Formel E

Wehrlein: „Ich habe so viel Spaß wie noch nie“

Pascal Wehrlein über seinen erfolgreichen Einstieg in die Formel E und die Spannungs-Unterschiede zur bald startenden Formel 1

Pascal Wehrlein (M.) hat erst drei Rennen in der Formel E bestritten, mischt aber munter im Titelkampf

Pascal Wehrlein (M.) hat erst drei Rennen in der Formel E bestritten, mischt aber munter im Titelkampf

Foto: GERMAIN HAZARD / picture alliance / DPPI Media

Berlin/Hongkong.  Pascal Wehrlein (24) hat die Formel E im Sturm erobert. Das erste Rennen hatte der Deutsche, der für den indischen Mahindra-Rennstall fährt, noch verpasst, weil die Freigabe vom alten Arbeitgeber Mercedes fehlte. In der Gesamtwertung ist Wehrlein vor dem fünften Lauf am Sonntag in Hongkong (9 Uhr, Eurosport) trotzdem schon Fünfter. Zuvor fuhr er Formel 1 und war 2015 DTM-Champion.

Sie sind bis 2017 in der Formel 1 gefahren. Ende 2018 haben Sie den Wechsel aus der DTM in die Formel E erklärt, was als Trostpflaster angesehen wurde. Wie haben Sie es selbst empfunden?

Pascal Wehrlein: Es ist mir egal, was die anderen denken. Ich habe in diesem Jahr so viel Spaß am Motorsport wie noch nie. In der Formel 1 bin ich ja immer für die langsamsten Teams gefahren, für Manor und Sauber. Die Formel 1 ist ein Erlebnis, aber der Spaßfaktor hält sich in Grenzen, wenn man schon vorher weiß, dass man maximal um Platz 15 fährt, weil das Auto nicht mehr hergibt. In der Formel E kämpfe ich jetzt jedes Wochenende um den Sieg.

Hätten Sie gedacht, dass die Umstellung so schnell gelingt?

Ich habe immer die größten Erwartungen an mich selbst. Dass es gleich so gut läuft, hätte ich aber auch nicht erwartet. So wie es momentan läuft, haben wir sogar das Potenzial, den Titel zu holen.

Heidfeld gibt seine Erfahrung an ihn weiter

Sie könnten sogar besser da stehen, wenn nicht in Mexiko 50 Meter vor dem Ziel die Batterie leer gewesen wäre. Haben Sie da erst begriffen, wie kompliziert das Energiemanagement der Elektrorenner ist?

Man muss als Fahrer in der Formel E sehr viel nachdenken, wie man die Energie optimal einsetzt. Jeder versucht, so schnell wie möglich zu fahren und dabei so wenig Energie wie möglich zu verbrauchen – das sind zwei Dinge, die eigentlich nicht zusammenpassen. Mein Problem in Mexiko war, dass ich am Anfang zu viel Energie verbrauchte. Der Fahrer hinter mir, dessen Batterie später ebenfalls frühzeitig leer war, hat viel Druck gemacht, und ich habe gedacht, dass ich ihn hinter mir halten muss. Letztlich hätte ich ihn vielleicht besser passieren lassen sollen. Man darf sich von anderen nicht verleiten lassen.

Welche Rolle spielt Ihr Mentor Nick Heidfeld?

Nick unterstützt Mahindra als Berater und hilft mir mit seiner Erfahrung sehr. Er erklärt mir, worauf ich achten muss. Zum Beispiel fährt man in der Formel 1 im Qualifying gegenüber dem freien Training noch einmal deutlich schneller. In der Formel E ist genau das Gegenteil der Fall. Da Training, Qualifying und Rennen an einem Tag stattfinden, bliebe nur wenig Zeit, um die Daten zu studieren und Dinge zu verändern.

Noch mehr deutsche Hersteller steigen ein

Erklärt das auch, weshalb die Formel E so unberechenbar ist? In den ersten vier Saisonläufen gab es vier verschiedene Sieger.

Der Grund ist eher, dass in der Formel E mit Einheitsautos gefahren wird. Die Teams können nur an wenigen Stellen etwas verändern – so haben alle Rennwagen zum Beispiel die gleiche Batterie. Durch die vielen Einheitsbauteile liegt das Feld extrem eng zusammen, im Qualifying meist weniger als eine Sekunde. Das macht es spannend.

Schon jetzt sind zahlreiche Hersteller wie BMW, Audi, Jaguar oder Nissan in der Formel E vertreten. Nächste Saison stoßen noch Mercedes und Porsche dazu. Befürchten Sie eine Entwicklung wie in der Formel 1, in der die Teams mit dem meisten Geld siegen?

Ich mag die Idee nicht, dass derjenige mit dem meisten Geld gewinnt. Dadurch, dass vieles eng reglementiert ist und die Teams nur bestimmte Bereiche entwickeln dürfen, sehe ich diese Gefahr momentan aber auch nicht. Es könnte jedoch dann ein Problem werden, wenn man die Teams frei entwickeln lässt.

Keine Lust mehr auf Rennen um Platz 15

Was würden Sie sich für die weitere Entwicklung der Formel E wünschen, die am 25. Mai auch wieder in Berlin gastiert?

Die Formel E fährt in attraktiven Städten und das Fahrerniveau ist sehr hoch. Da braucht man sich nicht hinter anderen Rennserien zu verstecken. Für meinen Geschmack dürften die Wagen gern noch ein bisschen schneller fahren. Und mehr Rennen in Deutschland wären toll. Bei so vielen Herstellern aus Deutschland hätten wir auch ein gutes Argument.

Sie sind nebenher auch Simulatorfahrer für Ferrari in der Formel 1. Wollten Sie da einen Fuß in der Tür behalten?

Die Formel E geht von Dezember bis Juli. Da bleibt Zeit, um andere Dinge zu tun. Ob es ein Weg zurück in die Formel 1 sein kann, muss man abwarten. Aber ich möchte nicht mehr für Teams fahren, für die Platz 15 das Maximum ist.