Silverstone

Sebastian Vettel stiehlt Lewis Hamilton den Heimsieg

Der Ferrari-Pilot liefert in Silverstone ein starkes Rennen ab und verdirbt Weltmeister Lewis Hamilton das Wochenende.

Braver Applaus für den Sieger: Lewis Hamilton ist verhalten begeistert vom Erfolg Sebastian Vettels

Braver Applaus für den Sieger: Lewis Hamilton ist verhalten begeistert vom Erfolg Sebastian Vettels

Foto: pa

Silverstone. Der Rennsonntag fing mit einem deutschen Sieg durch Maxi Günther in der Formel 2 an, da wollte Sebastian Vettel nicht nachstehen: Der Ferrari-Pilot fuhr beim Großen Preis von Großbritannien den vierten Saisonsieg ein und kommt damit als WM-Spitzenreiter in zwei Wochen auf den Hockenheimring, mit 171:163 Punkten. Sein großer Gegenspieler Lewis Hamilton wurde Zweiter, nachdem er von Kimi Räikkönen nach dem Start schon von der Piste gerammt worden war und als Letzter die Verfolgung aufnehmen musste. Ein verrücktes, aber grandioses Formel-1-Rennen.

51. Grand-Prix-Sieg für Vettel

„Ich bin sehr, sehr glücklich“ sagt Vettel nach seinem 51. Grand-Prix-Sieg, der ihn in der ewigen Bestenliste zusammen mit Alain Prost auf Rang drei bringt, „ein fantastisches Rennen. Es hat mir viel Spaß gemacht, den Leuten sicher auch.“ Die Nackenschmerzen, die ihn noch tags zuvor plagten, spielten keine Rolle mehr, das Tape klebte aus Vorsicht am Hals. Der geschlagene Hamilton sorgte für einen Affront, er kam nicht zu den Siegerinterviews auf der Zielgeraden. Ärger und Frust an einem Tag, der der größte dieser Saison werden sollte. Buhrufe für Vettel und Räikkönen, Pfiffe auch für Hamilton, die Atmosphäre aufgeheizt. „Sorry, dass ich es nicht geschafft habe heute. Aber ich werde nicht aufgeben“, rief Hamilton, nachdem die Menge die Piste gestürmt hatte.

Der Vorsprung für Vettel in der WM-Wertung wächst

Nach einer der besten Qualifikationsrunden seines Rennfahrerlebens stand Hamilton zum sechsten Mal auf der Poleposition in Silverstone, das ist Rekord. Doch was das sonnabendliche Delirium wert ist, zeigt sich immer erst am Sonntag. Diesmal drehten die Reifen an Hamiltons Silberpfeil durch. Der Mann, der sich den sechsten Sieg beim Heimspiel vorgenommen hatte, kam nicht richtig voran. Rechts zog Vettel vorbei, auch der Finne Valtteri Bottas. In dem Moment, als der Weltmeister dem Duo nachhetzte, traf ihn ein Schlag von hinten. Kimi Räikkönen hatte ihm mit dem Ferrari einen Bodycheck gegeben, Hamilton kreiselte raus. Als sich der Staub legte, war Hamilton 18. „Mein Fehler, das passiert manchmal“, gab Räikkönen zu.

Doch die Wut trieb Hamilton

„Du machst einen Riesenjob“, hieß es über Funk. Nach sechs Runden war Hamilton schon wieder in den Punkterängen, justament als Räikkönen für seinen Rammstoß eine Zehn-Sekunden-Strafe aufgebrummt wurde. Fast ein bisschen wenig dafür, dass er Hamilton und dem Publikum das Rennen kaputt gemacht hatte. Es ging immer weiter nach vorn, in der elften Runde hatte er den Renault von Nico Hülkenberg überholt und damit den Pulk der langsameren Autos hinter sich gelassen.

Hamilton blieb am längsten von der Spitzengruppe draußen, seine Reifen waren trotz der brütenden Hitze und einer Asphalttemperatur von 53 Grad Celsius noch in Ordnung. Seinen Teamkollegen Bottas hat er passieren lassen, damit dieser Vettel angreifen konnte. Und Bottas rückte an Vettel heran, den ein Reifenproblem quälte. Doch die lila Zahlenkolonnen, die auf den Zeitenschirmen von den schnellsten Runden künden, leuchteten für Hamilton auf, er fuhr anderthalb Sekunden schneller als die Spitze. Da fuhr einer mit sich selbst um die Wette.

20 Runden vor Schluss eine Safety-Car-Phase

Ein Hochgeschwindigkeitsunfall von Marcus Ericsson rief aber der 20 Runden vor Schluss eine Safety-Car-Phase hervor. Der große Vorsprung von Vettel auf Hamilton war dahin. Vier der ersten Sechs nutzten die Neutralisierung zum nochmaligen Reifenwechsel, nur die Mercedes-Piloten nicht. Bottas führte vor Vettel und Hamilton. Vor dem Re-Start war Hamilton wegen der frischen Pneus der Konkurrenz beunruhigt, aber der Kommandostand versuchte ihn zu überzeugen: „Du hast das schnellste Auto im Feld.“ Es war das dritte Mal in der Saison, dass die Mercedes-Strategen diese Chance verstreichen ließen, zweimal ging das schief. Hamilton schien nicht einverstanden.

Ein Unfall von Romain Grosjean und Carlos Sainz

Elf Runden vor dem Ende wieder das Spielchen zwischen Bottas und Vettel, Hamilton lauerte. Doch das Führungsduo wollte es unter sich ausmachen. Vettel setzte Bottas mehrfach unter Druck. Der zehnte WM-Lauf wurd immer munterer. Vettel und Räikkönen attackierten die Silberpfeile jetzt synchron, echte Ekstase. Die vier besten Rennwagen innerhalb von zwei Sekunden, das hieß: doppelte Kampflinie.

Fünf Runden vor Schluss schnappte sich Vettel dann Bottas. „Nice Seb, Grande“, kommentiert der Renningenieur. Ein ähnliches Manöver lieferten sich Hamilton und Bottas, damit es nicht zu sehr nach Stallorder aussieht, als sie die Plätze tauschten. Bottas zog auch im finnischen Duell mit Räikkönen den Kürzeren. Ein italienischer Funkspruch beendete das Rennen dann standesgemäß: „Grandissimo!“

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