Handball-Bundesliga

Kurier-Fauxpas schockiert Füchse Berlin

Gedanklich waren die Berliner Handballer beim bevorstehenden Spiel gegen den THW Kiel. Doch dann erreichte sie ein Anruf aus der Zentrale der Handball-Bundesliga. Es ging um ihre so wichtigen Lizenzunterlagen.

Vorfreude ist bekanntlich die größte Freude. Dieses Gefühl nannten in den vergangenen Tagen auch die Handballspieler der Füchse Berlin ihr Eigen und fieberten alle dem großen Pokalspiel am Mittwoch gegen den THW Kiel entgegen (20.15 Uhr, Max-Schmeling-Halle). Der Sieger der Viertelfinals qualifiziert sich für die Endrunde Anfang Mai in Hamburg. „Es ist immer etwas ganz Besonderes, gegen den THW Kiel zu spielen, für solche Partien bin ich Handballprofi geworden“, frohlockte denn auch Füchse-Kapitän Torsten Laen. Und Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning sagte: „Das ist für uns der erste große Matchball, um kommende Saison in Europacup zu spielen. Wir sind zwar nicht Favorit, aber wir wollen den THW so lange wie möglich ärgern.“

In die Vorfreude der Füchse auf den Pokalhit mischte sich am Dienstagvormittag jedoch eine ordentliche Portion Ärger. Der Fauxpas eines Kurierdienstes hätte die Berliner beinahe in große Not bei der Lizenzvergabe der Handball-Bundesliga (HBL) gebracht. So haben die in der Vorwoche abgeschickten Papiere nicht die Liga-Zentrale in Dortmund erreicht. „Statt unseres Paketes kam ein Paket mit Schmuck und Holzspielzeug in Dortmund an, unser Paket wurde fälschlicherweise in Wien zugestellt“, erzählte Manager Hanning und war richtig sauer. „So etwas darf nicht passieren, das geht gar nicht“, sagte Hanning und sah sich zum prompten Handeln gezwungen, denn die Ausschlussfrist für die Beantragung der Lizenz für die neue Spielzeit endete am Dienstag um 15.30 Uhr. So wurden die Unterlagen ein zweites Mal erstellt. Bob Hanning unterschrieb sie erneut, dann brachte sie ein Praktikant per ICE nach Dortmund – noch rechtzeitig. „Wir werden auf jeden Fall rechtliche Schritte gegen ‚Inline Overnight Berlin' prüfen, denn es kann einfach nicht sein, dass wir über eine solche Fehllieferung nicht vom Kurierservice informiert werden“, grantelte Hanning.

Bis Mittwochabend wird der Ärger bei den Füchsen verraucht sein. Ging alles noch mal gut, wenn auch knapp. Eng dürfte es womöglich auch auf dem Spielfeld zugehen. Zwar besiegte der THW Kiel gerade erst die Füchse im Liga-Duell deutlich mit 26:35, doch wie im Fußball herrschen auch im Handball im Pokal oftmals andere Gesetze. Das beste Beispiel dafür sind die Füchse selbst. Sie besiegten im Achtelfinale sensationell den HSV Hamburg und schalteten damit den großen Meisterschaftsfavoriten aus, nun also soll der nächste Streich folgen.

Da passt es gut, dass die Füchse den THW Kiel in der Schmeling-Halle empfangen, denn dort sind sie eine Macht. Seit über einem Jahr ist die Mannschaft von Trainer Dagur Sigurdsson daheim unbesiegt. „Wenn wir unserer Linie treu bleiben, sind wir zu Hause schwer zu bezwingen“, sagt Sigurdsson. Die Worte des Isländers werden am Mittwoch einer harten Probe unterzogen. Das Duell mit dem aktuellen Champions-League-Sieger mag einigen in Berlin immer noch vorkommen wie ein Klassenkampf. Hier der Außenseiter, der erst in der vierten Saison in der Bundesliga spielt, dort der Branchenprimus, dessen Etat mit geschätzten neun Millionen Euro mehr als doppelt so hoch ist wie der der Füchse. Ein Sieg über den Konkurrenten sowie der damit verbundene erstmalige Einzug ins Final-Four-Turnier in Hamburg würde nicht nur die garantierte Einnahme von 120.000 Euro in die Vereinskasse befördern, sondern vor allem zu einer weiteren Imagesteigerung beitragen.

Längst schon orientieren sich die Berliner, die als Bundesligadritter aussichtsreich im Rennen um die Europapokalteilnahme liegen, bei ihrer Ausrichtung an den Großen Klubs. Zur neuen Saison kommt der spanische Spielgestalter Iker Romero ziemlich sicher zu den Füchsen. Romero spielt für den FC Barcelona, den erfolgreichsten Verein der Welt. Allein die Möglichkeit eines solchen Transfers mache ihn stolz, erzählt Hanning.

Der Geschäftsführer genießt das, zumal er nach Romero gern noch andere Spitzenspieler nach Berlin locken möchte. Der wurfgewaltige Däne Mikkel Hansen wäre nach seinem Geschmack. Allerdings käme der Halblinke wohl nur, wenn den Füchsen tatsächlich der Sprung nach Europa gelänge. Ein Sieg über Kiel wäre dem Unterfangen demnach dienlich.