Handball

Berliner Füchse blamieren sich gegen Kiel

Das Spiel gegen den THW Kiel war ein Debakel: Die Berliner mussten Tor um Tor entgegennehmen und kamen kaum aus der Defensive. Die Bilanz: Die höchste Niederlage der Saison geht an die Füchse.

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Enttäuscht schlichen die Spieler der Füchse Berlin vom Feld. Im Spitzenspiel der Handball-Bundesliga waren ihnen die Grenzen gezeigt worden. Die Berliner hielten zwar bis zur 35. Minute noch mit, aber dann waren sie Kiel in allen Belangen unterlegen und verloren beim THW mit 26:35 (13:16). Für die Füchse war es die dritte Saisonniederlage und die höchste zugleich. Dennoch war Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning „nicht unzufrieden“. Er sprach von einer verdienten Niederlage und außergewöhnlich starken Kielern. „Sie haben ihr bestes Saisonspiel gemacht.“ Kein Vorwurf an sein Team: „Da war alles im grünen Bereich.“

Die Berliner waren frohen Mutes an die Förde gefahren. Was hatte sie auch schon zu verlieren, die Überraschungsmannschaft der Liga, die vor der Partie noch zwei Punkte vor den Kielern auf dem zweiten Rang gelegen hatte? Und da war dann auch noch der für die Füchse historische 19. September 2010, als die Berliner in der Max-Schmeling-Halle den haushohen Favoriten THW in der Hinrunde mit 26:23 geschlagen hatten. Stellvertretend für sein Team meinte Trainer Dagur Sigurdsson vor dem erneuten Aufeinandertreffen in der mit 10.250 Fans ausverkauften Ostseehalle: „Wir freuen uns auf die tolle Atmosphäre, wollen jede Minute genießen – und befreit aufspielen.“ Doch ein Genuss wurde es letztlich nicht.

Christian Zeitz, mit acht Treffern überragender Kieler Werfer, erinnerte nach der Partie noch einmal an das Hinspiel: „Diese Niederlage war eine Zusatzmotivation für uns. Da wollten wir etwas gutmachen.“ Man habe so hoch wie möglich gewinnen wollen, auch um ein Zeichen fürs Pokal-Viertelfinale zu setzen, wenn am 3. März die Kieler zu den Füchsen in die Schmeling-Halle kommen. Das ist den Kielern eindrucksvoll gelungen.

Kiel, der Meister der vergangenen sechs Jahre und amtierende Champions-League-Sieger, liegt nach dem Erfolg nun mit fünf Punkten Rückstand hinter Tabellenführer HSV Hamburg auf Rang zwei, punktgleich vor den Füchsen (beide 35:7). Die Hamburger gaben sich keine Blöße: Souverän setzte sich die Mannschaft von Trainer Martin Schwalb mit 35:30 (18:11) beim SC Magdeburg durch.

Rhein-Neckar Löwen patzen

Wobei es für die Füchse bei aller Enttäuschung über die Schlappe auch einen kleinen Grund zur Freude gab. Denn der Vierte, die Rhein-Neckar Löwen, gab beim 26:26 gegen Wetzlar überraschend einen Punkt ab. Damit haben die Berliner als Dritter nun noch vier Zähler Vorsprung vor den Löwen (31:11). Die ersten Drei sind direkt für die Champions League qualifiziert.

Die Kieler begannen gleich mit knallharter Abwehrarbeit, sie wollten sich Respekt verschaffen. Erstes Opfer nach einer Minute war Bartlomiej Jaszka. Der Spielmacher der Berliner machte Bekanntschaft mit den Kielern, blutete stark, seine Lippe musste geklebt werden. Nach 16 Minuten kam der Pole zurück aufs Feld. Zu diesem Zeitpunkt lagen die Füchse 7:9 zurück. Es gelang ihnen in der Anfangsphase nicht, den Kieler Christian Zeitz zu bremsen, der die ersten fünf THW-Treffer im Alleingang erzielte. Berlin ließ sich nicht schrecken, vor allem Jaszka-Vertreter Michal Kubisztal (fünf Tore) traf. Wobei die beiden Torhüter, Silvio Heinevetter bei den Füchsen, Thierry Omeyer bei Kiel, immer wieder starke Paraden zeigten.

Um die 20. Minute herum waren die Berliner eine Zeit lang unaufmerksam, was ein Team wie der THW gnadenlos nutzt: Schnell betrug der Rückstand fünf Tore (10:15). „Wir haben uns in dieser Phase gut zurückgekämpft“, meinte Hanning noch bei Halbzeit. Denn Alexander Petersson und Sven-Sören Christophersen (bester Berliner Werfer mit sechs Treffern) schafften das 13:15. Bei Halbzeit lagen die Berliner 13:16 hinten.

Bis zur 35. Minute sah es noch recht gut aus für die Füchse, sie lagen lediglich 16:18 zurück. Doch dann zogen die Kieler das Tempo an, die Berliner fanden im Angriff und in der Abwehr kein Mittel mehr gegen den Meister. Immer wieder nutzte Kiel die Lücken. Der Rückstand der Gäste wuchs unaufhörlich, nach 50 Minuten waren es zehn Tore Differenz (21:31). Die Fans in Kiel feierten mit „La ola“, sie fühlten sich von ihrer Mannschaft bestens unterhalten. Der Rest war nur noch ein Schaulaufen des THW.