Formel 1

Die Lewis-Hamilton-Show in Abu Dhabi

Weltmeister Hamilton demonstriert beim Saisonabschluss in Abu Dhabi Klasse. Vettel wird Fünfter - und Ferrari erhält eine Geldstrafe.

Weltmeister Lewis Hamilton feiert auf der Strecke seinen Sieg im letzten Rennen in Abu Dhabi.

Weltmeister Lewis Hamilton feiert auf der Strecke seinen Sieg im letzten Rennen in Abu Dhabi.

Foto: Charles Coates / Getty Images

Abu Dhabi. Lewis Hamilton, der Mann mit dem goldenen Helm, verabschiedet sich weltmeisterlich von dieser Saison. Von der ersten Poleposition seit vier Monaten rast der sechsfache Champion in einer einsamen Fahrt zum Sieg beim Großen Preis von Abu Dhabi, seinem elften Erfolg im 22. Rennen in dieser Saison. Führung vom Start bis ins Ziel, dazu die schnellste Rennrunde – Götterdämmerung auf der Wüsteninsel Yas. Was für eine Machtdemonstration!

Ansonsten ein Finale ohne großes Drama, jedenfalls auf der Rennstrecke. Mit Max Verstappen im Red-Bull-Honda und Charles Leclerc fanden sich die üblichen Verdächtigen neben dem silbernen Dominator auf dem Podium ein – so in etwa darf man sich auch die Titelkandidaten für 2020 vorstellen. Die Abstände werden dann hoffentlich wieder geringer sein.

Hamilton hatte in seinem 250. Grand Prix 16 Sekunden Vorsprung auf Verstappen, dieser wiederum 26 auf Leclerc, der von Anfang an nur unter Vorbehalt fuhr und dem die nachträgliche Disqualifikation droht. Ein Rennen über 55 Runden wie ein Einzelzeitfahren.

Hülkenberg verabschiedet sich als Zwölfter aus der Formel 1

Auf die WM-Wertung hatte der Langweiler im Emirat wenig Auswirkungen, die Top Fünf blieben unverändert: Hamilton mit seiner persönlichen Rekordpunktzahl von 413 Zählern vor Teamkollege Valtteri Bottas (326), Max Verstappen (278), Charles Leclerc (264) und Sebastian Vettel (240). Der Heppenheimer, vor dem Wochenende zum dritten Mal Vater geworden, kam nach einem verbummelten Boxenstopp und einer kruden Taktik durch ein beherztes Manöver gegen Alexander Albon kurz vor Schluss als Fünfter ins Ziel.

Ein passender Schluss für ein sehr durchwachsenes Jahr, das ihn leicht nachdenklich zurücklässt: „Es war nicht das Jahr, das ich wollte. Auch wenn ich es nicht als ganz so schlecht empfinde, kann ich noch besser werden. Ich habe eine Menge lernen müssen.“

Im nächsten Jahr wird er der einsame Deutsche im Feld sein, denn der bei Renault nicht mehr geliebte Nico Hülkenberg verabschiedet sich nach 176 Rennen mit einem zwölften Rang aus der Königsklasse. Symptomatisch, dass er in der letzten Runde noch aus den Punkterängen rutschte. Der 32-Jährige weiß gegenüber dem bei Ferrari derzeit nicht besonders glücklich erscheinenden Vettel zumindest, was vor ihm liegt: „Eine leere Straße...“

Ferrari hat Probleme mit dem Benzin

Piero Ferrari (74) war in die Wüste gereist, um sich mit eigenen Augen zu überzeugen, wie es um die Familienehre in der Formel 1 steht. Der Sohn des Firmen- und Rennstallgründers Enzo hatte befürchten müssen, als Schlichter bei einer neuerlichen Eskalation der Feindschaft zwischen Sebastian Vettel und Charles Leclerc herzuhalten.

Aber es sollte, typisch für diese dunkelrote Saison, noch schlimmer kommen. Bei der routinemäßigen Spritkontrolle vor dem Rennen stellte der Saarländer Jo Bauer einen „signifikanten“ Unterschied zwischen der Benzinmenge fest, die im Tank war und jener, die vom Ferrari vorher angegeben wurde. Der Gesamtverbrauch für einen Grand Prix darf nicht über 110 Kilogramm liegen. Deshalb meldete Kommissar Bauer die Differenz der Rennleitung, die den Verstoß gegen die Regeln bestätigte.

Schon in der Startaufstellung fragte sich die Konkurrenz, warum Leclerc überhaupt von Position drei ins Rennen geschickt worden war, Fälle wie diese führen normalerweise immer zur Disqualifikation. Aber Ferrari muss sehr überzeugend gewirkt haben auf das Schnellgericht und kam trotz des klaren Regelverstoßes mit 50.000 Euro Geldstrafe davon. Wohl auch, weil die Siegerehrung schon Stunden her und es das letzte Rennen der Saison war.

Bottas rollt das Feld von hinten auf

Leclerc hielt sich lange auf dem zweiten Rang, ehe Max Verstappen wieder den Platz beanspruchte, den er am Start hatte. Der Niederländer musste mehr mit den Motoreinstellungen seines Rennwagens kämpfen als mit dem Ferrari. Lamentieren auf hohem Niveau ist auch ein Merkmal hoch talentierter Piloten. Das entscheidende Duell zwischen den beiden war ein Ausblick auf die Formel-1-Zukunft: Rad an Rad, harter Kampf, leichte Berührung – Rennfahren am Limit. Vor Beginn des entscheidenden Renndrittels war der Niederländer wieder am Monegassen vorbei.

Eine ähnlich starke Leistung bot der wegen eines doppelten Motorwechsels ans Ende der Startaufstellung beförderte Valtteri Bottas, der schon in der ersten Runde fünf Plätze gut gemacht hatte, und sich auf einer Strecke, auf der mangels Überholmöglichkeiten schon Weltmeisterschaften verloren worden waren, zwischenzeitlich bis auf Rang drei hoch arbeiten konnte.

Ferrari konterte mit einem doppelten Boxenstopp, um Leclerc und Vettel nochmal mit frischen Reifen für den Schlussspurt auszurüsten. Die latente Verzweiflung, die die Scuderia in unterschiedlicher Form durch das Rennjahr begleitet, war auch bei dieser ungewöhnlichen Taktikfinte zu spüren – einen Podiumsplatz retten müssen gegen einen, der von ganz hinten kommen musste? In Italien hoffen sie inständig, dass Abu Dhabi mit seinem unwürdigen Ergebnis ein Schlusspunkt hinter ein Jahr der Fragezeichen setzt.