Formel 1

Darum ist Red Bull im gebremsten Party-Modus

Red Bull ist so nah an der Spitze wie lange nicht. Trotzdem steuert das Team auf ungewisse Zeiten zu.

Max Verstappen (l.) und Daniel Ricciardo gelten als das perspektivisch stärkste Duo der Branche

Max Verstappen (l.) und Daniel Ricciardo gelten als das perspektivisch stärkste Duo der Branche

Foto: Getty Images

Spielberg. Die stabilste Währung in der Steiermark, ach was, in ganz Österreich, ist immer noch DM. Hinter dem Kürzel verbirgt sich der reichste Mann des Landes, der auch die Formel 1 zu seinem Reich gemacht hat, zumindest für das Wochenende des Großen Preises von Österreich (Sonntag, 15.10 Uhr, RTL): Dietrich Mateschitz, durch die von thailändischen Fernfahrern abgeguckte Wachhalte-Brause zum 13,5-fachen Dollar-Milliardär geworden. DM ist das Kürzel, das in seinem Red-Bull-Imperium ehrfürchtig benutzt wird, das Volk nennt den 74-Jährigen lieber „Didi“.

15 PS mehr Leistung für das Heimrennen in Spielberg

Didi und sein Vorzeige-Rennstall müssen seit 2014 mit einer ungewohnten Rolle vorlieb nehmen – nach vier Titeln mit Sebastian Vettel fahren sie mehrheitlich hinterher. Deshalb wird das Perfektionistengeschäft Formel 1 jetzt wieder zur Abenteuersportart erklärt: Red Bull wird ausgerechnet jetzt, wo der langjährige Partner Renault langsam auf Touren kommt, auf die bislang instabilen Honda-Motoren setzen. Ab 2019 soll es damit aufwärts gehen. Verzweiflungstat? Kalkuliertes Risiko? Beste Chance? Von allem etwas.

Der französische Motorenlieferant beschenkt den Kunden zum Heimspiel trotzdem nochmal reichlich, obwohl die Beziehung schon länger zerrüttet ist: Red Bull bekommt den Party-Modus. So heißt jenes Plus an mehr Leistung, mit dem die Mercedes-Fahrer in der Qualifikation immer ein bisschen mehr herausholen können als die Konkurrenten. Renault hat jetzt ebenfalls für 15 PS auf Knopfdruck gesorgt. Vorgesehen war die Ausbaustufe erst für den Spätsommer, aber auf den Prüfständen hat der Leistungssprung schon jetzt Mut gemacht. Bei Renault ist man immer noch enttäuscht darüber, dass Red Bull nach zwölf Jahren die Partnerschaft beendet, man will den Abtrünnigen wohl auch gerade deshalb zeigen, wozu man im Stande ist.

Für Red Bull rechnet sich der Deal mit Honda zumindest finanziell

Die Japaner haben nach der Schmach, von McLaren nach drei indiskutabel schlechten Jahren verlassen worden zu sein, in dieser Saison kleiner angefangen – beim Red-Bull-Juniorteam Toro Rosso. Für die Zukunft sollen mehr Ingenieure an dem Prestigeprojekt arbeiten, aber kosten wird Red Bull das Ganze wohl kaum etwas. Vor allem hat der österreichische Rennstall, der aus dem britischen Milton Keynes betrieben wird, nun endlich seine Zutat, die für den Siegerkuchen in der Formel 1 entscheidend ist: die intensive Unterstützung eines großen Werkes. Mercedes und Ferrari hatten diese in der Vergangenheit bewusst verweigert, man wollte doch nicht selbst einen starken Gegner noch stärker machen. Was die Aerodynamik angeht, gilt Red Bull immer noch als Maßstab in der Branche. Angeblich soll ausgerechnet das Renault-Werksteam versucht haben, den Design-Superstar abzuwerben.

„Je mehr Gegner, je besser. Je enger, je spannender“

Das sagt Weltmeister Lewis Hamilton über die Angreifer Daniel Ricciardo und Max Verstappen. Das australisch-niederländische Duo gilt nicht nur in den Augen von Teamchef Christian Horner als das perspektivisch gesehen stärkste der Branche. „Wir nehmen deutlich mehr am WM-Kampf teil, als wir das in den vergangenen vier Jahren konnten“, sagt der Australier Daniel Ricciardo, schon zweimal siegreich in diesem Jahr: „In manchen Bereichen sind wir wieder ganz nah dran.“ Eine echte Chance auf den Titel gegen Vettel und Weltmeister Hamilton haben weder Ricciardo noch Teamkollege Max Verstappen. Doch Red Bull ist zumindest wieder Stammgast auf dem Podium.

So richtig rauslassen wollen beide Red-Bull-Piloten allerdings auch nicht, was sie von dem gewagten Unterfangen mit Honda halten. Verstappen aber kommt zunächst nicht aus seinem Vertrag raus, der bis 2020 läuft. Ricciardo pokert noch.