Füchse-Torjäger

Petersson erliegt dem Lockruf des Geldes

Der Rückraumspieler der Füchse Berlin wechselt im Sommer 2012 zu den Rhein-Neckar Löwen. Im Lager des Hauptstadtklubs herrscht Enttäuschung über den personellen Verlust.

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Bei einer Handball-Weltmeisterschaft geht es natürlich zuvorderst um den Titel. Und wenn es mit Gold nicht klappt, soll für die großen Nationen doch wenigstens noch ein Platz auf dem Stockerl herausspringen. Zudem lockt die direkte Olympiaqualifikation. Doch ein bisschen ist das Parkett der WM-Arenen auch so etwas wie ein Laufsteg. Wo sonst tummeln sich die besten Protagonisten einer Sportart derart konzentriert an einem Ort. Das wissen auch die findigen Klubmanager und schauen derzeit in Schweden ganz genau hin. Noch nicht einmal eine Woche laufen die Welttitelkämpfe in Skandinavien, und schon ist der erste Wechsel innerhalb der Bundesliga perfekt. Zum Leidwesen der Füchse Berlin, der Tabellenzweite verliert seinen Rückraumspieler und Torjäger Alexander Petersson an Liga-Konkurrent Rhein-Neckar Löwen. Der isländische Nationalspieler wird seinen auslaufenden Vertrag bei den Füchsen nicht verlängern und wechselt im Sommer 2012 nach Mannheim.

Im Lager des Hauptstadtklubs herrscht Enttäuschung über den personellen Verlust, wenngleich er erst in eineinhalb Jahren vonstatten geht. Vor allen die rasche Entscheidung des 30-jährigen Petersson hinterlässt Unverständnis. „Denn auch wir haben ihm ein gutes Angebot für die nächsten Jahre gemacht“, sagt Hanning, der sich gewünscht hätte, mit Petersson nach der WM in Ruhe über die Zukunft zu reden. Doch der Isländer drängte offenbar auf einen schnellen Entschluss. „Es ist schade, dass er weder mit mir noch mit unserem Trainer das persönliche Gespräch gesucht hat.“ Dabei ist Dagur Sigurdsson wie Petersson Isländer.

Bei den Rhein-Neckar Löwen reiben sich die Verantwortlichen ob des Zugangs schon die Hände. „Ich bin froh, dass sich Alexander Petersson für uns entschieden hat. Er ist auf der rechten Seite variabel einsetzbar und ein sehr abwehrstarker Akteur“, nennt Löwen-Manager Thorsten Storm die Vorzüge des Nationalspielers, der bei den finanzstarken Mannheimern einen Vertrag bis 2015 unterschrieben hat. Petersson selbst gibt an, dass das „Gesamtpaket den Ausschlag“ gegeben habe und erklärt: „Mit den Löwen will ich Titel gewinnen.“ Aber natürlich kann er sich auch auf ein fürstliches Gehalt freuen, immerhin werden die Rhein-Neckar Löwen von SAP-Milliardär Dietmar Hopp unterstützt und verfügen über einen etwa doppelt so hohen Etat wie die Füchse. Bei derlei Summen konnten die Berliner nicht mithalten.

„Trotz der hervorragenden sportlichen Situation, an der Alexander Petersson großen Anteil hat, habe ich immer daran erinnert, dass wir finanziell noch weit von der Spitzengruppe der Bundesliga entfernt sind“, sagt Hanning und weiß als erfahrener Manager natürlich auch, „dass die Leistungen unserer Spieler auch bei anderen Klubs Begehrlichkeiten wecken.“ Trotz der sensationellen sportlichen Bilanz in der vierten Erstligasaison – die Füchse liegen mit 33:5 Punkten hinter dem HSV Hamburg (36:2) auf Rang zwei, vor dem THW Kiel (31:7) und den Rhein-Neckar Löwen (28:10) – warnt Hanning vor Luftschlössern und irrealen Höhenflügen. „Wir haben von Beginn an in Berlin darauf geachtet, dass wir finanzielle Verpflichtungen nur eingehen, wenn sie seriös finanziert sind. Es ist sehr traurig, dass uns Alexander Petersson im Sommer 2012 verlassen wird, aber wir können und wollen mit dem Angebot der Löwen nicht mithalten.“ Die Füchse legen Wert auf ein homogenes Gehaltsgefüge in der Mannschaft. Hanning erklärt: „Unabhängig von den finanziellen Möglichkeiten müssen wir auch darauf achten, dass die Gehaltsstruktur in der Mannschaft stimmt. Das sind wir auch den Spielern schuldig, die deutlich besser dotierte Angebote ausschlagen.“ So passiert bei National-Torhüter Silvio Heinevetter, der ebenfalls von den wirtschaftlich übermächtigen Rhein-Neckar Löwen umworben wurde, schließlich aber seinen Vertrag in Berlin vorzeitig bis 2014 verlängerte.

Im Gegensatz zum Fußball ist es im Handball selten der Fall, Spieler aus bestehenden Verträgen herauszukaufen. Daher ist auch das Gefeilsche um Ablösesummen nicht unbedingt an der Tagessordnung. Zuletzt sorgte der deutsche Nationalspieler Michael „Mimi“ Kraus für Schlagzeilen, als er im Sommer 2010 trotz seines beim TVB Lemgo bis 2012 laufenden Vertrages beim HSV Hamburg anheuerte. Dafür zahlte der Spielmacher einen Teil seiner Ablösesumme von geschätzten 300.000 Euro sogar aus eigener Tasche. Womöglich werden auch die Rhein-Neckar Löwen versuchen, Linkshänder Petersson vorzeitig aus Berlin loszueisen. Geht es nach den Füchsen, würden derlei Versuche ohne Erfolg bleiben. „Ein Wechsel Peterssons vor 2012 kommt für uns nicht in Frage“, stellt Hanning unmissverständlich klar, „wir wollen mit ihm das erste Jahr im Europacup spielen, vorausgesetzt, wir qualifizieren uns dafür.“ Derzeit sieht es sehr danach aus.

Die Befürchtung, dass Alexander Petersson im Wissen seines Wechsels für die Füchse keine Top-Leistung mehr bringt, haben die Berliner nicht. Im Gegenteil, der Linkshänder gilt als vorbildlicher Profi, der stets einhundert Prozent gibt. Hanning: „Er hat sich vor seinem Wechsel nach Berlin auch in Flensburg bis zum letzten Tag voll reingehängt, von daher müssen wir uns da keine Sorgen machen."