Handball

Füchse Berlin dominieren Europapokalsieger Lemgo

Handball-Bundesligist Füchse Berlin darf weiter auf eine erfolgreiche Qualifikation für die Champions League hoffen. Die Mannschaft besiegte Ex-Meister TBV Lemgo souverän mit 35:24.

Foto: eis gr / DPA

Fünf Minuten vor dem Ende hielt es am Mittwochabend keinen der 8768 Zuschauer mehr auf den Sitzen. Mal klatschten sie rhythmisch, dann wieder sangen sie „Oh, wie ist das schön…“. Fröhlich und ausgelassen war die Stimmung in der Max-Schmeling-Halle allemal. Und im Rausch des sicheren Erfolges gelang Mark Bult Sekunden vor Schluss der wohl schönste Treffer des Abends. Ein Hüftwurf, wobei er den Ball tief vom Hallenboden gen Tor schleuderte. Mit hochgereckten Armen ließ sich der Rückraumspieler der Füchse von den Anhängern als bester Torschütze (acht Treffer) eines mitreißenden Handball-Festes feiern. Mit 35:24 (18:13) triumphierten die Berliner Bundesliga-Handballer über den TBV Lemgo und zeigten nach dreiwöchiger Pause eine veritable Galavorstellung. Der höchste Saisonerfolg der Füchse war zugleich auch ein wichtiger Sieg auf dem Weg zur erstmaligen Qualifikation für die Champions League.

Sigurdsson gerät ins Schwärmen

„Ich bin sehr, sehr zufrieden“, sagte Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson und strahlte über das ganze Gesicht. „Nach der langen Pause hat man immer Zweifel, aber alle waren gegen Lemgo voll dabei, das macht mich sehr stolz. Das war unser bestes Saisonspiel. Großes Kompliment an alle meine Spieler“, sagte der Isländer. Auch Geschäftsführer Bob Hanning erlaubte sich Superlative: „Das war beileibe sensationell, was wir aufs Parkett gebracht haben.“

Dass ausgerechnet Mark Bult zum Mann des Abends wurde, ist eine von diesen schönen Geschichten, wie sie der Sport manchmal schreibt. Der Niederländer hatte die schwere Aufgabe, den flinken Torjäger Alexander Petersson zu vertreten, der noch immer an einer hartnäckigen Schulterverletzung laboriert und nicht voll einsatzfähig ist. Zuvor hatte Bult immer mal wieder mehr Einsatzzeiten für sich eingefordert, Mittwoch nun bekam er die Bewährungschance – und er nutzte sie eindrucksvoll. „Heute hat man gesehen, wie wertvoll Mark für uns ist“, sagte Hanning, „Was er gegen Lemgo gebracht hat, war eine herausragende Leistung.“

Trotz des furiosen Sieges mischte sich bei Michal Kubisztal auch ein wenig Traurigkeit in die Stimmung, denn nach der Partie gaben die Füchse bekannt, dass der auslaufende Vertrag mit dem Polen nicht verlängert wird. Kubisztal war im Dezember 2007 aus Lubin an die Spree gewechselt und hat maßgeblichen Anteil am sportlichen Aufstieg der Füchse. Für die kommende Saison aber haben die Berliner den spanischen Starspieler Iker Romero vom FC Barcelona für den halblinken Rückraum verpflichtet. Der Abschied von „Kubi“ kommt daher nicht überraschend.

Die Füchse waren von Beginn an hellwach und legten leidenschaftlich los. Rasch wurde klar, dass sie ihre gute Heimbilanz von bislang erst einer Liga-Niederlage in der laufenden Spielzeit ausbauen wollten. Bereits nach 60 Sekunden verwandelte Ivan Nincevic einen Siebenmeter für die Platzherren und läutete damit ein wahres Angriffsspektakel ein. Sven-Sören Christophersen, Torsten Laen oder auch Markus Richwien, fast jeder Wurfversuch wurde zum Torerfolg. So legten die Berliner einen Blitzstart hin und führten nach zehn Minuten bereits mit 9:2. Dabei profitierten sie immer wieder von den akrobatischen Paraden ihres Torhüters Petr Stochl. Er hatte den Vorzug vor Silvio Heinevetter erhalten und wehrte so manch schweren Wurf der Gäste ab, wodurch es zu Tempogegenstößen kam.

Die Abwehr um Denis Spoljaric stand sicher

Nach einer Auszeit, in der TBV-Trainer Volker Mudrow seine Profis neu justierte, kam dann aber auch Lemgo besser ins Spiel. Immerhin stand hier ja niemand Geringeres als der aktuelle EHC-Cup-Sieger auf dem Platz, der auch jetzt wieder das Halbfinale des internationalen Wettbewerbs erreicht hat. Dank der Ansprache ihres Coaches konnten die Gäste sich nun tatsächlich steigern und der Partie wieder Spannung verleihen. Ihre klare Führung aber behaupteten die Füchse dennoch souverän.

Nach dem Seitenwechsel knüpfte das Berliner Team an die gute erste Hälfte an. Die Abwehr um Olympiasieger Denis Spoljaric stand sicher, im Angriff agierten die Platzherren selbstbewusst und treffsicher. 26:18 stand es nach 45 Minuten, und jeder in der Halle spürte, dass die Füchse sich diesen Erfolg nicht mehr nehmen lassen würden. Trainer Sigurdsson gab nun auch Spielern eine Chance, die sonst nicht zu so viel Einsatzzeit erhalten. Doch auch der zweite Anzug machte seine Sache ausgezeichnet.