Formel 1

Max Verstappen: Ein Megatalent vergrault seine Bewunderer

Mit seinem Crash im Training von Monte Carlo hat Max Verstappen eine exzellente Siegchance und erneut viel Kredit verspielt.

Max Verstappen macht sich in der Formel 1 keine Freunde

Max Verstappen macht sich in der Formel 1 keine Freunde

Foto: pa

Monte Carlo. Unnötig", "schwere Sünde", "Wiederholungstäter" - die Kritik brach von allen Seiten über Max Verstappen herein. Einige der wichtigsten Köpfe der Formel 1 scheinen allmählich den Glauben an das Supertalent zu verlieren. Der 20-jährige Niederländer hat mit seinem Riesenbock im sportlich bedeutungslosen letzten freien Training zum Großen Preis von Monaco eindrucksvoll bewiesen, wie man eine realistische Siegchance binnen Sekundenbruchteilen zunichte machen kann. Das Unverständnis ist groß, der Ton wird schärfer.

"Er muss endlich anfangen, aus seinen Fehlern zu lernen", sagte Red-Bull-Teamchef Christian Horner nach dem Qualifying, an dem Verstappen wegen seines reparaturbedürftigen Boliden nicht teilnehmen konnte. Horner führte bei Channel 4 aus: "Max sitzt in einem Auto, das in der Lage ist, diesen Grand Prix zu gewinnen. Das wird ihn am meisten verletzen, weil man nicht so viele Möglichkeiten bekommt, einen Großen Preis von Monaco zu gewinnen."

Auch Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko ging hart mit seinem Zögling ins Gericht: "Er muss lernen, nicht immer Vollgas zu fahren. Dieser Unfall war schlicht unnötig." Die Konsequenz: Verstappen musste das Rennen vom letzten Startplatz angehen, am Ende kämpfte er sich immerhin noch auf Rang neun in die Punkte - sein Teamkollege Daniel Ricciardo gewann. Vom Speed her wäre also auch Verstappen ein Sieganwärter gewesen.

Der Verstappen-Reflex

"Das war mein Fehler", hatte Verstappen nach seinem Crash gesagt. Allerdings relativierte er seine Schuld - ein klassischer Verstappen-Reflex. Er beteuerte: "Es war erst mein zweiter Fehler der Saison nach China." Beim Rennen in Shanghai Mitte April hatte Verstappen den Ferrari von Sebastian Vettel gerammt und dafür eine Zeitstrafe erhalten.

Tatsächlich war der 20-Jährige, der 2016 als jüngster Fahrer überhaupt einen Grand Prix gewann, in diesem Jahr bereits in ein halbes Dutzend Unfälle verwickelt - unter anderem bei Tempo 330 mit Ricciardo Ende April in Baku. Für diesen Crash hatte ihm die Teamleitung auch öffentlich einen höheren Schuldanteil zugewiesen.

Sturheit ist nicht neu bei Verstappen, aufgrund der Häufigkeit seiner vermeidbaren Unfälle wirkt er allerdings unbelehrbar. "Wie oft will er das noch machen?", fragte Mercedes-Teamaufsichtsrat Niki Lauda rhetorisch. Gerhard Berger erklärte beim ORF: "So etwas darf nicht passieren. Beim Monaco-Grand-Prix sein Auto im dritten Training zu vernichten, ist einfach eine schwere Sünde."

Ex-Weltmeister Nico Rosberg kritisierte seinen früheren Kontrahenten ebenfalls scharf. "Max ist ein Wiederholungstäter. Im Qualifying 2016 hatte er einen fast identischen Crash, an der gleichen Stelle. Ich frage mich, ob Max nicht zu selbstsicher agiert, ob er nicht zu viel riskiert", sagte Rosberg bei RTL.

"Da will einer zu viel und zu schnell - immer noch", schrieb die Neue Zürcher Zeitung. Verstappen ruiniere "sich selbst, vielleicht sogar die Karriere", hieß es weiter. Diese Zeilen stammen von Mitte April. Drei Rennen und drei schwere Fehler später wirken sie aktuell wie eh und je.

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