschte und nach der sich die Mannheimer den Zorn ihres Managers zuzogen. „Das war unter aller Sau und wirklich peinlich“, schimpfte Thorsten Storm und musste feststellen, dass die Pleite die Badener viel Selbstvertrauen für das Final Four in der Champions League am Wochenende in Köln gekostet hat.

Die Füchse haben hingegen nun die große Chance, aus eigener Kraft den Sprung in die Königsklasse zu schaffen. Trotz dieser komfortablen Ausgangslage halten die Verantwortlichen im Fuchsbau den Ball flach. Euphorie? Fehlanzeige. „Ich kann ja verstehen, dass alle um mich herum in Ekstase verfallen“, sagt Geschäftsführer Bob Hanning, „für uns hat sich durch den Sieg des VfL Gummersbach aber gar nichts geändert. Wir haben noch zwei schwere Spiele vor der Brust. Unsere Chancen für die direkte Qualifikation sind jetzt vielleicht von zehn auf vierzig Prozent gestiegen.“ Der Manager gibt sich völlig entspannt, er glaubt nicht daran, dass seine Mannschaft Rang drei halten kann. „Aber mit Platz vier kann ich supergut leben.“ Dann würden die Füchse bei einem Extra-Turnier mit drei anderen Teams um einen Platz in der Königsklasse streiten.

Gerade das Spiel am 4. Juni in Magdeburg bereitet dem 43-Jährigen Sorgen. „Da treffen Magdeburger Tradition und Berliner Moderne aufeinander, die Bördelandhalle wird ausverkauft sein, und die Magdeburger wollen mit einem Erfolg gegen uns ihre Saison krönen“, sagt Hanning, der natürlich auch weiß, dass der SCM das Hinspiel nicht vergessen hat. Das hatten die Füchse in der letzen Sekunde für sich entscheiden können (27:26).

Sonntag gegen Wetzlar

Vor allem der Ausfall von Christophersen, mit 148 Toren erfolgreichster Schütze der Berliner, schmerzt die Füchse sehr. „Er ist für uns nicht zu ersetzen, damit wird die Aufgabe in Magdeburg fast nicht lösbar.“ Auch die Partie am Sonntag gegen Wetzlar (16.15 Uhr, Max-Schmeling-Halle) werde kein leichter Gang. Trainer Dagur Sigurdsson richtet eh den Blick von Spiel zu Spiel. „Wir konzentrieren uns jetzt ganz auf die Partie gegen Wetzlar“, sagte der Coach, der als heißer Kandidat für die Nachfolge von Bundestrainer Heiner Brand gilt. Sigurdsson hat sein Konzept vorgestellt, die Entscheidung soll in den nächsten Tagen fallen, spätestens bis zum letzten Bundesligaspieltag. Sigurdsson, der sich zu dem Thema nicht äußern will, steht bei den Füchsen noch bis zum Sommer 2013 unter Vertrag.

Derweil arbeitet Sven-Sören Christophersen intensiv an seiner Rückkehr aufs Handball-Parkett. Zweimal täglich führt er Rehabilitationsmaßnahmen durch, um den Heilungsprozess zu beschleunigen. „Zum Glück ist es nichts Schlimmeres“, sagte Christophersen. Der 26-Jährige hofft, zu den Länderspielen um die EM-Qualifikation wieder fit zu sein. Diese finden im Anschluss an die Bundesligasaison statt. Am 8. Juni in Innsbruck und am 12. Juni in Trier gegen Lettland entscheidet sich, ob die deutsche Auswahl an der Europameisterschaft 2012 in Serbien teilnehmen kann. „Natürlich will ich bis dahin wieder fit sein und an diesen wichtigen Spielen teilnehmen. Wir müssen aber den Heilungsverlauf und den Rat der Ärzte abwarten“, sagte Christophersen. Trainer Sigurdsson sieht den Ausfall seines Torjägers ähnlich dramatisch wie Manager Hanning: „Es schmerzt uns sehr, dass Smöre jetzt ausfällt, da wir ja auch Fabian Böhm ausgeliehen haben und nicht so viele Alternativen haben.“