Handball-Bundesliga

Berliner Füchse starten in Endspurt um Europa

Nach drei Wochen Pause gehen die Füchse ab Mittwoch in die letzten sieben Spiele der Saison. Mindestens fünf Siege sollen es noch werden, damit es zum großen Wurf reicht: Platz vier und das Qualifikationsturnier für die Champions League.

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Im Berliner Spitzensport herrscht derzeit Hochstimmung. Hertha BSC steht vor dem Aufstieg in die Fußball-Bundesliga, Union hat den Klassenerhalt praktisch sicher, die Eisbären greifen heute Abend nach ihrer fünften Meisterschaft, und die Volleyballer des SCC sowie die Basketballprofis von Alba dürfen vom nationalen Titel träumen. Es läuft also prächtig für die Hauptstadtklubs, da wollen natürlich auch die Füchse Berlin nicht hinten anstehen. Am Mittwoch empfängt der Handball-Bundesligist den TVB Lemgo in der Max-Schmeling-Halle (19 Uhr). Mit einem Sieg will die Mannschaft von Trainer Dagur Sigurdssson ein erfolgreiches Saison-Finale einläuten, an dessen Ende Tabellenplatz vier herauskommen soll, der zum Qualifikationsturnier für die Champions League berechtigt.

„Die Mannschaft hat sich eine herausragende Möglichkeit und Ausgangsposition erarbeitet, diese wollen wir jetzt auch gemeinsam nutzen“, sagt Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning. Der 43 Jahre alte Manager saß gestern in Düsseldorf mit den klugen Köpfen des deutschen Handballs zusammen, um im Rahmen der Task Force über die Zukunft der Nationalmannschaft zu diskutieren. Die Arbeitsgruppe war nach dem schlechten WM-Abschneiden (Platz elf) ins Leben gerufen worden. Immerhin, die beiden Test-Länderspiele am vergangenen Wochenende gegen Norwegen gewann die deutsche Auswahl jeweils souverän. Und dabei präsentierten sich auch drei Berliner in guter Form. Neben Torhüter Silvio Heinevetter und Rückraumspieler Sven-Sören Christophersen zeigte Rechtsaußen Markus Richwien eine starke Leistung und bewies damit, dass mit ihm auch im Nationaltrikot zu rechnen ist. Der 25-Jährige darf nun sogar auf eine Nominierung für die entscheidenden Spiele in der EM-Qualifikation am 8. Juni gegen Österreich und vier Tage später gegen Lettland hoffen. „Ich habe mich sehr gefreut, dass meine Leistung für die Füchse honoriert worden ist“, sagte Richwien, der voller Selbstvertrauen in die Partie gegen Lemgo geht.

Der Druck nimmt zu

Nach drei Wochen Pause beginnt für die Füchse nun der Liga-Endspurt. Sieben Spiele haben die Hauptstadt-Handballer noch vor sich, fünf der nächsten sechs Partien sollen nach Möglichkeit erfolgreich bestritten werden. Dabei erwartet Trainer Sigurdsson jeweils harte Kämpfe, denn jede konkurrierende Mannschaft bietet noch einmal alle ihre Reserven auf, um den Sprung in den prestigeträchtigen Europapokal oder die lukrative Champions League zu schaffen. „Man merkt jetzt, dass überall der Druck größer wird“, sagt auch Manager Hanning.

Dass die Füchse die Königsklasse vor Augen haben, mutet schon wie eine kleine Sensation an, spielen sie doch erst ihre vierte Saison in der Beletage des deutschen Handballs. Die Qualifikation für den Europacup ist schon gebucht, das allein wäre schon aller Ehren wert. Jetzt aber soll mit der Champions League der Spielzeit das Sahnehäubchen aufgesetzt werden. Bob Hanning lacht: „Ich fange so langsam an zu begreifen, was das für uns bedeuten würde.“ Nämlich ein Auftritt im Konzert der Großen. Dort also, wo sich seit Jahren die Branchenriesen THW Kiel und HSV Hamburg oder die spanischen Eliteklubs Ciudad Real und FC Barcelona tummeln. „Von diesen Vereinen sind wir aber noch meilenweit entfernt“, sagt Hanning und lässt keine Zweifel aufkommen, dass die Königsklasse natürlich eine Nummer zu groß wäre. Fest steht schon jetzt, dass die Berliner mit einem nicht konkurrenzfähigen Etat in die Champions League gehen würden. Aber Hanning ist Sportsmann durch und durch, „und wenn man so wie wir diese verlockende Möglichkeit hat, dann muss man sie beim Schopfe packen. Wer weiß, ob wir in den nächsten vier, fünf Jahren wieder in eine solche Lage kommen.“ Die Mannschaft sei heiß – und er sowieso. „Mit unseren Zuschauern im Rücken wollen wir die Sensation schaffen. Für uns ist jede Partie bis Saisonende jetzt ein Endspiel.“

Nur ein Liga-Duell haben die Füchse in der Schmeling-Halle bislang verloren. Gegen den designierten Meister Hamburg. Hanning: „Wir wollen zu Hause eine Macht bleiben.“ Was nichts anderes heißt als ein Sieg über Lemgo. Damit die Hochstimmung im Berliner Sport anhält.