Formel 1

Max Verstappen stoppt den Lauf von Mercedes

Max Verstappen hat den Großen Preis von Österreich gewonnen. Der Niederländer musste dreieinhalb Stunden warten, bis er jubeln durfte.

Max Verstappen aus den Niederlanden vom Team Red Bull Racing bejubelt seinen Sieg.

Max Verstappen aus den Niederlanden vom Team Red Bull Racing bejubelt seinen Sieg.

Foto: Georg Hochmuth / dpa

Spielberg. Als die Jungstars der Formel 1 die monatelange Mercedes-Dominanz mit Wucht durchbrachen, wirkte Sebastian Vettel mal wieder wie ein Auslaufmodell. Sieger Max Verstappen im Red Bull und Ferraris Kronprinz Charles Leclerc waren die Helden des Großen Preises von Österreich - und bescherten der Königsklasse die wohl spannendste Schlussphase dieses Jahres. Vettel kam nach einem turbulenten Wochenende mit Pech und Pannen trotz guter Leistung nur zu Rang vier.

Im Kampf um den Sieg ging es in den letzten Runden so hart zur Sache, dass die Rennleitung das Duell zwischen Verstappen und Leclerc lange untersuchte - erst dreieinhalb Stunden nach Rennende war klar: Der Sieger bleibt Verstappen. Ferrari-Teamchef nannte die Entscheidung in einem ersten Statement am Sonntagabend zwar "falsch, aber wir werden sie im Sinne des Sports akzeptieren".

Leclercs mieses Gefühl

Als "Racing, hartes Racing" bezeichnete Verstappen sein rennentscheidendes Überholmanöver gegen Leclerc, "das ist doch besser als langweilig hintereinander herzufahren, oder nicht? Wenn solche Dinge nicht erlaubt sind, macht es keinen Sinn, Formel 1 zu fahren."

Leclerc, ebenfalls 21, ließ die Podiumszeremonie mit versteinerter Miene über sich ergehen. Und klagte über den Kontakt mit Verstappen in der fraglichen Szene: "Ich konnte gar nichts machen. Es ist ein mieses Gefühl, dass die Entscheidung am Grünen Tisch fällt."

Für Vettel kam am Wochenende in der Steiermark mal wieder einiges zusammen. Er wurde im Qualifying von Technik-Problemen ausgebremst, startete das Rennen daher im Mittelfeld, zudem verschlief seine Boxencrew wegen einer Funkpanne den Reifenwechsel.

"Es gab ein paar Sachen, die nicht passieren dürfen", sagte Vettel: "Das Rennen war grundsätzlich okay, mit ein bisschen Glück hätte es sogar zum dritten Platz gereicht. Richtig bitter war, was im Qualifying passiert ist." Eine defekte Druckluftleitung zum Motor hatte Vettels Ambitionen vorzeitig beendet und ihm Startplatz neun beschert.

Bottas bester Mercedes-Fahrer auf Rang drei

Ganz ohne Vettels Hilfe stand im neunten Rennen der Saison erstmals kein Mercedes-Pilot ganz oben auf dem Podium, Valtteri Bottas rettete Rang drei ins Ziel, Weltmeister Lewis Hamilton wurde von Vettel noch auf den fünften Platz verdrängt. Die Mercedes-Niederlage kam nicht überraschend, allerdings hatte vieles dafür gesprochen, dass auf den langen Geraden in Spielberg endlich der stark motorisierte Ferrari an der Reihe ist.

Doch Verstappen fuhr beim Heimspiel seines Rennstalls wie entfesselt. Zehntausende Fans in Oranje sorgten für eine Atmosphäre wie im Fußballstadion, als er Leclerc niederrang, bei der Siegerehrung tauchten sie die Start-Ziel-Gerade in Orange.

Nico Hülkenberg landete im Renault letztlich auf dem 13. Platz. Im WM-Klassement führt Hamilton (197 Punkte) weiter souverän vor Bottas (166) und Verstappen (126). Vettel (123) fiel auf den vierten Gesamtrang zurück.

Als Vettels Reifen nicht bereit lagen

Das Rennen am Sonntag war aufregender Abschluss eines unterhaltsamen Wochenendes, das die Formel 1 nach dem jüngsten Langeweiler in Frankreich dringend benötigte. Schon das Qualifying verlief wild, Leclerc fuhr zur Pole, dahinter starteten Verstappen, Bottas und Hamilton.

An der Spitze des Feldes kam Leclerc gleich fehlerfrei weg und behauptete die Führung. Verstappen hatte dagegen große Probleme und fiel zunächst weit zurück - er fand sich nach der ersten Kurve sogar hinter Vettel wieder. Der reihte sich als Sechster ein und arbeitete sich weiter vor.

Nach sieben Runden lag Vettel auf Rang vier und kam auch dem drittplatzierten Hamilton immer näher - dann folgte der zweite Rückschlag innerhalb von 24 Stunden: Als Vettel an die Box kam, lagen seine Reifen noch nicht bereit.

Dennoch blieb er zunächst vor Verstappen, der nun allerdings immer stärker wurde. "Das Auto ist in der zweiten Rennhälfte zum Leben erwacht", sagte der Niederländer später. Er arbeitete sich recht locker auf Rang zwei vor und tauchte bald in Leclercs Rückspiegel auf.

Der Showdown folgte in den letzten Runden. Zweimal konnte der Ferrari-Youngster die Angriffe abwehren, dann ging Verstappen mit seinem aggressiven Manöver vorbei. "Was zur Hölle war das!", fluchte Leclerc im Boxenfunk, wenig später fuhr Verstappen unter dem Jubel der Oranje-Fans als Erster über die Linie.