Handball

Den Füchsen fehlten nur Millimeter zum Sieg

24:24 stand es kurz vor Schluss, dann kam Konrad Wilczynski. Er warf, doch Flensburgs Torwart Dan Beutler parierte. Unentschieden - jedenfalls bleiben die Füchse in der Max-Schmeling-Halle ungeschlagen.

Es waren Millimeter, die Konrad Wilczynski fehlten, um zum Helden des Abends zu werden. Mit dem Schlusspfiff kam der Österreicher erstmals überhaupt in der Partie seiner Füchse gegen die SG Flensburg-Handewitt aufs Feld. Es stand 24:24, Siebenmeter für die Berliner. Die letzte Chance also, das Duell noch für sich zu entscheiden. „Konny, Konny“, schallte es durch die Max-Schmeling-Halle. Gänsehautstimmung. Dann warf Wilczynski, viele Anhänger schrien laut auf, doch der gute SG-Torhüter Dan Beutler parierte den Wurf und lenkte den Ball an den Pfosten. So blieb es vor 9000 Zuschauern beim Unentschieden. Der erhoffte Sieg wurde verpasst, dafür aber bleiben die Berliner in der Handball-Bundesliga seit mehr als einem Jahr vor heimischer Kulisse ungeschlagen.

Dagur Sigurdsson wusste nach dem Abpfiff nicht so recht, ob er sich freuen oder ärgern sollte. Punktgewinn oder Punktverlust? „Nun, wir können damit leben“, sagte der Füchse-Trainer schließlich, „wir müssen mit dem einen Punkt zufrieden sein. Beide Mannschaften haben einen sehr, sehr harten Kampf abgeliefert.“ Geschäftsführer Bob Hanning, der nach seiner Schulter-Operation gestern wieder auf der Bank gesessen hatte, gab sich ebenfalls versöhnlich: „Das Unentschieden ist absolut leistungsgerecht.“ In der ersten Halbzeit habe es an der Durchschlagskraft im Rückraum gemangelt. „Da waren wir leider nicht sehr effektiv, aber dafür ist die Mannschaft wiedergekommen und hat ihr Kämpferherz gezeigt.“

Viel Zeit zum Erholen bleibt den Hauptstadt-Handballern nicht, bereits am Mittwoch steht für die Füchse gleich das nächste Highlight in der Schmeling-Halle an. Im Pokal-Viertelfinale fordern sie den deutschen Rekordmeister und aktuellen Champions-League-Sieger THW Kiel heraus. Der Sieger der Partie qualifiziert sich für die Endrunde in Hamburg.

Nach dem ärgerlichen Remis vor einer Woche in Melsungen wollten die Füchse nun gegen Flensburg ihre Heimstärke beweisen. Und die SG reiste auch mit dem nötigen Respekt an. SG-Coach Ljubomir Vranjes: „Die Berliner Defensive ist die zweitbeste der Liga, aber auch die Berliner Mauer hat Schwächen, und diese müssen wir nutzen.“

„Die Angriffe gut abschließen und keine Bälle leichtfertig vergeben“, hatte Sigurdsson als Parole für das wichtige Spiel im Kampf um den internationalen Wettbewerb ausgegeben. Und zunächst sah es auch recht gut aus. Zwar war nicht jeder Wurf ein Treffer, doch beide Teams agierten wie erwartet auf Augenhöhe, die Füchse erspielten sich einen Vorsprung. 6:4 führten die Platzherren in der 15. Minute, jetzt galt es, diesen Vorteil zu nutzen. Doch zum Entsetzen der Fans drehten plötzlich die Flensburger groß auf – und den Berlinern gelang auf einmal fast gar nichts mehr. Fünf Gegentore mussten die Füchse in nur vier Minuten hinnehmen (6:9). Für den glücklosen Alexander Petersson, der es gegen seinen Ex-Klub wohl besonders gut machen wollte, was ihm jedoch nicht wie erhofft gelang, brachte Sigurdsson Mark Bult. Doch auch der Niederländer konnte nicht wirklich überzeugen. Selbst der sonst so souveräne Torsten Laen blieb am Kreis wirkungslos.

Folgerichtig nahm der Berliner Trainer eine Auszeit, um seine Profis neu zu justieren. Aber Besserung wollte sich nicht so recht einstellen. Nach sieben torlosen Minuten war es Rechtsaußen Markus Richwien, der endlich wieder SG-Torhüter Dan Beutler überwinden konnte.

In der Halbzeit hatte Sigurdsson reichlich Gesprächsstoff. Mit dem Willen, das Spiel noch zu drehen, legten sich die Berliner mit ganzer Kraft und Energie in die zweite Hälfte. Jetzt endlich erzielte Petersson seinen ersten Treffer. Die Zuschauer merkten, dass noch alles drin war in diesem Spitzenspiel und strapazierten immer wieder die Klatschpappen, um ihre Mannschaft lautstark nach vorn zu peitschen. „Es ist ein tolles Gefühl, wenn neunzig Prozent in der Schmeling-Halle hinter einem stehen“, sagte Sigurdsson.

Und diese Zuschauer waren sich auch nicht zu fein, die Schiedsrichter in der Schlussphase nach zweifelhaften Pfiffen als „Schieber“ zu beschimpfen oder auszupfeifen. Die letzte Viertelstunde hatte es wirklich in sich. Fouls und Fehlentscheidungen, viel Kampf und auch mal Krampf. Aber es ging ja auch um viel in diesem Duell. In der 45. Minute sah Berlins Abwehrchef Denis Spoljaric nach einem Foul die Rote Karte, sehr zum Unmut der Füchse-Fans. Diese Schwächung war aber wie ein Weckruf, denn nun gelang sogar der Ausgleich (19:19, 46.). Es war alles wieder offen. Eine doppelte Überzahl aber konnten die Füchse nicht nutzen, dafür warf Markus Richwien sein Team wieder in Front (23:22, 55.). Die Sekunden liefen herunter. Bis es zum finalen Siebenmeter kam. Hanning: „Besser einen Punkt als keinen.“