Formel 1

Lewis Hamilton und seine Vorgänger

Lewis Hamilton ist der beste Rennfahrer der Gegenwart. Ein Vergleich mit sechs besonderen Piloten, die vor ihm Weltmeister wurden.

Lewis Hamilton ist der größte Rennfahrer seiner Zeit und jagt längst die Rekorde von Michael Schumacher.

Lewis Hamilton ist der größte Rennfahrer seiner Zeit und jagt längst die Rekorde von Michael Schumacher.

Foto: - / dpa

Sao Paulo. Beim Großen Preis von Brasilien am Wochenende stellt sich Lewis Hamilton zum ersten Mal als sechsfacher Formel-1-Weltmeister vor. Und macht gleich weiter mit der Jagd auf Michael Schumacher. Der nächstmögliche Formel-1-Rekord des Kerpeners sind für Hamilton die 91 Siege, 83 hat er selbst bereits. Das Ziel, Schumacher auch nach Titeln einzuholen, formuliert der Brite so nicht. Aber er will den Ferrari-Helden nicht nur ein-, sondern auch überholen und damit selbst als der Größte aller Zeiten, der Gejagte werden. „Ich vergleiche mich mit niemandem“, behauptet der 34-Jährige, gleichwohl er mit vielen der großen Champions seines Sports etwas gemein hat. Sechs Parallelen:

Michael Schumacher (Weltmeister 1994 und 1995, 2000 bis 2004)

Lewis Hamilton ist ein stiller Bewunderer des Rekord-Weltmeisters. Er nimmt von allen aktuellen Formel-1-Fahrern vielleicht am meisten Anteil am Schicksal des Kerpeners nach dessen tragischem Skiunfall. Intuitiv hat er dabei eine der wichtigsten Fähigkeiten von Deutschlands erstem Formel-1-Champion übernommen und definiert sich nicht bloß als Solist in seinem Team, sondern als echter Mannschaftskapitän. Michael Schumacher hat Ende des vergangenen Jahrtausends das Berufsbild des Rennfahrers verändert. Die Hamiltons, Alonsos, Vettels haben sich nach dem Lehrbuch des heute 50-Jährigen entwickelt. Außer Senna polarisiert sonst kaum ein Pilot dieser Güte so wie Schumacher. Hamilton tut es auf seine Art genauso und ist wie Schumacher der wohl „kompletteste“ aller Formel-1-Fahrer.

Juan Manuel Fangio (Weltmeister 1951, 1954 bis 1957)

„El Chueco“, den Krummbeinigen, riefen sie den Argentinier. Dafür hat er aber eine ziemlich gerade Ideallinie hingelegt, im ersten Jahrzehnt der Formel 1 fünf Titel mit vier verschiedenen Marken geholt, auch für Mercedes. Wie Hamilton war er ein Champion der Effizienz. Fangio verkörperte neben der Höchstleistung im Cockpit von Anfang an den Lebemann, aber das mehrte seinen Ruf in der PS-Branche noch – bei Hamiltons vielen großen Auftritten außerhalb der Rennstrecken ist das heute kaum anders. Fangios Serie zeugt von einer Besessenheit für den Motorsport, was wohl auch damit zu tun hat, dass er erst mit 40 begann, die Königsklasse zu erobern. Das steigerte seinen Ehrgeiz eher noch.

Alain Prost (Weltmeister 1985 und 1986, 1989, 1993)

Ein kleiner, zäher, bisweilen wilder Mann hinter dem Steuer, obwohl er hochachtungsvoll „Professor“ genannt wird. Denn er war immer berechnend in seinem Tun und zumeist auch fair, vom Ausnahmezustand mit Ayrton Senna mal abgesehen. Das war die wohl härteste Konfrontation, die es unter Teamkollegen in der Formel 1 gegeben hat. Hamilton gegen Nico Rosberg war dagegen ein Kindergarten. Es gibt Experten, die bis heute behaupten, dass seit Prost niemand mehr eine so gute Fahrzeugabstimmung hinbekommen hat, und schon gar nicht so zuverlässig. Lewis Hamilton, zu Karrierebeginn eher ein Nicht-Techniker, hat sich auch daran ein Beispiel genommen.

Sebastian Vettel (Weltmeister 2010 bis 2013)

Schumacher-Poster im Jugendzimmer an der Bergstraße, ein Aufkleber von Red Bull auf dem Go-Kart – zwei ausgesprochen wichtige Bestandteile im Werdegang des Hessen. Deutschlands zweiter Formel-1-Champion unternimmt jetzt seinen sechsten Anlauf, mit Ferrari Champion zu werden. Das lässt den 32-Jährigen momentan unglücklich erscheinen, aber der Heppenheimer ist wahrscheinlich derjenige in der Königsklasse, der nach Fangio und Hamilton den größten Ehrgeiz hat. Erst mit der Zeit hat er Ecken und Kanten entwickelt. Vettel pflegt ein sehr intensives Verhältnis zu seinem Sport, und er ist jemand, der es für völlig normal hält, sich Erfolg hart erarbeiten zu müssen. Das eint ihn im Werdegang mit Hamilton.

Ayrton Senna (Weltmeister 1988, 1990 und 1991)

Auf der Kartbahn muss Lewis Hamilton einen gelben Helm tragen, damit Papa Anthony auf den ersten Blick immer erkennen kann, wo der Sohnemann im Rennen liegt. Gelb, wie die Senna-Farbe. Das Spirituelle verbindet den Draufgänger der Neunziger und den Champion der Neuzeit. Beide ausgestattet mit der unvergleichlichen Fähigkeit, alles, was sie haben, in eine schnelle Qualifikationsrunde zu packen. Der Brasilianer vergaß darüber manchmal sogar zu atmen, Hamilton hat inzwischen diese Synchronisation und Konzentration perfektioniert wie kein anderer, kommt als Rekordhalter auf 87 Polepositionen und übertrifft sein Idol (65) damit bei Weitem. Ähnlich sind sich die beiden in der Rücksichtslosigkeit gegen sich selbst und andere – falls nötig.

Jackie Stewart (Weltmeister 1969, 1971, 1973)

Ein cooler Typ, würde man heute sagen, neben dem Österreicher Jochen Rindt war der Schotte der erste Popstar der Formel 1 und damit ein früher Vorgänger der Modeikone Lewis Hamilton. Es waren die wildesten und auch gefährlichsten Jahre der Königsklasse, in denen Stewart zum Maßstab und zum Klassensprecher für die Sicherheit wurde. Der inzwischen 80-Jährige, der nicht lesen und schreiben kann, ist auch der geschäftstüchtigste unter den Piloten der 70er-Jahre. Ein purer Instinktmensch, auch auf der Rennstrecke. Mit einem besonders sauberen Fahrstil.