Formel 1

Doppeltes Desaster für Mercedes

Beide Mercedes-Piloten scheiden in Spielberg aus, Taktikfehler kostet den Sieg. Red-Bull-Pilot Verstappen gewinnt.

Mercedes war schnell in Österreich, Lewis Hamilton (v.) und Valtteri Bottas fielen aber beide mit Technikproblemen aus

Mercedes war schnell in Österreich, Lewis Hamilton (v.) und Valtteri Bottas fielen aber beide mit Technikproblemen aus

Foto: Charles Coates / Getty Images

Spielberg.  Technik, Taktik, Trauma und nur noch ein Pünktchen, das über die WM-Führung entscheidet. Im Duell zwischen Ferrari-Pilot Sebastian Vettel und Weltmeister Lewis Hamilton steht es 146:145 – die Formel 1 ist im Nu wieder spannend geworden. Und das vor allem, weil Mercedes beim Großen Preis von Österreich den ersten mechanisch bedingten Doppelausfall der Hybrid-Ära beklagen musste. Nacheinander quittierten die aus der ersten Reihe gestarteten Silberpfeile von Valtteri Bottas und Hamilton den Dienst. Durch das Mehrfach-Desaster kam Red-Bull-Pilot Max Verstappen zu seinem ersten Saisonsieg.

Ein doppelter Heimerfolg für den Niederländer, nicht nur, weil das Rennen auf dem Red-Bull-Ring in Spielberg ausgetragen wird. Mehr als 20.000 Landsleute färbten die Tribünen in der Steiermark orange. Von Startplatz vier zum vierten Sieg, das war maximal. Von der Leistung her, aber auch vom Glück. „Das fühlt sich so guuuuut an. So will ich weitermachen“, sagte der 20-Jährige, am liebsten schon am nächsten Wochenende bei Hamiltons Heimspiel in Silverstone.

Sebastian Vettel sammelte als Dritter hinter Ferrari-Kollege Kimi Räikkönen derweil Punkte beim Publikum: „Ich kann Max nur gratulieren zu diesem sehr guten Rennen. Sehr konstant, keine Fehler. Was mich angeht, wäre ich gern etwas weiter vorn gestartet.” Der Heppenheimer hatte diesmal seine Strafe schon vor dem Start kassiert, nachdem er in der Qualifikation Carlos Sainz unbeabsichtigt behindert hatte. Deshalb war er von Rang drei auf sechs zurückgestuft worden, was im Nachhinein nochmal härter ist, weil es ihn einen möglichen Sieg gekostet hat.

Vettel profitiert und übernimmt WM-Führung

Erst sah es gut aus für Hamilton, im Startgedränge setzte sich der Weltmeister auch ganz gut durch. Zwar konnte sich Räikkönens Ferrari kurzfristig zwischen die beiden Silberpfeile schieben, Hamilton löste sich jedoch am besten aus dem Sandwich und hielt nach drei Kurven auch seinen aus der Poleposition gestarteten Teamkollegen Valtteri Bottas hinter sich. Danach sammelten sich schon die nach der Qualifikation zerstrittenen Red-Bull-Piloten Max Verstappen und Daniel Ricciardo. Sebastian Vettel fiel zunächst sogar von Rang sechs auf acht zurück. Ein munteres Treiben, zumindest fünf Minuten lang. Danach schien alles seinen Gang zu gehen, alles deutete auf einen Doppelerfolg der Silberpfeile hin.

Bis die Technik die Regie übernahm. Besser gesagt: deren Unzuverlässigkeit. Erst verabschiedete sich in der 14. Runde Valtteri Bottas und rollte ohne Hydraulikdruck aus. Der Finne ist einer der großen Pechvögel der Saison, und sein Schicksal riss auch Lewis Hamilton mit ins sportliche Unglück. Weil ein Bergekran benötigt wurde, entschied die Rennleitung in der 15. Runde auf „Virtuelles Safety Car“, das bedeutet Überholverbot und 40 Prozent weniger Tempo. Das war nicht das Problem von Spitzenreiter Hamilton. Die Dramatik lag anderswo: Seine Verfolger von Red Bull und Ferrari rollten an die Boxen und nutzten die Neutralisierung des Rennens. Hamilton blieb als einziger der Spitzenfahrer draußen. „Wir haben verloren in dieser Phase, Du musst acht Sekunden aufholen“, funkte der Mercedes-Kommandostand an Hamilton, der völlig fassungslos antwortete: „Wie ist denn das passiert!? Auf diesen Reifen kann ich das nicht schaffen.” Dann schaltete sich der Chefstratege James Vowles ein: „Es war mein Fehler, tu einfach, was Du kannst.“ Zum zweiten Mal nach dem Saisonauftakt in Australien gab die als beinahe unfehlbar geltende Mercedes-Strategieabteilung einen sicheren Sieg her.

Weltmeister fällt zum ersten Mal nach 33 Rennen aus

In Down Under profitierte Vettel, nun setzten sich Verstappen und Ricciardo vorne fest, als zehn Runden nach dem Taktikfehler Hamilton seinen Reifenwechsel einlegte, und die Konkurrenz passieren lassen musste. Bei 45 Grad Asphalttemperatur wurde dann auch das Rennen in Österreich wieder zum Reifenpoker. Hamiltons Pneus warfen Blasen. Bei Ferrari frohlockten sie. Und Hamilton verlor die Lust: „So kann ich keinen überholen, wir haben den Sieg weggeworfen“, funkt er an die Ingenieure. James Vowles korrigiert ihn: „Nicht wir, sondern ich. Entschuldigung. Aber überholen geht.“

Doch es kam sogar noch schlimmer. In der 64. Runde rollte mit Hamilton der zweite Mercedes aus, zum ersten Mal nach 33 Rennen erwischte es den Briten, das war bis dahin Formel-1-Rekord.

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