Handball

Füchse ernten Lob von Rekordmeister Kiel

Trotz der Niederlage gegen Kiel zollen die Norddeutschen den Berlinern Respekt. THW-Trainer Gislasonsagt: "Berlin ist eine enorm starke Mannschaft geworden."

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Alfred Gislason ist ein erfahrener Mann an der Seitenlinie. Der Isländer hat im Handball als erster Trainer mit zwei verschiedenen Vereinen die Champions League gewonnen, 2002 mit dem SCMagdeburg und 2010 mit dem THW Kiel. Arroganz oder Überheblichkeit sind dem Familienvater aber völlig fremd. Einer seiner Grundsätze lautet, stets Achtung und Respekt vor dem Gegner zu haben. Jene Geisteshaltung macht freilich nicht zwingend erforderlich, den Gegner gleich auch mit Lob zu bedenken. Genau das aber tat Gislason nach dem souveränen 35:26-Erfolg des THW über die Füchse Berlin. „Berlin ist eine enorm starke Mannschaft geworden, besonders in dieser Saison spielen sie einen sehr guten Handball und waren verdient bis jetzt Tabellenzweiter“, sagte Kiels Trainer.

Gislason stand mit seinem Lob nicht alleine da. Auch sein Torhüter, der Olympiasieger, Welt- und Europameister Thierry Omeyer, zollte den Gästen aus der Hauptstadt seinen Respekt. „Die Berliner sind wirklich gut geworden, sie haben lange Zeit auf hohem Niveau mitgehalten“, sagte der Franzose und gab damit eine treffende Analyse ab. Und weil die Füchse eben so gut geworden sind, mussten die Kieler schon eine ihrer besten Saisonleistungen zeigen, um den Konkurrenten zu bezwingen und damit auch die Machtverhältnisse im deutschen Handball wieder gerade zurücken. Das Hinspiel hatten die Berliner sensationell 26:23 für sich entschieden.

Auch wenn der Kieler Sieg am Ende nach dem Geschmack der Berliner etwas zu hoch ausgefallen ist, so waren die Verantwortlichen keineswegs enttäuscht über die Schlappe beim Nordklub. „Da hat man einfach auch den Klassenunterschied gesehen, der zwischen uns und dem THW liegt“, anerkannte Geschäftsführer Bob Hanning und nannte ein Beispiel: „Wenn wir einen Colja Löffler einwechseln, schickt Alfred Gislason eben mal einen Jerome Fernandez aufs Feld.“ Der Franzose ist Olympiasieger, Welt- und Europameister und dürfte etwa das Zehnfache von Löffler verdienen. Kiel hat dafür auch einen geschätzten Etat von zwölf Millionen Euro, während die Füchse sich mit vier Millionen bescheiden. In der Tatsache, dass die THW-Spieler jeden Torerfolg frenetisch bejubelten, sehen die Füchse auch eine Wertschätzung für sich. „Denn das war früher anders, da war es selbstverständlich, dass man gegen die Füchse Berlin leicht gewinnt“, sagt Hanning.

Um den Kopf rasch wieder frei zu bekommen, gab Trainer Dagur Sigurdsson seinen Spielern gestern frei, ab heute werden sich die Füchse „konzentriert auf das kommende Spiel vorbereiten“. Am Sonnabend treten sie in Melsungen an. Sigurdsson weiß, dass nach der überragenden Hinrunde die Erwartungen in der Stadt gestiegen sind. „Aber wenn wir unserer Linie treu bleiben, zu Hause schwer zu schlagen sind und auswärts auch einige Punkte holen, ist alles möglich.“ Das weiß auch Trainer-Kollege Gislason: „Wenn wir nicht aufpassen, können die Füchse sehr schnell wieder Zweiter werden.“