Handball

Füchse wollen Weltmeister Iker Romero holen

Der Berliner Handball-Bundesligist will mit dem Spanier einen weiteren Weltmeister verpflichten. Die Chancen stehen gut. Man merkt: Die Füchse bauen bereits an einer Mannschaft für den Europapokal.

Foto: AFP

Andres Iniesta kommt zu Hertha, Juan Carlos Navarro zu Alba – schöne Berliner Träume, die jedoch weit von der Realisierung entfernt sind. Dafür könnte den Füchsen möglicherweise ein Coup dieser Größenordnung mit einem Star des FC Barcelona gelingen. Erste Gespräche mit dem Spielmacher der Katalanen, die auch eine Handball-Weltmacht sind, verliefen jedenfalls positiv. Der Name des Mannes: Iker Romero Fernandez, wobei wie in Spanien nicht unüblich der Nachname unter den Tisch fällt. Iker Romero also, 30 Jahre alt, 1,97 Meter groß und 100 Kilo schwer, war gerade zu Gesprächen in Berlin. Der Eindruck von Füchse-Manager Bob Hanning nach dem ersten Treffen war sehr positiv: „Die Wahrscheinlichkeit, dass aus diesem Transfer etwas wird, ist nicht so gering.“

Hanning redet über den Coup in der Schwebe nur frei heraus, weil ihm nichts anderes übrig bleibt, nachdem Romero in Berlin am Flughafen gesehen und fotografiert worden ist. Viel lieber hätte er sich wie üblich geäußert, „wenn alles in trockenen Tüchern ist, denn jetzt sind alle anderen hellwach“. Der Ärger, dass der Kontakt zu Romero schon so früh öffentlich wurde, wird beim Füchse-Manager aber durch jede Menge Stolz mehr als aufgewogen: „Sein Berater hat zu uns den Kontakt gesucht“, erzählt er, „und von sich aus gesagt, dass Romero in seinem letzten Vertrag noch einmal etwas ganz anderes erleben möchte, in eine gesunde Liga will und zu einem Klub, für den er noch etwas bewegen kann.“

Und an diesem Punkt, erzählt Hanning weiter, sei dann auch die Stadt Berlin ins Spiel gekommen. Denn wer lange in einer Metropole wie Barcelona gelebt hat, habe natürlich entsprechende Ansprüche. Zudem würde er in Barcelona vor „400 bis 1000 Zuschauern spielen. Zu unseren Heimspielen hingegen kommen im Schnitt 8000.“ Und weil auch alle Spieler, die der Spanier über die Füchse befragte, nur Positives berichtet hätten, sei Romero zu dem Schluss gekommen: Ich will nach Berlin!

Es scheint, als würde die Konkurrenz also jetzt schlechte Karten haben. Versuche, ihn anderswo hinzulocken, sind trotzdem sicher. Romero kam 2003 nach den Stationen Leon und Cuidad Real zum FC Barcelona. Es versteht sich, dass er mit den Katalanen alle nationalen Titel und 2005 die Champions League gewann. Im gleichen Jahr wurde er mit der Nationalmannschaft, für die er 168 Länderspiele bestritt und 634 Tore erzielte, auch Weltmeister. Eine EM-Silbermedaille aus dem Jahr 2006, eine bronzene von den Olympischen Spielen 2008 und eine weitere bronzene von der jüngsten WM in Schweden nennt er sein Eigen.

Auf der Webseite seines aktuellen Klubs wird Romero nicht nur als „exzellenter Techniker mit einem entsprechenden Wurf“ beschrieben, sondern auch als einer, der „selbst unter größtem Druck keinerlei Angst zeigt und es liebt, mit gutem Beispiel voranzugehen“.

Hanning lernte beim ersten Treffen einen „Mann mit Aura“ kennen, „einen, der alles gewonnen hat, aber sich eine ganz natürliche Art erhalten hat“. Bleibt nur eine große Frage: Wer soll das bezahlen? Aber auch in dieser Hinsicht darf der Füchse-Macher zuversichtlich in die Zukunft blicken. „Romero hat klar gesagt, dass er ins Gehaltgefüge passen will und bei seinem letzten Vertrag nicht mehr das Geld im Vordergrund stehen soll, sondern die Aufgabe.“ Ein Klub, der nach oben strebt, aber noch keine Titel gewonnen habe, würde ihn reizen, habe der Spanier in dem Gespräch mit Hanning und Coach Dagur Sigurdsson gesagt. Jetzt sei es an ihm, dem Manager, auszuloten, wie sich der spanische Superstar sportlich und auch in das „moderate“ Finanzgefüge des Klubs integrieren lassen könnte.

Romero könnte bei den Füchsen die Nachfolge des Polen Michal Kubisztal antreten, der in den vergangenen beiden Jahren zweimal am Rücken operiert wurde und dessen Vertrag im Sommer ausläuft. Mit einem spanischen Weltmeister trifft man sich nicht, um mit ihm zukünftig zur HSG Ahlen Hamm oder zum TSV Hannover Burgdorf zu fahren. Die Füchse sind derzeit Tabellendritte der Bundesliga. Setzen sie ihren Höhenflug fort, wartet auf sie kommende Saison Europa, mit etwas Fortune sogar die Champions League. Dafür bedarf es weiterer Verstärkung. In dem Kroaten Denis Spoljaric haben die Füchse bisher einen Weltmeister in ihren Reihen. Nun könnte ein weiterer hinzukommen. „Natürlich denken wir an Europa, das haben wir uns auch verdient“, sagt Hanning. „Unsere nächsten drei Heimspiele sind ausverkauft. Wenn wir gleich am Sonntag die Flensburger schlagen, die sechs Minuspunkte mehr als wir auf dem Konto haben, sind wir wohl ziemlich sicher in Europa dabei.“ Und dann passt es gut, dass man mit einem wie Romero schon mal gesprochen hat.