Handball-Bundesliga

Für die Füchse geht es um Europa

Den Berlinern stehende wegweisende Wochen bevor: Die nächsten Gegner heißen Flensburg, Kiel und Hamburg. Gewinnt das Team am Sonntag gegen die SG Flensburg-Handewitt, kann es bereits mit dem Sprung ins internationale Geschäft rechnen.

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Alexander Petersson atmete einmal ganz tief durch. Der grippale Infekt, der ihn noch unter der Woche gehandicapt und zum Verzicht auf zwei Übungseinheiten mit den Füchsen Berlin gezwungen hatte, ist endlich abgeklungen, gestern konnte der Linkshänder wieder mit der Mannschaft trainieren. Coach Dagur Sigurdsson nahm es mit Freude zur Kenntnis, ist Petersson mit 95 Toren derzeit doch sein treffsicherster Schütze, und am Sonnabend steht den Füchsen mit der Partie gegen die SG Flensburg-Handewitt (17.30 Uhr, Max-Schmeling-Halle, online im Live-Ticker bei Morgenpost Online ) ein schweres Spiel bevor. „Das ist ein großes Duell“, sagt Sigurdsson, „wir müssen gegen Flensburg im Angriff gut abschließen und dürfen die Bälle nicht leichtfertig vergeben.“ Der Isländer lächelt: „Am besten wäre, wenn jeder Wurfversuch zum Torerfolg führen würde.“

Seit einem Jahr ungeschlagen

Das wäre auch so ganz nach dem Geschmack von Alexander Petersson. Für den Rückraumspieler ist die Begegnung „etwas ganz Besonderes“, wie er selbst sagt, denn bis zum Sommer 2010 war der isländische Auswahlakteur für die Flensburger auf Torejagd gegangen. Petersson stand damit auch vor gut einem Jahr im SG-Aufgebot, das damals die Füchse mit 26:25 in der Schmeling-Halle bezwang. Seitdem aber sind die Berliner vor heimischer Kulisse nicht mehr besiegt worden, die Füchse haben die Arena in Prenzlauer Berg zu einer Festung ausgebaut. Und das soll morgen so bleiben. Nach zwei starken Auftritten in der Champions League reisen die Flensburger mit einer gesunden Portion Selbstvertrauen an. Vier Tage nach dem überraschenden 25:23 über das Weltklasseteam von Ciudad Real setzten sich die bereits für das Achtelfinale qualifizierten Norddeutschen auch in St. Petersburg durch (31:25). „Die Flensburger haben eine überragende Woche hingelegt“, sagt Petersson, der beim Fördeklub noch viele Freunde hat, „aber irgendwann hat die Erfolgsserie ein Ende – und das wird Sonntag der Fall sein.“ Verlieren könne man natürlich immer mal, aber nicht gegen den Ex-Klub. Petersson: „Deshalb will ich unbedingt gewinnen, sonst hätte ich ein blödes Gefühl.“

Die Partie gegen den Traditionsverein aus dem Norden ist für die Füchse der Auftakt zu wahren Festwochen in der Beletage des deutschen Handballs. Am Mittwoch empfangen die Berliner den deutschen Rekordmeister und aktuellen Champions-League-Sieger THW Kiel im Viertelfinale um den deutschen Pokal, am 20. März gibt sich dann Spitzenreiter HSV Hamburg die Ehre. „Das Duell gegen Flensburg ist für uns ein richtungsweisendes Spiel für den weiteren Saisonverlauf“, sagte Geschäftsführer Bob Hanning, der nach seiner schweren Schulter-Operation morgen wieder neben Trainer Sigurdsson auf der Bank Platz nehmen will. Gelingt ein Sieg über die SG, könnten die Berliner schon vorsichtig mit dem Sprung ins europäische Geschäft rechnen. Bei einer Niederlage würde der Abstand auf Flensburg nur noch vier Punkte betragen, die fünftplazierten Göppinger würden auf drei Punkte herankommen, und die Rhein-Neckar Löwen wären bis auf einen Punkt an den Berlinern dran.

Duell auf Augenhöhe

„Am Sonntag werden zwei Mannschaften auf Augenhöhe aufeinander treffen“, sagt Manager Hanning und mahnt: „Wir müssen aufpassen, dass wir uns den erarbeiteten Vorteil aus der Hinrunde nach dem Punktverlust in Melsungen nicht weiter verspielen. Durch die Unterstützung der Fans und eine engagierte Teamleistung sollte es uns möglich sein, unseren Heimnimbus im Fuchsbau zu wahren.“ Trainer Sigurdsson setzt ebenfalls auf die Macht der Fans: „Wir müssen mit den Zuschauern gemeinsam Druck aufbauen, dass wir nicht zu schlagen sind.“

Auch Alexander Petersson kann sich des Zuspruchs durch die Fans sicher sein. Nachdem sein Wechsel zu den Rhein-Neckar Löwen im Sommer 2012 bekannt geworden war, hatte es nach der WM-Pause keinerlei negative Reaktionen der Berliner Anhänger gegeben. Das liegt auch daran, dass sich der 30-Jährige in jedem Spiel leidenschaftlich engagiert und stets vorbildlich kämpft. Sowieso spielt die Zukunft keine große Rolle. „Ich konzentriere mich voll und ganz auf die Füchse“, sagt Petersson. Geschäftsführer Hanning kann verstehen, dass es den Isländer zu den finanzstarken Mannheimern zieht. „Das ist sein letzter Vertrag als Handball-Profi, und der ist gut dotiert“, sagt Hanning, „der Wechsel hat für uns auch einen Vorteil, denn so können alle sehen, dass wir die Lohnspirale nach oben nicht mitmachen können – und wollen.“

Nationalspieler Petersson hat jetzt vor allem ein Ziel: „Ich will mit den Füchsen nach Europa.“ Die Grundlage dafür können die Berliner mit einem Sieg über Flensburg morgen schon legen.

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