Handball-Bundesliga

Füchse Berlin benötigen eine Siegesserie

Das Spiel am Abend gegen den VfL Gummersbach wird zeigen, ob sich die Berliner von den jüngsten Schlappen erholt haben. Vor allem die Defensive muss besser funktionieren, wenn es wenigstens mit der Qualifikation für den Europacup klappen soll.

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Der Ansturm war groß, und wer eines dieser kleinen rechteckigen technischen Wundergeräte schließlich sein Eigen nenne durfte, der hatte sogleich diesen gewissen Glanz in seinen Augen. Da geht es Bob Hanning nicht anders, auch er ist nun stolzer Besitzer des iPad2 und freundet sich gerade intensiv mit dem stylischen Tablet-Computer an. Bislang hatte sich der Geschäftsführer der Füchse Berlin nicht unbedingt durch Pionierverhalten in Sachen Technik hervorgetan, „aber jetzt bin auch ich in der Zukunft angekommen“, sagt der 43-jährige Manager und lacht. Dieses Motto müssen am Dienstagabend auch die Bundesliga-Handballer beherzen, wenn sie am Abend den VfL Gummersbach empfangen (20.15 Uhr, Max-Schmeling-Halle, hier im Live-Ticker von Morgenpost Online ), denn mit diesem Spiel biegen die Berliner auf die Zielgerade der Saison, an deren Ende die Qualifikation für den internationalen Wettbewerb stehen soll. Die Zukunft der Füchse liegt im Europacup.

„Wenn wir weiter von Platz vier und der Champions League träumen wollen, dann müssen wir jetzt die richtige Richtung einschlagen“, mahnt Hanning. Und das bedeutet nichts anderes, als dass die Füchse jetzt wieder in die Erfolgsspur zurückfinden müssen, wollen sie sich tatsächlich den Traum vom Erreichen der Königsklasse erfüllen, ob nun direkt (Plätze eins bis drei) oder über ein gesondertes Qualifikationsturnier (Platz vier). Zuletzt hatten die Berliner Niederlagen gegen den THW Kiel, HSV Hamburg und die Rhein-Neckar Löwen kassiert und waren auf den vierten Tabellenrang abgerutscht.

„Europa muss es ganz sicher sein“, so lautet die Marschroute im Fuchsbau, und dafür käme ein Sieg heute über den oberbergischen Traditionsverein gerade recht. Dafür muss die Mannschaft absolute Bereitschaft und Leidenschaft zeigen. „Wir brauchen ein gutes Rückzugsverhalten“, fordert denn auch Trainer Dagur Sigurdsson, der in den letzten Partien in diesem Bereich Nachholbedarf erkannt hatte. Zudem muss die Abwehr aggressiv und sicher stehen, und natürlich sollten auch die Torhüter wieder mal glänzen. Sowohl Silvio Heinevetter als auch Petr Stochl erreichten in den vergangenen Spielen nicht das Topniveau aus der Hinrunde. Vor allem der deutsche Nationalspieler Heinevetter hatte vor dem Jahreswechsel in jedem Spiel überragend gehalten und damit den Grundstein für die fast makellose Bilanz – nur zwei Niederlagen in der Hinserie – gelegt. Zuletzt aber verließ der Schlussmann öfters in der ersten Hälfte entnervt das Feld und machte für Stochl Platz. Doch auch der Tscheche konnte nicht überzeugen. Im Gegensatz zur Nationalmannschaft, wo er Anfang März in der EM-Qualifikation sehr stark aufgespielt hatte. „Petr muss jetzt einen Schritt nach vorne machen“, fordert Geschäftsführer Hanning, „ich wünsche mir, dass er die Leistung bringt wie im Nationalteam.“

Eine tadellose Performance im Trikot der Landesauswahl hatte während der WM in Schweden auch der Füchse-Linkshänder Alexander Petersson gezeigt. Der Isländer offenbarte jedoch wie Spielmacher Bartlomiej Jaszka Erschöpfungserscheinungen. Mit dem Regisseur aus Polen führte Hanning lange Einzelgespräche. „Ich glaube, dass Baba jetzt wieder gefestigt ist.“

Mit Gummersbach kommt heute der amtierende Europapokalsieger der Pokalsieger nach Berlin. Der Verein steht nach dem 44:25 (23:11) im Viertelfinal-Hinspiel am vergangenen Sonnabend gegen den norwegischen Vertreter Elverum HB vor dem Einzug in die Vorschlussrunde, reist also mit gestärktem Selbstvertrauen an. „Die Füchse sind nach ihrem Höhenflug wieder ein wenig auf Normalmaß geschrumpft“, sagt VfL-Spieler Adrian Pfahl, zeigt aber großen Respekt vor den Berlinern: „Auf Platz vier muss man auch erst mal stehen.“ Pfahl weiß, wovon er redet, Gummersbach liegt derzeit auf Rang acht.

Für die Füchse ist die Partie auch ein Gradmesser, wie weit sie in ihrer vierten Erstligaspielzeit tatsächlich sind. Der VfL ist ein Verein, den die Berliner in dieser Saison erstmals überflügelt haben. Im Hinspiel brachten sie den Oberbergern mit dem 34:32 die erste Pleite in der Eugen-Haas-Halle nach über vier Jahren bei. Ein Stachel, der tief sitzt. „Wir wollen uns für die knappe Niederlage in der Hinrunde revanchieren“, sagt Pfahl. Immerhin, die Füchse sind in der Bundesliga zu Hause eine Macht. Sie haben in der Schmeling-Halle in dieser Saison erst eine Niederlage hinnehmen müssen, gegen Titelkandidat HSV Hamburg. Hanning: „Wir wollen zu Hause eine Macht bleiben.“