Füchse Berlin

Wie die Füchse ihre jungen Talente fördern

Der neue Trainer ist noch nicht im Amt, da lädt er bereits drei junge Berliner Handball-Talente zum Training ein: Gabor Langhans, Johannes Sellin und Colja Löffler sind von heute an drei Tage in der isländischen Hauptstadt Reykjavik. Dorthin hatte Dagur Sigurdsson den Nachwuchs geholt.

Es ist nicht so, dass Gabor Langhans keine Ahnung hätte, was ihn am Ende seiner anstehenden Reise erwartet. Schließlich macht der 19-Jährige im Sommer sein Abitur und weiß schon, dass die Hauptstadt von Island Reykjavík heißt und dass auf der Insel im Norden ziemlich viele Schafe leben.

Im Internet hat er sich über das Wetter informiert und dabei herausgefunden, dass er besser ein paar warme Sachen mitnehmen sollte. Manches ist ihm allerdings unklar, vor allem: "Was sprechen die Leute da eigentlich - Isländisch?"

Sie tun es. Doch die Menschen, mit denen der junge Handball-Profi ab heute drei Tage verbringt, werden zumindest des Englischen mächtig sein. Gemeinsam mit Johannes Sellin und Colja Löffler fliegt Langhans in die isländische Hauptstadt, um am Training von Valur Reykjavík teilzunehmen. Dort arbeitet Dagur Sigurdsson, das ist der zukünftige Trainer des Bundesligisten Füchse Berlin. Und der möchte sich möglichst schnell ein Bild von den größten Talenten seines neuen Klubs machen. Langhans, Sellin und Löffler sind immerhin Nachwuchsnationalspieler. Und vielleicht irgendwann reif dafür, auch in der Bundesliga Tore zu werfen.

Die Reise ist Teil eines langfristigen Konzepts, das die Füchse verfolgen. "Alle zwei Jahre brauche ich einen neuen Berliner Spieler für unsere erste Mannschaft", sagt Manager Bob Hanning. Zuletzt gelang der Sprung in die Bundesliga Martin Murawski (20). Hanning geht es um Identifikation - Berliner Spieler kommen beim Füchse-Publikum natürlich gut an. Der Manager will nach Möglichkeit alle Vereine der Stadt in sein Konzept einbinden. In Kürze gibt es ein Treffen, bei dem offen über Vorteile und Probleme einer solchen Zusammenarbeit diskutiert werden soll. Die Einladung zum Vorspielen nach Reykjavík sieht Hanning als Signal, "dass der Trainer junge Leute fördern will". Das müssen nicht nur Füchse sein.

Der Kurztrip nach Island (Flug, Unterkunft im Hotel) kostet ein paar Euro, aber "das ist eine Zukunftsinvestition und billiger, als neue Spieler zu kaufen", sagt Hanning. Und die jungen Burschen freuen sich. "Das ist eine gute Chance, uns zu beweisen", sagt Langhans. Der zwei Meter große Linkshänder, der wegen eines Kreuzbandrisses monatelang ausgefallen war, hat bei den Füchsen schon einen Vertrag bis 2010 und würde gern einmal gegen Klubs wie THW Kiel oder Flensburg-Handewitt sein Können beweisen.

Vorerst allerdings verstärkt er die zweite Mannschaft, die vor dem Aufstieg in die drittklassige Regionalliga steht und am Wochenende ein vorentscheidendes Spiel gegen Neuruppin bestreitet. Ein Trip nach Island macht wohl Hoffnung, ist allein aber noch nicht das Sprungbrett in die Bundesliga.

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