Handball

Pevnov spielt gegen seinen künftigen Arbeitgeber

Es ist sein letztes Spiel gegen die Füchse Berlin. Ab Sommer kämpft der wurfgewaltige Stürmer Evgeni Pevnov dann für den Hauptstadtklub. Jetzt muss er noch für Friesenheim punkten.

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Den Reiz der Hauptstadt hat er längst erkannt, und Evgeni Pevnov ist ihm auch rasch erlegen. „Berlin ist spannend und interessant“, sagt der Handball-Profi, „ich werde mich hier sehr wohl fühlen.“ Immer wenn der 22-Jährige ein bisschen Zeit übrig Zeit hat, reist er vom fernen Weinheim an die Spree. Am liebsten mit Freundin Sarah. Erst vergangene Woche war der Russe wieder in Berlin, er verfolgte den souveränen Sieg der Füchse über den TBV Lemgo und bejubelte in der Max-Schmeling-Halle jedes Tor seines künftigen Arbeitgebers. Das wird heute freilich nicht der Fall sein, denn Pevnov steht noch bei der TSG Ludwigshafen-Fiesenheim unter Vertrag. Mit ebendieser Mannschaft empfängt er am Abend (20.15 Uhr) die Füchse Berlin.

Natürlich will Pevnov für seinen Klub alles geben. Der junge Russe, der seit 20 Jahren in Deutschland lebt, ist Profi durch und durch. So gab es aus Respekt vor dem Gegner in den vergangenen Tagen auch keinen Kontakt zwischen ihm und den Füchsen. „Er wird sich voll und ganz auf seine Aufgabe mit Friesenheim konzentrieren, da sind wir uns ganz sicher, und es passt zu seinem Charakter“, sagt Berlins Geschäftsführer Bob Hanning. Im Hinspiel, das die Füchse 36:32 gewannen, erzielte Pevnov für die TSG neun Tore und war damit der überragende Spieler auf dem Feld. „Ich denke, dass er wieder stark aufspielen wird“, sagt Hanning.

Auf dem Weg in die Königsklasse

Die Füchse sind gegen den Tabellen-Vorletzten haushoher Favorit, die zwei Punkte müssen aber auch erst einmal erkämpft werden. „Von der individuellen Klasse her sind wir besser“, sagt Hanning und fordert Einsatz und Leidenschaft von seinen Spielern, auch weil Friesenheim mit dem Rücken zur Wand steht. „Wir müssen mit viel Herz spielen.“ Dann klappt es auch mit der Champions League, für die sich die Füchse erstmalig qualifizieren wollen. Die ersten drei Mannschaften sind direkt für die lukrative Königsklasse spielberechtigt, der Vierte kann sich über ein gesondertes Qualifikationsturnier die Teilnahme am renommierten Klub-Wettbewerb sichern.

Das Aufeinandertreffen mit Evgeni Pevnov ist für die Füchse auch eine Begegnung mit der Zukunft. Der 22-Jährige gilt als eines der größten Talente in der Bundesliga. „Und er ist noch lange nicht am Ende seiner Entwicklung angekommen“, sagt Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson über den Kreisläufer, der in Friesenheim auch als Abwehrchef fungiert. Sowieso setzen die Verantwortlichen im Fuchsbau neben erfahrenen Kräften wie dem Spanier Iker Romero (30, FC Barcelona), der wie Pevnov im Sommer an die Spree wechselt, immer wieder gern auf starken Nachwuchs. Sigurdsson liebt es auch, mit jungen Leuten zu arbeiten. „Es ist eine Kunst, bestehende Kräfte zu halten und trotzdem das Gesicht der Mannschaft zu verändern“, beschreibt Manager Hanning das notwendige Geschick bei der Personalplanung.

Nummer zwei hinter Kapitän Laen

Die reihenweise Verpflichtung internationaler Superstars entspräche hingegen nicht dem Credo der Berliner, die in ihrer vierten Bundesliga-Saison den Sprung in den Europacup schaffen werden. Dafür fehlt auch das Geld. Mit vier Millionen Euro haben die Füchse in dieser Saison bislang Außerordentliches geleistet, in der kommenden Spielzeit muss der Etat jedoch deutlich erhöht werden, um international konkurrenzfähig zu bleiben. Mit Romero und Pevnov soll spielerisch der nächste Qualitätsschritt gelingen, wobei der Russe am Kreis hinter dem erfahrenen Kapitän Torsten Laen wohl erst einmal nur die Nummer zwei sein und zur Entlastung des Dänen dienen wird. Für den 22-Jährigen ist das kein wirkliches Problem. „Ich will von Torsten lernen und mich an ihn herankämpfen“, sagt Pevnov und lächelt: „Und irgendwann will ich dann die Nummer eins sein.“

Die Füchse versprechen sich viel von dem jungen Kreisläufer mit russischen Wurzeln. Und vielleicht haben sie mit ihm schon bald den nächsten deutschen Nationalspieler in ihren Reihen. Seit 20 Jahren schon lebt Pevnov in Deutschland, nun hat der 1,98-m-Mann auch die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt. Das Verfahren läuft. Pevnov: „Ich fühle mich hier zu Hause und will für Deutschland spielen.“