Handball-Bundesliga

Füchse Berlin müssen raus aus der Komfortzone

Die Niederlagen gegen Kiel und Hamburg haben gezeigt, dass die Berliner mit den ganz Großen noch nicht mithalten können. Grund für einen Leistungabfall darf das nicht sein, trotzdem warnt Manager Bob Hanning vor einer Negativspirale.

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Mit der Betrachtung nackter Zahlen ist das so eine Sache. Sechs Spiele haben die Füchse Berlin nach der WM-Pause bislang in der Handball-Bundesliga bestritten, sie erzielten zwei Siege, zwei Unentschieden und kassierten zwei Niederlagen. Eine Bilanz, die mittelprächtig daher kommt. Eben guter Durchschnitt. Und damit eigentlich auch zu wenig ist für den Hauptstadtklub, der von der Qualifikation für die Champions League träumt. Allerdings, und da lohnt sich dann eben doch der genaue Blick, bezogen die Berliner die beiden Pleiten gegen Mannschaften, die zu den besten Vereinsteams der Welt gehören, und jetzt, da die Saison ihrer Entscheidung entgegensieht, laufen der HSV Hamburg und der THW Kiel eben zu Höchstform auf.

Höchster Sieg im Nord-Derby

Während die Füchse, immerhin Tabellendritter, am Sonntag beim 22:35 gegen Spitzenreiter HSV unter die Räder kamen, feierte Rekordmeister Kiel mit dem 38:26 gegen die SG Flensburg-Handewitt den höchsten Sieg in der Geschichte des Nord-Derbys. Die beiden Champions-League-Klubs spielten mit den Verfolgern Katz und Maus, und den Berlinern blieb die ernüchternde Erkenntnis, dass zwischen ihnen und Hamburg Welten liegen. Gegen Handballkunst nahe der Perfektion kommen sie nicht an. „Unsere Leistung war fast perfekt, wir waren sehr, sehr stark“, freute sich denn auch HSV-Linksaußen Torsten Jansen. Torhüter Johannes Bitter nannte die Leistung seines Teams gar eine Explosion. Die Hanseaten sind auf dem besten Weg, ihre erste Meisterschaft zu gewinnen. Spielmacher Michael Kraus sagte: „Für unseren weiteren Weg haben wir mit dem Sieg über die Füchse Berlin ein Zeichen gesetzt.“ Von derlei Höhenflügen sind die Füchse weit entfernt, sie erwischten gegen den HSV gemeinschaftlich einen richtig schlechten Tag, spielten ohne Herz und Leidenschaft. „Bei uns war die absolute Konzentration aufs Wesentliche nicht da“, monierte denn auch Geschäftsführer Bob Hanning.

Am Dienstagabend nun haben die Füchse eine Chance, wieder in die Erfolgsspur zurückzukehren, allerdings treffen sie in Mannheim auf die Rhein-Neckar Löwen (18.55 Uhr, live bei Sport1), eine Mannschaft, die um jeden Preis die Füchse von Rang drei verdrängen will, der zur direkten Qualifikation für die Champions League berechtigt. „Wir wollen die Löwen schlagen“, sagt Berlins Trainer Dagur Sigurdsson selbstbewusst, räumt aber zugleich ein, dass Hamburg, Kiel und eben auch die Mannheimer eine Klasse für sich seien. Manager Hanning rechnet durchaus mit einer weiteren Niederlage, auch in Form einer Klatsche. „Es kann sein, dass die Pleite gegen den HSV noch nicht gereicht hat und die Mannschaft sich auch bei den Löwen eine Packung abholt“, sagt Hanning und gibt sich erstaunlich gelassen: „Ab Mittwoch muss es dann aber richtig losgehen, ab dann geht es um den Europapokal und darum, ob wir den Traum von Platz vier weiterträumen können.“ Die Mannschaft müsse sich jetzt fangen, „und wir müssen aufpassen, dass wir nicht in eine Negativspirale gelangen.“ Fakt sei, die Qualifikation für Europa müsse es am Ende sein.

Mannschaft ist intakt

In der Hinrunde haben die Füchse für Furore gesorgt und mit überragenden Leistungen die Liga gehörig aufgemischt. „Vor dem Jahreswechsel sind wir in jedem Spiel immer aus der Komfortzone getreten“, erklärt Hanning. Mit dieser tadellosen Performance gelangen Siege zu Hause gegen Kiel, in Flensburg, Lemgo und Gummersbach. Jetzt tun sich die Füchse deutlich schwerer, sie erreichen derzeit nicht einmal ihre Leistungsgrenze. Die Mannschaft müsse aufpassen, dass sie jetzt nicht in eine gewisse Bequemlichkeit hineinrutsche, sagt Hanning, der aber nicht betrübt ist. Motto: Das wird schon wieder. „Mannschaft und Trainer sind ja völlig intakt, das System steht, sonst hätten wir nicht 39:11 Punkte und lägen damit auf dem dritten Platz.“ Da sprechen die nackten Zahlen eine klare Sprache.