Handball

Die Füchse sind bereit für die Champions League

Der vierte Platz ist gesichert: Jetzt ist das neue Ziel der Berliner Handballer die direkte Qualifikation für die Champions League. Der Klub ist bereit - drei Verstärkungen sind schon verpflichtet.

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In der Stunde des großen Jubels wirkte Bob Hanning eher nachdenklich. Der Geschäftsführer der Berliner Handball-Füchse dachte zurück an ganz andere Zeiten: „Ich erinnere mich noch, als wir vor 500 Zuchauern gespielt haben und mit dem Bus nach Usedom gefahren sind.“ Damals, in der Saison 2005/2006, ging es für die Berliner darum, den Klassenverbleib in der Zweiten Liga zu schaffen. Wie eine Geschichte aus ewig vergangenen Zeiten wirkt das heute. Bei Hannings Erinnerung schwang auch ein Stück Demut mit zu einer Zeit, in der die Füchse den wohl größten Aufschwung eines Handballklubs in Deutschland seit Jahren genommen haben.

Entsprechend überschwänglich wurde am Dienstagabend in der Schmeling-Halle das 28:24 gegen Frisch Auf Göppingen von den 8128 Zuschauern gefeiert. Den vierten Platz haben die Füchse sicher, der ihnen nun die Möglichkeit eröffnet, sich über ein Qualifikationsturnier im August für die Champions League zu qualifizieren. Dann könnte die Creme de la creme des Handballs nach Berlin kommen. Ein Gegner könnte FC Barcelona heißen, sechs Spielzeiten nach der Busfahrt zum Aufeinandertreffen mit einem Verein, der sich offiziell HSV Insel Usedom nennt.

Markus Richwien ist von allen Spielern am längsten dabei. Er trug bereits das Füchse-Trikot, als die Berliner im Frühjahr 2007 in die Bundesliga aufstiegen. „Es ist ein Wahnsinn, was wir in der Zeit alles erreicht haben“, sagte der 25-Jährige, der gegen Göppingen drei Tore beisteuerte. Im ersten Jahr im Oberhaus landeten die Berliner auf Platz zwölf, danach schlossen sie die Saison als Zehnter ab – und in der vergangenen Spielzeit wurde mit Platz neun die Teilnahme am europäischen EHF-Pokal nur ganz knapp verpasst. Und nun das, was Hanning als „Meilenstein für den Berliner Handball“ bezeichnete.

„Hut ab vor dem, was ihr hier geschafft habt“, sagte auch Göppingens Trainer Velimir Petkovic, der ansonsten sauer war, weil er sich sowohl über die Niederlage als auch über die seiner Meinung nach schlechte Schiedsrichterleistung ärgerte. Das Lob für den Berliner Klub verband er gleich mit einem frommen Wunsch: „Ich hoffe, dass wir im Europapokal nicht gegen euch spielen müssen.“ Die Göppinger sind jedenfalls im EHF-Pokal, angesiedelt unter der Champions League, dabei. Wo die Füchse spielen werden, liegt ganz in ihrer Hand. Einen Platz im EHF-Pokal haben sie sicher. Sollten sie über besagtes Qualifikationsturnier – das Hanning übrigens gern nach Berlin holen möchte – den Sprung in die europäische Eliteklasse schaffen, würde sich Petkovics Wunsch erfüllen.

Ein Trio kämpft um zwei Plätze

Doch neben dem Qualifikationsturnier gibt es noch eine weitere Option: Der HSV Hamburg ist als Erster zwar enteilt, aber die Plätze zwei und drei, die ebenfalls zur direkten Qualifikation berechtigen, sind bei drei ausstehenden Spielen noch im Bereich des Möglichen. Zwei aus Drei. Die Berliner, der THW Kiel und die Rhein-Neckar Löwen kämpfen um die beiden vakanten Plätze. „Wir werden alles probieren, um das zu schaffen“, versprach Nationalspieler Sven-Sören Christophersen. „Wir würden uns furchtbar ärgern, wenn die Konkurrenten patzen – und wir selbst könnten das nicht nutzen.“ Drei Siege in den noch ausstehenden drei Partien würden die Füchse sicherlich in eine gute Ausgangslage bringen.

Sind die Berliner denn überhaupt schon bereit für Europa? „Na klar“, sagte Mark Bult, gegen Göppingen mit neun Toren bester Werfer. Für Trainer Dagur Sigurdsson stellt sich diese Frage nicht: „Wir sind mehr als reif dafür“, meinte er. Auch wenn er gleich anfügte: „Sicher werden wir im ersten Jahr noch viel lernen müssen.“ Was sich vor allem auf die Champions League beziehen dürfte, in der eben Klubs spielen, die, vom Etat her sowieso, aber auch von der spielerischen Klasse her den Berlinern viel voraushaben. „Mitnehmen, auch wenn die Champions League ein Jahr zu früh kommt“, riet Handball-Ikone Stefan Kretzschmar den Füchsen kürzlich im „Kurier“. Im EHF-Pokal könnten die Berliner „sogar den Cup holen“.

Den Etat von momentan etwa vier Millionen Euro werden die Füchse nicht unwesentlich erhöhen müssen. „Doch wir werden finanziell kein Risiko eingehen“, hat Hanning immer gesagt, das steht auch jetzt. Um der europäischen Herausforderung gewachsen zu sein, „haben wir bereits reagiert“, wie es Hanning ausdrückte. Aus Friesenheim wechselt Evgeni Pevnov (22) nach Berlin, Weltmeister Iker Romero (30) kommt vom FC Barcelona, zudem haben die Füchse den schwedischen Nationalspieler Jonathan Stenbäcken (23) verpflichtet.

Aufgrund der Spiele in Europa wird auch die Belastung für die Mannschaft größer werden. „Das wird so sein“, sagte Hanning. „Bisher konnten wir uns immer in aller Ruhe auf das nächste Bundesligaspiel vorbereiten.“ Alles hat seinen Preis, auch der Erfolg. Aber mit dem Bus nach Usedom will niemand mehr fahren.