Handball

Berliner Füchse holen Schweden-Talent Stenbäcken

Die Reinickendorfer haben noch einmal auf dem Transfermarkt zuschlagen und den 23-jährigen Schweden Jonathan Stenbäcken für den linken Rückraum verpflichtet. Der Nationalspieler erhält einen Zweijahresvertrag.

Im Handball geht es nicht immer nur um Tore oder Abwehrstärke, gehaltene Bälle oder reine Muskelkraft. Das haben die Verantwortlichen bei den Füchsen Berlin längst erkannt. Und so hat sich der Hauptstadtklub bei der Sichtung und Verpflichtung neuer Spieler zur Aufgabe gemacht, neben dem Leistungsvermögen vor allem auch den Charakter des begehrten Mannes unter die Lupe zu nehmen. Denn Trainer Dagur Sigurdsson will nur Athleten anleiten, die sich durch ein hohes Maß an Leidenschaft und Kampfeswillen, Verantwortungsbewusstsein, Ehrlichkeit und auch ein gewisses Maß an Bescheidenheit auszeichnen. Zwei Spieler haben diesen Ansprüchen für die kommende Saison bereits genügt, jetzt haben die Füchse noch einmal auf dem Transfermarkt zuschlagen und den 23-jährigen Schweden Jonathan Stenbäcken für den linken Rückraum verpflichtet. Der Nationalspieler erhält einen Zweijahresvertrag und ersetzt den Polen Michal Kubisztal, dessen Vertrag zum Saisonende nicht verlängert wird.

Damit sind die Personalplanungen der Berliner für die kommende Saison, in der sie erstmals im Europapokal und womöglich sogar in der Champions League spielen werden, abgeschlossen. Zuvor hatten die Füchse den spanischen Starspieler Iker Romero (30/FC Barcelona) und den Russen Evgeni Pevnov (22) von Liga-Konkurrent Ludwigshafen-Friesenheim ab Sommer unter Vertrag genommen. „Jonathan Stenbäcken passt charakterlich sehr gut zu unserer Mannschaft, das war sehr wichtig“, sagt Trainer Sigurdsson über den Rechtshänder, der vom schwedischen Erstligisten IK Sävehof kommt und bei den Füchsen den nächsten Entwicklungsschritt machen soll. „Bereits mit 23 Jahren ist Jonathan körperlich sehr weit ausgebildet, er kann in Angriff und Abwehr spielen“, so der Coach.

Profi übernimmt Verantwortung

Stenbäcken hat bereits früh in seinem Sportlerleben Verantwortung übernommen, das beeindruckte auch Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning. „Er war schon in der Jugendnationalmannschaft Kapitän, ebenso wie jetzt zwei Jahre lang in Sävehof. Das ist immerhin ein gestandener Erstligist und ist für ihn und seine Entwicklung, aber natürlich auch für uns sehr wichtig“, sagt der Manager und hofft, „dass Stenbäcken in Berlin zu einem Führungsspieler heranreifen wird. Aber das dauert natürlich.“ Und birgt auch Gefahren, immerhin tritt der jungen Schwede im Sommer erstmals ein Engagement im Ausland an, er muss eine andere Sprache lernen und dem Druck standhalten. Hanning räumt auch ein: „So ein Vorhaben kann auch mal scheitern, aber ich habe keine Angst vor Veränderungen.“

Mit der schwedischen Nationalmannschaft belegte Stenbäcken im Januar bei der WM im eigenen Land Rang vier, der 23-Jährige gehört im Drei-Kronen-Team zur Generation der jungen Wilden. Für IK Sävehof warf der ausgebildete Sportlehrer in rund 100 Spielen knapp 400 Tore. Aufsehen erregte Stenbäcken in Schweden kurz vor Weihnachten vergangenen Jahres, als er im Ligaspiel gegen Lindesberg 20 Tore warf. Damit stellte er in der schwedischen Elitserie einen Rekord auf. „Stenbäcken wird sich bei uns weiter entwickeln, und wir werden noch viel Spaß mit ihm haben“, frohlockt Manager Hanning, „er passt genau hinein in unsere Verjüngung.“ Dass es womöglich auf der halblinken Königsposition einen besseren Spieler auf dem Markt geben könnte, kratzt die Berliner nicht. Hanning: „Manchmal muss man nicht den besseren Spieler verpflichten, sondern denjenigen, der charakterlich besser zu einem passt. Werte stehen bei uns über allem, diese versuchen wir auch schon dem Nachwuchs zu implementieren. Aber das dauert viele Jahre, und deshalb müssen wir jetzt noch fremdkaufen.“

Da Stenbäcken im halblinken Rückraum agiert, wird Sven-Sören Christophersen künftig mehr auf der Mittelposition agieren, gemeinsam mit Spielmacher Bartlomiej Jaszka. Insgesamt haben die Füchse für die neue Saison nun sechs gute Rückraumspieler. Hanning: „Diese Anzahl ist für Europa absolut ausreichend.“