Motorsport

Selbst Ecclestone findet Formel E nun besser als Formel 1

Inzwischen lässt die Technik auch aggressiveren Fahrstil zu. Das führt leider auch zu spektakuläreren Unfällen.

BMW-Pilot Antonio Felix da Costa führt die Saisonwertung vor dem Rennen in Rom an.

BMW-Pilot Antonio Felix da Costa führt die Saisonwertung vor dem Rennen in Rom an.

Foto: Handout / Getty Images

Bernie Ecclestone (88) war es, der in dieser Woche der Formel E den Ritterschlag erteilte. Ausgerechnet Ecclestone, schließlich war der Brite fast vier Jahrzehnte Geschäftsführer der Formel 1 und bislang nicht gerade als Anhänger des elektrischen Rennsports bekannt. Ausgerechnet vorm 1000. Grand Prix der Formel 1 in China (Sonntag 8.10 Uhr) erklärte er nun aber, er würde sich heute eher für die Formel E entscheiden. „Es ist eine andere Form der Unterhaltung, aber die Formel E wird viel, viel größer und besser werden“, sagte er.

In Sachen Spannung und Action hat die Formel E der vermeintlichen Königsklasse längst den Rang abgelaufen. In den ersten sechs Saisonrennen gab es sechs verschiedene Sieger, nur einmal konnte dabei der Schnellste aus der Qualifikation seine Poleposition im Rennen verteidigen. In Rom am Sonnabend (16 Uhr, ZDF und Eurosport) haben gleich elf Piloten und damit die Hälfte des Fahrerfeldes die Chance, die Gesamtführung zu übernehmen. Momentan liegt Antonio Felix da Costa (BMW) mit einem Punkt Vorsprung auf Jerome d’Ambrosio (Mahindra) an der WM-Spitze.

Auch das 1000. Rennen bietet nur das ewig gleiche Duell

„Das ist die offenste Meisterschaft im Motorsport aller Zeiten“, meint Formel-E-Chef Alejandro Agag. Ein Seitenhieb in Richtung Formel 1, die auch zum Jubiläum nur das ewig gleiche Duell zwischen Mercedes und Ferrari bietet. Auch terminlich treten die Rennserien in den nächsten Wochen in direkte Konkurrenz: Die zweite Saisonhälfte der Formel E mit den Europarennen überlappt sich komplett mit der Formel 1. Auch die Veranstaltung in Berlin am 25. Mai wird am selben Wochenende stattfinden wie der Grand Prix in Monaco.

Die Regeln der Formel E unterstützen diese Ausgeglichenheit. Die Serie setzt auf Einheitschassis, auch die Batterie ist für alle Teams vorgegeben. So soll ein teures Wettrüsten wie in der Formel 1 verhindert werden. Zudem sieht der Rennmodus vor, dass im Qualifying lediglich eine Runde gefahren wird. Ein einziger Fehler genügt, um in der Startaufstellung weit nach hinten zu rücken, ohne Chance zur Korrektur. Die Bedenken, dass durch die Weiterentwicklung der Elektrotechnik das Energiemanagement weniger wichtig und die Formel E dadurch vorhersehbarer würde, haben sich bisher nicht bestätigt.

Nur wenn wegen Unfällen das Safety-Car auf die Strecke muss, rückt dieser Aspekt in den Hintergrund. „Die verrinnende Zeit frisst das Energiethema auf und wir können dann tatsächlich nahezu durchgehend Vollgas fahren“, erklärt Daniel Abt vom Audi-Rennstall. „Dann kann es schon vorkommen, dass man sich über den Haufen fährt“, so der mit zwei Siegen erfolgreichste Deutsche in der Formel-E-Geschichte.

Tatsächlich häuften sich in den vergangen Rennen die Unfälle. So sehr, dass Audi-Motorsportchef Dieter Gass bereits schimpfte, die Formel E müsse aufpassen, dass sie nicht zu einem Demolition-Derby verkommt. Das neue Generation-2-Auto ist robust genug, um solche Karambolagen zuzulassen. „Das hat dazu geführt, dass sich die Fahrer eher trauen, den Konkurrenten auch zu berühren. Der Fahrstil ist aggressiver geworden“, sagt Abt. Man müsse zwar darauf achten, dass es nicht Überhand nimmt. „Doch letztendlich es ist eine Veranstaltung, bei der Leute zuschauen, die eine gute Show erleben wollen. Für den Fahrer ist es natürlich nicht schön, wenn er in der Mauer landet. Aber für die Zuschauer ist das Teil des Spektakels.“