Formel 1

Keiner ist schneller als Red Bull

Die Halbzeitbilanz in der Formel 1 sieht eine rasante Red-Bull-Boxencrew und einen Deutschen, für den das Podium unerreichbar scheint.

Die Red-Bull-Boxencrew ist blitzschnell beim Reifenwechsel.

Die Red-Bull-Boxencrew ist blitzschnell beim Reifenwechsel.

Foto: HOCH ZWEI / picture alliance / HOCH ZWEI

Budapest. Die Spannung in der Formel 1 hat wieder zugenommen, die Rennen nehmen ab. Das Hockenheim-Spektakel war der Wendepunkt der Saison, jedenfalls rein rechnerisch. Zehn Rennen liegen noch vor den zehn Teams, beginnend an diesem Wochenende mit dem Großen Preis von Ungarn.

Letzte Chance für eine Bilanz der ersten Saisonhälfte – eine etwas andere. Sie kommt sogar ganz ohne Sebastian Vettel und Lewis Hamilton aus, und teilt die Champs und die Chaoten zur Renn-Halbzeit in Charismatiker und Dramatiker.

Die Charismatiker in der Formel 1

Die Boxencrew von Red Bull: Selbst von den Launen des badischen Sommer-Unwetters haben sich die Garagenbullen aus Milton Keynes nicht davon abhalten lassen, den frischen Weltrekord für Reifenwechsel zum zweiten Mal in Folge zu verbessern: Kompletter Service für Max Verstappen in unglaublichen 1,88 Sekunden – dank einer perfekten Choreographie. Die Mechaniker können das tatsächlich blind. Rasanter geht es im Stehen wohl nicht.

Robert Kubica: Na gut, es brauchte schon die Hilfe von zwei Zeitstrafen für andere, aber der Pole, der Formel 1 mit nur einem funktionsfähigen Arm fährt, hat den ersten WM-Punkt seiner zweiten Karriere eingefahren. Der 34-Jährige meistert sein Schicksal und den Williams, das schlechteste Auto im Feld, mit links. Und beweist nebenbei, dass es sogar für Dickköpfe Helme gibt.

Charles Leclerc: Typischer Vertreter der Anpasser-Generation. Aber wenigstens mal einer im positiven Sinn. Kaum hatte er sich den ersten Sieg vom mal kurz aufrüpelnden Max Verstappen wegschnappen lassen, kündigte der Monegasse an, sich künftig auch nach der Bodycheck-Taktik zu richten. Gesagt, getan. Und den zu großen Respekt vor dem Ruhm von Ferrari hat er auch abgelegt: „Jetzt traue ich mich, den Rennwagen an meine Vorstellungen anpassen zu lassen.“ Erst 21, und fast wunschlos glücklich.

Oranje Army: Dass sie auch den Kehrmaschinen zujubeln, ist ein netter Zug, und viele der Verstappen-Fans könnte man wegen der orangefarbenen Hemden und oft auch Hosen tatsächlich mit Müllmännern verwechseln. Dabei räumen sie nicht ab, sondern füllen auf – zu Tausenden die Tribünen in ganz Europa. 2020 bekommen sie deshalb ein Heimspiel in Zandvoort. Merke: Rennwagen und Wohnwagen gehören irgendwie zusammen.

Die Dramatiker in der Formel 1

Franz Tost: Der Österreicher spricht nicht nur mit einem harten Akzent, offenbar ist auch seine Seele aus karbonartigem Material geformt. Bei der Diskussion, wie viel Rennen den Mechanikern zuzumuten sind, steigen die Teamchefs der Top-Rennställe bei 21 aus. Tost, der den Talentschuppen Toro Rosso befehligt, rechnet anders. „Die Familien sind mir egal. Wir haben 52 Wochenenden pro Jahr. Da können wir locker 26 Grand Prix fahren. Wo liegt das Problem?“ Wusste ja schon Steve McQueen: Rennen ist leben, die Zeit dazwischen bloß warten.

Kevin Magnussen und Romain Grosjean: Crash. Boom. Bang. Das Verhältnis der beiden Piloten des Haas-Rennstalls lässt sich am besten in der Comic-Sprache beschreiben. Der Däne und der Franzose inszenieren sich als harte Typen, dabei sind es nur zwei eher durchschnittlich talentierte Rennfahrer, die keinen Rückspiegel brauchen, weil ihnen der Tunnelblick genügt. Besonders vorausschauend ist das nicht: Zweimal in Folge sind sie sich jetzt gegenseitig in die Autos gefahren. Ein Fall für den Psychologen.

Nico Hülkenberg: Die Bild-Zeitung hat ihn zum traurigsten Deutschen ernannt. Ganz so schlimm wird es schon nicht sein, der Spediteurs-Sohn ist ja vieles gewohnt. 165 Formel-1-Rennen ohne einmal das Podium aus nächster Nähe erlebt zu haben. Dann ganz nah dran, Zweiter beim Heimspiel. Bis er sich selbst aus dem Rennen dreht, Aquaplaning mal Fahrfehler. Der Pechvogel aus Emmerich spricht von einer „bitteren Pille“. Jetzt muss der bald 32-Jährige wohl noch ein bisschen mehr um seine Vertragsverlängerung bei Renault zittern.

Lance Stroll: Nicht eins, sondern gleich zwei Teams hat Papa Lawrence seinem Sohnemann gekauft, damit dieser mal der nächste Schumi wird. Jetzt fährt der 20 Jahre alte Kanadier seine dritte Saison in der Formel 1, hat als einziger Fahrer im Feld noch kein Trainingsduell mit dem Teamkollegen gewonnen und scheint irgendwie die Lust an der eigenen Karriere verloren zu haben. Guter Rat ist teuer, wobei es teurer eigentlich kaum geht: Freundlich geschätzt sind schon eine Viertelmilliarde Dollar in das Unternehmen Lance gesteckt worden. Ren(n)dite fraglich.